Der Lieblingsplatz von Sylvianne Scholtyssek liegt nahe dem Phantasialand. Am Berggeistweiher holt sich die Malerin auch Inspirationen.
Mein LieblingsplatzFür eine Malerin ist der Berggeistweiher in Brühl ein Paradies

Den Berggeistweiher mit seinen Reflexen und Farben sieht Sylvianna Scholtyssek mit dem Blick einer Malerin.
Copyright: Oliver Tripp
„Das ist das Paradies“, ruft Sylvianna Scholtyssek mit erhobenen Armen. Zu finden ist es nur knapp fünf Minuten Fußweg entfernt vom Parkplatz am Birkhof, parallel zur Phantasialandstraße: der Berggeistweiher. Zum Ufer des Weihers führt der Weg an der Birkhofkapelle vorbei, die sich als besinnlicher Schutzraum anbietet, und am kleineren Lucretiasee.
Im Wasser des Berggeistweihers reflektieren je nach Brise kleine Wellen in ihren Spitzen das Sonnenlicht oder den blauen Himmel in ihren Talsohlen – „wie Perlen oder Sterne“, fällt Sylvianna Scholtyssek auf. Sie ist Malerin und betrachtet vieles aus einem gestaltenden Blick heraus.

Die Tür zur Birkhofkapelle ist tagsüber geöffnet, für Sylvianna Scholtyssek ist sie ein Schutzraum.
Copyright: Oliver Tripp
Nicht weit entfernt schwimmt das Ruderboot eines Anglers. Den Horizont säumen die Farbe Grün in all ihren Schattierungen und vielgestaltige Formen in Büschen und Bäumen. Am Ufer ranken sich stachelige Brombeeren mit unreifen weißen, grünen oder rosigen Früchten durch dichten, hohen Farn und verblühtes Schilf. Im sich ständig verändernden Wellenspiel erkennt Sylvianna Scholtyssek abstrakte Gemälde, Inspirationen für die Leinwand.
Brühl: Zeichnen mit Schülerinnen und Schülern am See
Mit den Worten „Hier ist richtig was los, der See malt die ganze Zeit. Wir brauchen nur zu sitzen und hinzuschauen“, holt sie ihr Mobiltelefon hervor, um ein paar Eindrücke festzuhalten. Sie arbeite gerne anhand von Fotografien ihre Bilder aus. Früher, als sie nach ihrem Kunststudium noch Zeichenkurse am Kloster der Dominikaner in Walberberg gegeben habe, sei sie oft mit ihren Schülerinnen und Schülern am See zum Zeichnen gewesen.
Nur der ganz spezielle Geruch lasse sich nicht auf Papier oder Leinwand bannen, der sei eben ganz so, wie nur „der Berggeist“ riechen könne. Damals als Kind habe der Name ihre Fantasie beflügelt. Erst später habe sie erfahren, dass er gar nichts mit einem Geist zu tun habe, der im Berg wohne, sondern schlicht jene Braunkohlegrube bezeichnete, die zur Rekultivierung mit Wasser angefüllt wurde. Die grüne Landschaft mit ihren Seen aus der Bergbaugeschichte rund um Brühl erinnere sie sehr an den Ort in Oberschlesien namens Gutenquell, heute Karchowice, in dem sie ihre Kindheit verbracht habe.
1973 sei es ihrer Familie gelungen, aus dem Ostblock zu fliehen, dem abgeschotteten Polen. Ziel sei Köln gewesen, wo viele ihrer Verwandten wohnten. Auf Einladung eines freundlichen, den Behörden als unverdächtig geltenden Wiener Ehepaares sei die Familie zunächst in die österreichische Hauptstadt gereist. Nach einem Besuch in der dortigen deutschen Botschaft sei ihnen die Einreise als Spätaussiedler genehmigt worden. Schade nur, dass sie selbst auf die Entscheidung als Zehnjährige keinen Einfluss gehabt habe, schildert Sylvianna Scholtyssek.
Vielleicht wäre sie gerne dortgeblieben, überlegt sie. Deutsch habe sie im Unterschied zu den Eltern erst in der neuen Heimat Brühl lernen müssen, bis auf den heutigen Tag liebe sie ihre Muttersprache Polnisch. Zurückgeblieben sei auch das Klavier, an dem sie seit dem sechsten Lebensjahr geübt habe, am liebsten Stücke von Bach.
„Wer weiß, wie ich heute ohne diesen Einschnitt leben würde“, fragt sich die 63-jährige Leiterin der Kunstabteilung der Kunst- und Musikschule Brühl manchmal. Aber sie habe aufgehört, mit dem Leben kämpfen zu wollen, und genieße ihren Unterricht vor allem mit Jugendlichen und Kindern. Mehr Inhalte als nur zur Kunst könne sie ihnen aus ihren Erfahrungen und Reisen, als Lehrerin und als Ratgeberin mitteilen.
Die Serie „Mein Lieblingsplatz“
Für die eine ist es der Friedhof, für den anderen ein Sportplatz oder ein verstecktes Wegekreuz – ganz individuell fällt die Wahl des Lieblingsplatzes im Kreis aus.
In jeder Ausgabe während der Sommerferien stellen wir mit der Serie „Mein Lieblingsplatz“ einen Ort in den zehn Kommunen vor, der für einen Menschen eine besondere Bedeutung hat, und laden zur Entdeckungstour ein.
Am Donnerstag (30. Juli) stellt Andreas Weyrauch seinen Lieblingsplatz in Kerpen, die Tennishalle, vor. (red)
