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Kommentar

Einsätze aufwändiger und teurer
Feuerwehr Erftstadt steht das Wasser bis zum Hals

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Ein Unwetter hatte Erftstadt-Herrig im Mai 2025 schwer getroffen.

Ein Unwetter hatte Erftstadt-Herrig im Mai 2025 schwer getroffen. 

Die Feuerwehr braucht mehr Geld. Auch weil der Krankenstand hoch ist und freiwillige Helfer einspringen müssen. Selbst Engpass in der Werkstatt.

Nun haben es Erftstadts Politikerinnen und Politiker sowie die Verantwortlichen im Rathaus Schwarz auf Weiß: Bei der hauptamtlichen Feuerwehr schrillen die Alarmglocken. Sie benötigt in diesem Jahr für ihre Arbeit 295.000 Euro mehr als ursprünglich vorgesehen. Im Haushaltsjahr 2025 seien erhebliche, im ursprünglichen Haushaltsansatz nicht berücksichtigte Mehraufwendungen entstanden, heißt es im Verwaltungsdeutsch. Sie resultieren aus nicht planbaren personal- und materialintensiven Einsätzen wie nach Starkregen und im Zusammenhang mit einer Bombenentschärfung in Bliesheim.

So weit, so gut – schließlich lassen sich extreme Wetterereignisse nicht vorhersehen, wobei einerseits gerade Erftstadt nach der verheerenden Flut 2021 wissen müsste, welche Urgewalt von Wasser ausgeht und welcher Aufwand damit verbunden ist, es zurückzudrängen.   Andererseits hat sich auch in diesem Jahr gezeigt, dass derartige Wetterphänomene meistens nur punktuell auftreten und massive Schäden anrichten.

Der hohe Krankenstand macht der Feuerwehr Erftstadt zu schaffen

Bedburg weiß aus leidvoller Erfahrung ein Lied davon zu singen. Während die übrigen Teile des Rhein-Erft-Kreises von den Unwettern verschont blieben, traf es die Stadt am nördlichen Rand mit voller Wucht. Die Folgen davon sehen Bewohner der Ressourcenschutzsiedlung noch heute, weil Räume nicht mehr nutzbar sind; zeitweilig stand sogar der Abriss von Häusern im Raum.

Mindestens ebenso viel Beachtung verdient ein anderer Aspekt in dem Verwaltungspapier, worin die die Faktoren ausgelistet sind, die den finanziellen Nachschlag notwendig machen. Er betrifft den hohen Krankenstand. Wörtlich heißt es: „Aufgrund einer überdurchschnittlich hohen Zahl von Personalausfällen entstand ein erhöhter Aufwand für Aufwandsentschädigungen im Ehrenamt, um die Einsatzbereitschaft sicherzustellen.“

Sorgen muss den Verantwortlichen ein weiterer Hinweis bereiten: „Der überalterte Fuhrpark   führt zu einem hohen Aufwand an Reparatur- und Wartungsmaßnahmen.“ Auch diese Arbeiten hätten nicht ausschließlich mit „Bordmitteln“ ausgeführt werden können – personelle Engpässe auch in der Kfz-Werkstatt der Feuerwehr. Konsequenz: Aufträge mussten an externe Werkstätten vergeben werden.

Erftstädter, die diese Mängelliste lesen, dürfen sich getrost fragen, wie es denn im Ernstfall um ihre Sicherheit bestellt ist – auch wenn es den Verantwortlichen mit Jörg Breetzmann an der Spitze, dem städtischen Ersten Beigeordneten, offenbar bisher gelungen ist, die personellen Ausfälle zu kompensieren sowie Fahrzeuge und Material einsatztüchtig zu halten. Eine Garantie für die kommenden Jahre ist das freilich nicht.

Dauerhaft Löcher zu stopfen, könnte sich irgendwann einmal rächen

Nun kam der Befund, der Politikerinnen und Politikern in dieser Woche vorgestellt wurde, nicht überraschend. Noch im Spätsommer kursierte bei den Parteien ein Schreiben der Feuerwehr und des Rettungsdienstes. Darin haben beide ihre Sorgen hinsichtlich ihrer Einsatzfähigkeit geäußert. Der Tenor: Personalmangel, Überstunden, hoher Krankenstand. Regelmäßig komme es vor, dass wegen der zu kurzen Personaldecke Rettungsfahrten in Erftstadt von Feuerwehren aus den Nachbarstädten übernommen werden müssten. Die Sicherheit der Bevölkerung stehe auf dem Spiel.

Da der Mangel durch die Stadtverwaltung selbst nicht geleugnet wird, müssen langfristige und wirksame Schritte erfolgen, um die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr zu gewährleisten. Wie jetzt im Nachhinein Löcher zu stopfen, könnte auf Dauer ins Auge gehen.