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Rotbach in LechenichSorge um Hochwasserschutz

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In einer Woche sollen die Arbeiten abgeschlossen und das angeschwemmte Erdreich am Ufer komplett weggebaggert sein.

Erftstadt-Lechenich – In großer Sorge sind Anwohner der Wilhelm-Leuschner-Straße in Lechenich. Unweit ihrer Grundstücke verläuft der Rotbach, wo derzeit ein Wall entlang des Ufers abgebaggert wird. Dadurch würden „erhebliche zusätzliche potenzielle Gefahrenbelastungen für die direkten Rotbach-Anwohner und das gesamte Patria-Gelände“ entstehen, warnen die Bürger. Ihr Sprecher Helmut Friedrich Bachmann wandte sich an den Erftverband und schickte eine Unterschriftenliste besorgter Bürger.

Zwar hätten die Anwohner der Leuschner-Straße kleine Mäuerchen am Ende ihrer Gärten gebaut. Doch diese könnten im Ernstfall doch niemals die Fluten des Rotbachs aufhalten. „Es ist unverständlich, dass durchlässige private Gartenmäuerchen jetzt zu Kanalmauern umgewidmet werden“, betont Bachmann. Die Mauern seien nicht stabil genug und könnten unterspült werden. „Sollten sie nicht standhalten, ergießt sich das Wasser voll in unsere Gärten und Häuser.“

1985 war das letzte große Hochwasser. „Mein Keller lief voll, es war fürchterlich“, erinnert sich Anwohnerin Gisela Mayer. Die Anwohner des Rotbachs sprechen von „einseitiger Risikoverlagerung“ und verlangen, dass die Bachkronen auf beiden Seiten auf gleichem Niveau gehalten werden. Bereits vorgenommene Absenkungen sollten rückgängig gemacht werden.

Das lehnt der Erftverband strikt ab. Tatsächlich handele es sich gar nicht um eine Bachkrone oder Schutzwall. Vielmehr werde der über etliche Jahre angeschwemmte Sand, Schlamm und Kies abgetragen. 1999 sei der Rotbach neu vermessen und der Hochwasserschutz angepasst worden. Das Material müsse abgebaggert werden, damit das Wasser nicht künstlich auf einem viel zu hohen Niveau gehalten werde, erläutert Hinrich Doering. Er ist beim Erftverband Abteilungsleiter für Gewässerbetrieb und Hochwasserschutz.

Zudem würden auch Bäume und Sträucher, an denen sich Treibgut verfangen könnte, entfernt. „Tatsächlich wird das frühere Flussbettprofil wiederhergestellt“, betont Doering. Die Hochwassergefahr steige, je weniger Platz das Wasser zum Abfließen habe. Nächstes Jahr würden auch die angeschwemmten Massen an der gegenüberliegenden Uferseite entfernt und Bäume abgeholzt.

Die Erdmassen würden zumeist aus dem Stadtgebiet von Mechernich angeschwemmt, wo sie sich infolge landwirtschaftlicher Nutzung großer Flächen lösten. „Hätten wir mehr Wald, würde auch weniger angeschwemmt“, so Doering.

Da das Erdreich hohen Schwermetallgehalt habe (in Mechernich gab es einst Bleibergwerke) würden die Massen zwischengelagert und später auf einer Deponie entsorgt.