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Vor OsternBunte Eier haben Hochkonjunktur auf einem Hof in Hürth

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Das Foto zeigt Martin Füngeling mit zwei Lagen gefärbter Eier im Produktionsbereich des Eierhofs.

Die Nachfrage nach gefärbten Eiern ist hoch auf dem Hof von Landwirt Martin Füngeling in Hürth.

60.000 Eier lässt Landwirt Martin Füngeling vor Ostern färben. Die Nachfrage ist hoch, das Angebot knapper als sonst. Das sind die Gründe.

Vor Ostern herrscht Hochbetrieb im Hofladen von Martin Füngeling in Hürth-Burbach: Neben frischen Eiern aus eigener Bodenhaltung gehen derzeit vor allem gefärbte Ostereier über die Ladentheke. Während Eier in vielen Supermärkten in den vergangenen Wochen knapp waren, kann Füngeling seine Stammkunden im Direktvertrieb bedienen – allerdings sollten sie nicht mehr allzu lange warten. „Wer selber Eier färben möchte, sollte sie eine Woche vorher kaufen“, empfiehlt Füngeling. Die Preise habe er im Januar um zehn Prozent anheben müssen, nachdem sie zwei Jahre lang stabil gewesen seien.

Vor allem die Geflügelpest hat in den vergangenen Monaten zu Engpässen bei Eiern im Handel geführt. In vielen betroffenen Betrieben mussten Hühner getötet werden, um eine weitere Ausbreitung des Vogelgrippevirus zu verhindern. Zwar gab es auf dem Hof von Martin Füngeling keinen Infektionsfall, sein Hühnerbestand blieb unversehrt. Dennoch war auch sein Betrieb indirekt betroffen. Nach einem Vogelgrippefall in einem kleineren Geflügelbestand in der Nachbarschaft Anfang November lag Füngelings Hof im Sperrbezirk, für den das Veterinäramt strenge Auflagen verhängt hatte. Unter anderem durfte er zehn Tage lang keine Eier verkaufen.

Hürth: Landwirt konnte erst mit Verspätung neue Hühner einstallen

Die Folgen eines zeitweiligen Transportverbots wirken sich bis heute aus. So konnte der Landwirt erst mit einiger Verspätung neue Hühner einstallen. Das führte dazu, dass in zwei der sechs Stallungen unplanmäßig zu junge Hühner leben. „Es dauert einige Wochen, bis die jungen Hennen anfangen zu legen“, berichtet Füngeling. „Und die ersten Eier sind anfangs zu klein für den Verkauf.“ Gut drei Wochen lang gab es aus dem Junghennenstall gar keine Eier, drei weitere Wochen dann nur zu kleine Eier. Hinzu kommt, dass Ostern in diesem Jahr sehr früh liegt. Unterm Strich hätten mehrere Wochen gefehlt, in denen der Betrieb sonst einen größeren Vorrat an Eiern hätte aufbauen können.

Das Foto zeigt Hühner in einem der Ställe auf dem Füngelinghof.

Rund 11.000 Eier legen die Hühner auf dem Füngeling-Hof jeden Tag. Sie leben dort in Bodenhaltung.

Durch die Knappheit am Markt sei die Nachfrage von gewerblichen Abnehmern deutlich gestiegen. „Ich musste einige größere Bestellungen ablehnen“, sagt Füngeling. Von den rund 11.000 Eiern, die die 14.000 Hennen täglich legen, verkauft er etwa ein Viertel im eigenen Hofladen. Drei Viertel gehen an Supermärkte, Marktbeschicker, andere Hofläden und Weiterverarbeiter wie Gastronomie, Bäckereien und Metzgereien. Ein ähnliches Verhältnis gilt aktuell für gefärbte Eier: Rund 60.000 Eier lässt Füngeling in den Wochen vor Ostern in einem Fachbetrieb in Euskirchen färben.

Bei Eiern ist es wie bei einem guten Wein: Sie müssen reifen, damit sich das volle Aroma entfaltet
Martin Füngeling, Landwirt

Den umsatzstärksten Tag erwartet Füngeling am Gründonnerstag. „Wir hoffen, dass wir unseren Kunden auch am Ostersamstag noch gefärbte Eier anbieten können. Die gibt es bei uns das ganze Jahr über“, sagt er. Tagesfrische Eier sind dann auf jeden Fall noch im Hofladen erhältlich. Für das Kochen und Färben eignen sich ganz frische Eier allerdings weniger. „Zum Kochen sollte ein Ei ein paar Tage alt sein, sonst platzt es“, erklärt Füngeling. „Damit es sich gut pellen lässt, sollte es etwa eine Woche alt sein.“ Seiner Erfahrung nach schmecken Eier nach rund zehn Tagen am besten. „Bei Eiern ist es wie bei einem guten Wein: Sie müssen reifen, damit sich das volle Aroma entfaltet.“

Er empfiehlt, Eier möglichst außerhalb des Kühlschranks ohne große Temperaturschwankungen zu lagern. „Selbst gefärbte Eier gehören aber in den Kühlschrank“, sagt der Landwirt. Wichtig sei, dass die Schale beim Färben nicht verletzt werden, sonst verderben die Eier schneller.

Nach Ostern wird es auf dem Eierhof zunächst etwas ruhiger. „Da kommt erstmal eine Delle beim Absatz“, sagt Füngeling. Einen Teil seiner Legehennen schickt er anschließend in die Legepause: Weniger Licht im Stall und ein weniger gehaltvolles Futter sorgen dann dafür, dass die Hennen nicht mehr täglich ein Ei legen. Es werde aber immer noch genug frische Eier für den Verkauf geben. Übrigens ist Ostern für den Betrieb nicht einmal die umsatzstärkste Zeit im Jahr. Martin Füngeling: „Vor Weihnachten verkaufen wir noch mehr Eier, weil in der Adventszeit viel gebacken wird.“