Abo

Golfen am SimulatorHobbysportler macht sich mit Golfhalle in Hürth selbstständig

3 min
Das Foto zeigt den Inhaber mit Golfschläger am Abschlag vor der Videowand.

Schwung holt Inhaber Peter Stümer am Abschlag vor der Videowand.

Eine halbe Million Euro hat das Gründerpaar nach eigenen Angaben investiert. Am Simulator können Anfänger und Profis den Schläger schwingen.

Kurze Konzentration. Peter Stümer richtet sich aus, prüft die Linie. Dann der Rückschwung, ein kurzer Moment der Spannung – und mit einem trockenen „Klack“ trifft der Schläger den Golfball. Der Ball steigt steil auf, wird jedoch nach wenigen Metern von einer großen Videoleinwand gestoppt. Dort zieht er als kleiner weißer Punkt über das digitale Fairway und landet viele virtuelle Meter weiter auf dem Grün.

Weit laufen muss Stümer nicht, um zum nächsten Schlag anzusetzen. Der 27-Jährige ist gemeinsam mit Tamara Abu Taha Inhaber der Indoor-Golfanlage „Seven Tees“ auf dem Euronova Campus in Kalscheuren. Vor dem nächsten Schlag wirft er noch einen Blick auf den Monitor. Schlägerkopfgeschwindigkeit, Schlagweite, Ballflug, Spin und weitere Schwungdaten – rund 30 Parameter hat das mit Hochgeschwindigkeitskamera, Infrarotsensoren und Radartechnik ausgestattete Trackman-System erfasst.

Hürth: Simulator-Golf in einer Halle der ehemaligen MMC-Studios

Aus den Daten berechnet die Software die Flugbahn des Balls auf dem virtuellen Golfplatz. Gespielt wird mit echten Schlägern und Bällen, die die Besucher mitbringen oder vor Ort ausleihen können. Das Golfen am Simulator sei nicht nur ein Freizeitangebot, sondern auch für ambitionierte Spieler interessant, die ihre Technik verbessern möchten, sagt Stümer. Der Hobbygolfer spielt selbst regelmäßig auf dem Platz seines Clubs und hat ein ziemlich gutes Handicap von 4,6.

Gemeinsam mit seiner Partnerin Tamara Abu Taha (34) aus Brühl eröffnete der Bergisch Gladbacher im Januar die Anlage. In der 720 Quadratmeter großen Halle auf dem Gelände der früheren MMC-Studios an der Hasenkaule stehen heute fünf Golfsimulatoren, vier Driving Ranges, eine Bar und eine Lounge zur Verfügung. An den Simulatoren können Besucher komplette Runden auf über 400 digital nachgebildeten Golfplätzen aus aller Welt spielen, ihre Technik trainieren, aber auch Wettbewerbe austragen und mit kleinen Spielen wie Zielschießen ihr Talent prüfen.

Das Foto zeigt das Inhaberpaar mit Golfausrüstung in der Golfhalle.

Die Golfausrüstung kann man sich bei Peter Stümer und Tamara Abu Taha ausleihen.

„Hier kann jeder Golf spielen – egal, ob er zum ersten Mal einen Schläger in der Hand hat oder schon Erfahrung mitbringt“, sagt Stümer. Ein Vorteil für Anfänger: Eine Platzreife ist nicht erforderlich.

Mit der Eröffnung der Anlage wagten Stümer und Abu Taha den Schritt in die Selbstständigkeit. Stümer arbeitete nach einer Ausbildung zum Personaldienstleistungskaufmann und einem Studium im Bereich Personalmanagement zunächst im elterlichen Dienstleistungsunternehmen. Abu Taha, gelernte Einzelhandelskauffrau und Betriebswirtin, ist nach einem Studium im Bereich General Management weiterhin dort als Personalreferentin tätig.

Auf dem Euronova Campus in Hürth fanden die Gründer die passende Halle

Die Idee zur eigenen Golfhalle entstand vor rund zwei Jahren bei einem Besuch von „Seven Tees“ in München. Das Franchise-Unternehmen betreibt dort und an zwei weiteren Standorten in Bayern Indoor-Golfanlagen. Auf dem Euronova Campus fanden die Gründer schließlich eine Halle mit ausreichend hoher Decke. „Wir hatten bei der Einrichtung komplett freie Hand“, berichtet Stümer. Dabei konnten die beiden auf die Infrastruktur und Erfahrungen des Franchisegebers zurückgreifen.

Rund eine halbe Million Euro investierten sie nach eigenen Angaben in Technik und Ausstattung. Perspektivisch soll die Anlage einen fest angestellten Golftrainer erhalten. Auch Stümer selbst will noch eine Trainerausbildung machen. Die Simulatorplätze für jeweils bis zu acht Spieler sind durch schwere Vorhänge voneinander getrennt, die sich bei Bedarf öffnen lassen. Damit eignet sich die Anlage auch für Veranstaltungen, Teambuilding und Firmen-Events.

Mit dem Start ist das Gründerpaar zufrieden, obwohl die Hochsaison für Indoor-Golf im Winter liegt, wenn viele Außenplätze nur eingeschränkt bespielbar sind. „Es hat deutlich besser angefangen, als wir erwartet hatten“, sagt Tamara Abu Taha. „Mit dem besseren Wetter wurde es etwas ruhiger.“ Entsprechend sind die Öffnungszeiten im Sommer kürzer als im Winter. Aktuell ist die Indoor-Golfanlage montags bis mittwochs sowie samstags von 10 bis 20 Uhr geöffnet, donnerstags und freitags von 12 bis 20 Uhr.