Seit Sommer 2025 werden in Hürth keine angehenden Fachkräfte für Heilerziehungspflege und Sozialassistenz mehr unterrichtet.
„Alles muss raus“Lebenshilfe räumt Berufskolleg in Hürth – Inventar wird verkauft

Die Lebenshilfe hat ihr Berufskolleg in der ehemaligen Volksschule Gleuel geschlossen und räumt jetzt das Gebäude.
Copyright: Andreas Engels
„Alles muss raus!“ heißt es im ehemaligen Berufskolleg der Lebenshilfe an der Hermülheimer Straße. Nach dem Aus für das Kolleg im Sommer 2025 wird in den Räumen der alten Volksschule in Hürth-Gleuel Anfang März das Inventar verkauft. Im Angebot sind unter anderem Schul- und Schreibtische, verschiedene Stühle, Aktenschränke, Flipcharts sowie Wandtafeln.
Mit Beginn der Sommerferien 2025 endete der Unterrichtsbetrieb am Berufskolleg in Gleuel. Seit 1996 hatte die Lebenshilfe Nordrhein-Westfalen, ein Selbsthilfeverband für Menschen mit geistiger Behinderung, dort Heilerziehungspflegerinnen und -pfleger ausgebildet. Zudem gab es einen niederschwelligen dualen Bildungsgang zu Sozialassistentinnen und -assistenten. Zeitweise besuchten bis zu 230 Schülerinnen und Schüler sowie Studierende das Kolleg, rund zwei Drittel davon Frauen.
Hürth: Zahl der Studierenden und Auszubildenden sank kontinuierlich
Die angehenden Heilerziehungspflegekräfte arbeiteten drei Tage pro Woche bei unterschiedlichen Trägern von Einrichtungen wie Wohngruppen, Werkstätten oder Kitas und wurden an an anderen beiden Tagen in Gleuel unterrichtet. Etwa ein Drittel der Auszubildenden war bei Einrichtungen der Lebenshilfe selbst beschäftigt. Der Einzugsbereich reichte von der Eifel bis ins Rechtsrheinische und den Aachener Raum.
Alles zum Thema Hürth Gleuel
- „Alles muss raus“ Lebenshilfe räumt Berufskolleg in Hürth – Inventar wird verkauft
- Goldhochzeit Marineuniform machte auch beim Vater der künftigen Braut aus Hürth Eindruck
- Einbruch in Hürth Unbekannte dringen in Grundschule in Gleuel ein
- Nach Rohrbruch Fernwärmeleitung in Hürth schneller als geplant wieder repariert
- Einbruchsserie in Hürth und Kerpen Polizei sucht nach Zeugen und Zeuginnen
- Kamelle und Strüßjer Diese Karnevalszüge ziehen durch den Rhein-Erft-Kreis
- Brandermittlungen Experten lesen in Hürth die Spur des Feuers
Doch das Interesse an Bildungsgängen, die für die Betreuung von Menschen mit Behinderungen qualifizieren, ist nach Angaben der Lebenshilfe seit Jahren rückläufig. Die Zahl der Studierenden und Auszubildenden sank kontinuierlich – und damit auch die Höhe der Landeszuschüsse für die Einrichtung.
Hilferuf des Trägers des Hürther Berufskollegs blieb ungehört
Im Herbst 2024 kündigte der Landesverband schließlich das drohende Aus für das Berufskolleg an. Mit damals nur noch 90 Studierenden und Auszubildenden sei die Einrichtung nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben gewesen, hieß es damals. Als sogenannte Ersatzschule musste der Träger – anders als öffentliche Schulen – einen Teil der Betriebskosten selbst bezahlen.
„Wir haben damals einen Hilferuf an die Träger versendet, bei denen unsere Auszubildende beschäftigt waren“, sagt Philipp Peters, Sprecher der Lebenshilfe Nordrhein-Westfalen. „Das ist leider nicht auf große Resonanz gestoßen.“ Dem Vorstand sei schließlich nichts anderes übrig geblieben, als die Liquidierung des Berufskollegs nach Ende des Schuljahres 2024/25 zu beschließen.
Zu diesem Zeitpunkt wurden in Gleuel noch 57 angehende Heilerziehungspflegekräfte sowie elf Auszubildende zur Sozialassistenz unterrichtet. „Alle konnten an andere Berufskollegs wechseln, um ihre Ausbildung fortzusetzen“, so Peters. Dem 15-köpfigen Lehrerkollegium sei gekündigt worden, es habe aber einen Sozialplan gegeben.
Die von der Stadt angemieteten Räume in der ehemaligen Volksschule werden nun geräumt. Bei der Stadtverwaltung gibt es Pläne, das Gebäude als Ausweichquartier für die benachbarte Brüder-Grimm-Grundschule zu nutzen, die erweitert werden soll. In der alten Volksschule ist bereits die Offene Ganztagsbetreuung untergebracht, im Keller residiert der Jazzclub.
Hier wird das Mobiliar verkauft
Der Inventarverkauf findet ausschließlich am Freitag und Samstag, 6. und 7. März, jeweils von 9 bis 17 Uhr vor Ort an der Hermülheimer Straße 12-14 in Hürth-Gleuel statt. Bezahlt werden kann vor Ort in bar oder mit Paypal. Mitnahme oder zeitnahe Abholung sind möglich. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

