Mit seinem neuen Buch „Die mutige Rebellin“ wagt sich der Kerpener auch in das Genre des historischen Romans vor.
James A. SullivanDarum stand Name des Kerpener Erfolgsautors jahrelang nicht auf seinem Buch

Der Autor James Sullivan sitzt in der Kerpener Bücherei St. Martinus.
Copyright: Elena Pintus
Er hat an einem der erfolgreichsten deutschen Fantasy-Romane mitgewirkt, und doch ist er außerhalb des Genres eher unbekannt. James A. Sullivan ist Co-Autor des Bestsellers „Die Elfen“ aus dem Jahr 2004. Bis vor wenigen Jahren stand jedoch nur der Name seines Mit-Autors Bernhard Hennen auf dem Buchumschlag. Wie es dazu kam, wie sich das geändert hat und woran der 51-jährige Kerpener heute schreibt, erklärt er im Interview mit Elena Pintus.
Wie kamen Sie zum Schreiben, Herr Sullivan?
Wie viele andere in der Phantastik, bin ich durch Fantasy-Rollenspiele richtig zum Schreiben gekommen. Dabei handelt es sich um Erzählspiele mit Stift und Papier, durch die ein Spielleiter führt. Szenarien für solche Spiele kann man kaufen oder, wenn man, wie ich damals, noch Teenager ist und kein Geld hat, dann kann man selbst welche entwerfen.
Davor habe ich bereits Fanfictions geschrieben, also Fan-Geschichten zu bereits bestehenden Erzählwerken. Das ist ein sehr guter Weg für junge Schreibende, sich erstmal zu erproben. Sie müssen nicht direkt eine komplette Erzählwelt bauen, sondern können in vertraute Erzählwelten eintauchen und ihre Version dazu schreiben. Bei mir waren es vor allem Erzählungen zu „Star Wars“.
Alles zum Thema Universität zu Köln
- James A. Sullivan Darum stand Name des Kerpener Erfolgsautors jahrelang nicht auf seinem Buch
- Hype im Netz Kölner rätseln über Papageien-Graffiti
- „Um das Leben besser zu machen“ Warum der Weltraum für die deutsche Wirtschaft unverzichtbar wird
- „Wer nicht investiert, der verliert“ NRW will sich an neuer Raumstation beteiligen
- Stadtgeschichte Wie in Opladen die FDP gegründet wurde
- Museum für Ostasiatische Kunst Wer braucht Drachen, wenn er Pferde hat
- Werden die letzten jungen Anhänger vergrault? Evangelische Kirche will Studentenwohnheime dicht machen
Kennenlernen auf einer Rollenspiel-Veranstaltung
Haben Sie auf diesem Weg auch Bernhard Hennen kennengelernt?
Ja. Kennengelernt haben wir uns auf einer Rollenspiel-Convention Mitte der Neunziger. Bernhard Hennen war sehr angetan von dem, was meine heutige Frau und ich damals zusammen geschrieben haben. Wir wurden dann zwei seiner Erstleser. Dadurch, dass Bernhard Hennen wie ich an der Uni Köln unter anderem Germanistik mit dem gleichen Schwerpunkt Mediävistik studiert hat, konnten wir wunderbar über Literatur reden.
Als ich für meine Magister-Klausuren gelernt habe, da rief er mich plötzlich an und fragte, ob wir zusammen einen Roman über Elfen schreiben wollen. Ich bat ihn, mich in einer Stunde noch einmal anzurufen. Ich war einfach schockiert, weil mein Kopf gerade mit Prüfungsvorbereitungen beschäftigt war. Ich habe dann zugesagt – auch, weil ich mich nicht ein Leben lang fragen wollte, was wohl aus der Sache geworden wäre. Meine Entscheidung habe ich jedenfalls nicht bereut. Meine Prüfungen litten überhaupt nicht darunter, und der Roman schaffte es auf die Bestseller-Liste.
Im Jahr 2022 erschien auf dem Online-Portal „Phantastik-Bestenliste“ ein offener Brief an den Heyne-Verlag, weil Ihr Name seit der Erstveröffentlichung nicht auf dem Cover von „Die Elfen“ stand. Wie kam es dazu?
Dass ich nicht auf dem Cover stand, lag daran, dass Bernhard innerhalb der Szene schon sehr bekannt war, unter anderem durch seine Arbeit in der Rollenspielwelt von „Das Schwarze Auge“. Der Verlag wollte im Grunde mit seinem Namen Werbung machen. Es war von Anfang an klar, dass mein Name „undercover“ sein würde, wir aber als gleichberechtigte Autoren arbeiten und uns die Tantiemen dementsprechend teilen würden. Immer, wenn ich gefragt wurde, warum ich nicht auf dem Cover stehe, habe ich gesagt: Weil wir es so vereinbart haben und dabei geblieben sind.
Offener Brief aus der Phantastik-Szene
Nun war es aber so, dass Bernhard die „Phileasson-Saga“, eine weitere Phantastik-Reihe, ebenfalls mit einem Co-Autoren, Robert Corvus, schreiben wollte. Der stand dann auf den Covern drauf. Dadurch war es irgendwann nicht mehr zu erklären, warum ich hingegen immer noch nicht auf dem Cover von „Die Elfen“ stand. Das mündete darin, dass Kolleg*innen und andere Interessierte einen offenen Brief an den Verlag geschrieben haben. Und der Verlag hat daraufhin eingelenkt.
War es denn schlimm für Sie, nicht auf dem Cover zu stehen?
Ich habe mich da immer schön zurückgehalten, weil wir das einfach so vereinbart hatten. Schlimm war es zwar nicht für mich, aber es war dennoch bitter. Ich nenne das „im Erfolg erfolglos sein“. Einerseits war ich mit „Die Elfen“ sehr erfolgreich. Aber gleichzeitig habe ich mich schwer damit getan, neue Veröffentlichungen zu bekommen. Mein nächstes Buch, „Der letzte Steinmagier“, hat sich nicht gut verkauft.
Haben Sie sich manchmal gefragt, ob Ihr zweites Buch erfolgreicher gewesen wäre, hätte Ihr Name direkt auf dem Cover gestanden?
Ja, daran habe ich gedacht. Aber ich habe einem Deal zugestimmt. Ich hätte auch nein sagen können. Und ich kann nicht sagen, dass ich darüber unglücklich bin. Ich verdiene immer noch Geld mit diesem Buch, das wir 2004 geschrieben haben. Das, was wir damit erreicht haben, steht für mich im Vordergrund. Und mit dem Erfolg von „Nuramon“, meinem dritten Roman, konnte ich mich dann auch als eigenständiger Autor etablieren.
Man könnte sagen: Ich gehöre zu den Autoren, die gerade so vom Schreiben leben können. Darum schätze ich mich sehr glücklich. Die meisten in unserer Branche können das leider nicht.
Wie betrachten Sie die heutige Lage am Buchmarkt, ist es schwieriger geworden für Autorinnen und Autoren?
Ich würde sagen, dass heute weniger Leute vom Schreiben leben können als vor 15 oder 20 Jahren. Heute kommen viele durch Selfpublishing, also dem Publizieren ohne einen Verlag zum Veröffentlichen. Früher wären die womöglich an den Hürden der Verlage gescheitert. Von daher ist das grundsätzlich zu befürworten. Die Kosten – und damit die Risiken – trägt man dabei allerdings selbst.
Zudem müssen wir schauen, was die neue KI-Schwemme so alles mit sich bringt. Wer will von Künstlicher Intelligenz geschriebene Bücher wirklich lesen? Ich denke jedoch, dass diese Entwicklung dazu führen könnte, dass die Menschen wieder mehr vor Ort in den Buchhandlungen und Bibliotheken sein wollen. Wenn Kunden im Online-Handel vor lauter KI nicht mehr erkennen können, was ein von einem Menschen verfasstes Buch ist und was nicht, dann wird fachkundige Beratung wieder wichtiger.
Gerade bei der jüngsten Veranstaltung hier vor Ort in der Stadtbücherei St. Martinus, sie heißt „Literatur und Wein“, ist mir wieder aufgefallen: Bei den Menschen wächst wieder das Bedürfnis, andere Menschen zu treffen und sich auszutauschen.
Bei diesem Literatur- und Weinabend haben Sie aus Ihrem neuen Roman „Die mutige Rebellin“ gelesen. Sie wagen sich also auch in andere Genres vor?
Ja, man muss dazu sagen, ich ordne mich selbst der progressiven Phantastik zu. Das haben wir in unserer Ecke des Genres für uns als Label gewählt. Unsere Themen sind unter anderem Antirassismus – und generell das Hinterfragen von Traditionen. Das basiert auf der Idee, dass Phantastik wie jede andere Literatur im Kern nicht von irgendwelchen Fantasie-Welten oder der Zukunft handelt, sondern eigentlich von uns und unserer Zeit. Die Wirklichkeit wird einfach nur auf eine andere Weise erzählt. Dafür sind wir beim Piper Verlag bekannt.
Nun suchte man jemanden, der im Rahmen einer Reihe über bedeutende Frauen in der Geschichte einen Roman über Rosa Parks schreibt. Und das sollte eben eine Schwarze Person machen, die sich mit Anti-Rassismus und der Geschichte der Bürgerrechtsbewegung auskannte. Und da dachte der Verlag an Patricia, die wie ich progressive Phantastik schreibt. Sie hatte aber eigentlich nicht genug Zeit und verwies auf mich.
Ich aber hatte Bedenken, weil ich als Mann nicht einer Autorin den Raum nehmen wollte, über eine Schwarze Frau zu schreiben. Ich konnte mir aber vorstellen, als Co-Autor von Patricia zu arbeiten. So haben wir dann entschieden, dass wir es gemeinsam versuchen wollten. Und wir sind mehr als stolz auf das, was wir da als Team geschaffen haben.
Die mutige Rebellin
Der historische Roman „Die mutige Rebellin“ von Patricia Eckermann und James A. Sullivan ist in diesem Jahr im Piper-Verlag erschienen. Es geht darin um Rosa Parks und ihren unnachgiebigen Kampf gegen die Unterdrückung Schwarzer Menschen. Ausschlaggebend war Parks Weigerung am 1. Dezember 1955, für einen Weißen von ihrem Sitzplatz in einem Bus aufzustehen. Das Buch ist überall online und im Buchhandel erhältlich, ISBN: 978-3-492-06624-2.
James A. Sullivan wurde am 14. Februar 1974 in West Point, New York, geboren und kam im Jahr 1978 nach Deutschland. Er ist Sohn eines US-Amerikaners und einer Deutschen. Er lebte fortan, mit Ausnahme der Studienzeit, die er in Köln verbrachte, in Kerpen. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.

