Die Bürgerinitiative „Innerer Grüngürtel für alle“ kämpft für einen offenen Sporthof, während der SC Fortuna Köln seine Platzkapazitäten erweitern will.
Innerer GrüngürtelBürgerinitiative kämpft für öffentlichen Sporthof

Auch Bezirksbürgermeisterin Sabine Müller (2. Reihe, 3 von links) gehört der Bürgerinitiative „Innerer Grüngürtel für alle!“ an.
Copyright: Stephanie Broch
Öffentliche Grünflächen wie der Innere Grüngürtel sollten dem Gemeinwohl dienen. Davon ist die neu gegründete Bürgerinitiative „Innerer Grüngürtel für alle!“ überzeugt. Sie setzt sich für einen frei zugänglichen Sporthof auf einer Fläche zwischen Vorgebirgsglacisweg und Bahndamm nahe des Südstadions ein. „Die Gestaltungsvariante Sporthof wäre ein klassischer ,Dritter Ort‘: niedrigschwellig, nicht kommerziell, generationsübergreifend und sozial durchmischt – ein lebendiger Ort des Mitmachens für alle“, sagt Berit Schallern von der Initiative.
Das Areal liegt im Planungsgebiet der Verlängerung des Inneren Grüngürtels im Zuge der Parkstadt Süd. Derzeit stehen dort noch Gewerbegebäude. Die Stadtverwaltung hat zwei Nutzungsvarianten erarbeitet: einen öffentlichen Sporthof mit Bewegungsangeboten, Café, öffentlicher Toilette und kultureller Nutzung für alle – oder ein Großspielfußballfeld mit Kunstrasen für Vereine und die Universität.
Verwaltung bevorzugt Sporthof im Inneren Grüngürtel
Die Verwaltung favorisiert den Sporthof. Ein vermutlich umzäuntes Großspielfeld widerspreche „massiv dem offenen und durchlässigen Charakter mit weiten Wiesenflächen“ des Inneren Grüngürtels, so die Verwaltung. Zudem müssten dafür rund 20 zusätzliche Bäume gefällt werden. Die Kosten lägen bei etwa 16 Millionen Euro, während das Fußballfeld rund 18 Millionen Euro kosten würde.
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Anders sieht das der SC Fortuna Köln. Der Verein fordert das Großspielfeld mit Nachdruck und verweist auf akute Platznot. Präsident Hans-Jörg Westendorf betont, der Bedarf könne auch durch die geplante Erweiterung des Jean-Löring-Parks – ebenfalls Teil des Inneren Grüngürtels – nicht langfristig gedeckt werden. Laut einer Nutzerbedarfsanalyse von 2023 würde diese Erweiterung zwar den aktuellen Bedarf abdecken, nicht aber den eines weiterwachsenden Vereins, so die Fortuna.

Eine Fläche zwischen Vorgebirgsglacisweg und Bahndamm in Zollstock wird Bestandteil des Inneren Grüngürtels im Rahmen der Parkstadt Süd. Hier soll künftig ein öffentlicher Sporthof oder ein Großspiel-Fußballfeld entstehen.
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Dem widerspricht die Bürgerinitiative. „Trotz wiederholter Nachfrage wurde uns kein Nachweis über einen zusätzlichen Bedarf der Fortuna oder der Universität vorgelegt. Am Fußballfeld hat keine einzige Schule Bedarf angemeldet, an der Variante Sporthof aber schon“, sagt Ella Brauer. Sie ist auch im Vorstand der Tanzschule Swinging Pool Cologne, die – wie ein weiterer Tanzverein – ein Gebäude im Planungsgebiet nutzt, das bei der Variante Großspielfeld abgerissen würden. „Es geht hier aber nicht um Einzelinteressen, sondern um das Wohl aller Bürger. Ein öffentlicher Sporthof bringt deutlich mehr Nutzen für viele als eine Fläche für einen Verein“, so Brauer.
Sporthof auch fürs Klima
Zentral sind für die Initiative auch Klima-Argumente. „Kunstrasen stellt im Sommer eine zusätzliche Hitzeinsel dar, belastet die Kanalisation bei Starkregen und gefährdet durch Mikroplastik, das durch Abnutzung entsteht, sowie durch Fungizide, die zur Pflege eingesetzt werden, Umwelt und Grundwasser“, sagt Karin Piesch.
Unterstützung kommt von den Rodenkirchener Seniorenvertretern Lothar Segeler und Tom Grothkop. „Für ältere und alte Menschen sind Orte in Wohnungsnähe wie der Sporthof wichtig. Dieser potentielle Grünraum mit Bäumen, Café und öffentlicher Toilette ist insbesondere bei Hitze wichtig. Es darf nicht sein, dass diese Fläche für einen großen Fußballplatz mit künstlichem Rasen der öffentlichen Nutzung entzogen wird“, erklären sie.
Stadtentwicklungsausschuss vertagte die Entscheidung
Politisch ist die Lage offen. Im März des vergangenen Jahres stimmten im Sportausschuss SPD, FDP und CDU für das Fußballfeld, Grüne und Linke dagegen, Volt enthielt sich. Im Stadtentwicklungsausschuss (Stea) wurde das Thema mehrfach vertagt. „Momentan hat keine der Varianten eine Mehrheit, und wir wollen nicht, dass die AfD das Zünglein an der Waage wird“, sagt Bezirksbürgermeisterin Sabine Müller, Bündnis 90/Die Grünen, die ebenfalls Mitglied der Bürgerinitiative ist. Das Thema stand jetzt erneut auf der Tagesordnung des Stea, wurde aber von der Verwaltung abgesetzt. „Das zeigt, dass es noch Gesprächsbedarf zwischen Verwaltung und Politik gibt“, so Müller. „Es ist Bewegung im Thema“, sagt SPD-Ratsmitglied Oliver Seeck, Vorsitzender des Sportausschusses. Wann eine Entscheidung fällt, ist derzeit noch offen.
