Angeklagt ist ein zur Tatzeit 39-jähriger Mann. Er war zwei Monate lang auf der Flucht und muss sich nun wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.
Streit im Gericht eskalierteProzess nach Messerstichen vor Amtsgericht Kerpen

Polizeibeamte sicherten am Amtsgericht Kerpen im Mai 2025 Spuren.
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Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt: Mitte Mai 2025 hatte ein 39-Jähriger einen Mann (42) vor dem Amtsgericht Kerpen durch mehrere Messerstiche lebensbedrohlich verletzt. Das Opfer überlebte nach einer Notoperation, der Täter flüchtete. Mehrere Wochen lang fahndeten Polizei und Staatsanwaltschaft per Haftbefehl nach dem Wuppertaler.
Jetzt, acht Monate später, muss er sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Der Mann kehrt ans Amtsgericht Kerpen zurück, dieses Mal als Angeklagter. Dies gab Amtsgerichtsdirektor Dr. Arndt Lorenz auf Nachfrage dieser Redaktion bekannt. Der Prozess findet am Donnerstag, 12. März 2026, statt.
Im Prozess spielte ebenfalls ein Messer eine Rolle
Polizei und Staatsanwaltschaft hatten im Mai in einer gemeinsamen Erklärung mitgeteilt, dass sich der 42-Jährige und der Wuppertaler im Wartebereich des Amtsgerichts lautstark gestritten hatten. Als das spätere Opfer das Gebäude verließ, soll der damals 39-Jährige es in Richtung Parkplatz verfolgt haben. Dort soll er auf der parallel verlaufenden Löwener Straße mehrfach auf den 42-Jährigen eingestochen haben, der als Beifahrer in einem grauen BMW saß.
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Wie Lorentz wenige Tage nach der Tat mitteilte, waren seiner Kenntnis nach Opfer und Täter am Rande eines Prozesses aufeinander getroffen, in dem es ebenfalls um eine gefährliche Körperverletzung ging. Angeklagt war ein Mann, der bei einer Auseinandersetzung zweier Gruppen im Oktober 2024 in Frechen zwei Männer verletzt haben soll.

In diesem Wagen saß das Opfer, als der Angeklagte mehrfach auf es eingestochen haben soll.
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Dabei spielte laut Anklage auch ein 40 Zentimeter langes Messer eine Rolle, wobei die Verletzungen nicht daher rührten. Auslöser waren demnach Unstimmigkeiten über den Verkauf einer Geschäftsimmobilie in Frechen. Das 42-jährige Opfer hatte als Zeuge und einer der Geschädigten in diesem Prozess ausgesagt. Kurz danach war es laut Lorentz auf einem der Flure des Gerichtsgebäudes zu einem Streit zwischen dem 39-Jährigen und einem Mann gekommen, möglicherweise das spätere Opfer.
Das Opfer, das blutüberströmt auf dem Bürgersteig lag, verdankt wohl einer Mitarbeiterin des Amtsgerichts sein Leben. Sie leistete geistesgegenwärtig Erste Hilfe, nachdem es sich im Gerichtsgebäude in Windeseile herumgesprochen hatte, dass jemand schwer verletzt sei. Amtsgerichtsdirektor Lorentz zollte der Frau seinen Respekt: „Das Ganze war ja nicht ganz ohne. Schließlich war da ein Messer im Spiel.“
Der mutmaßliche Messerstecher und nun Angeklagte befindet sich auf freiem Fuß, muss sich aber drei Mal in der Woche bei der Polizei melden. Das Gericht hat laut Lorentz eine Nebenklage des Opfers auf Zahlung von Schmerzensgeld zugelassen.

