Die IGA Bau-Chemie & Co. KG mit Sitz in Köln will die 156 Wohnungen, die sie 1961 als Bauherrin errichtet hatte, sukzessive abreißen zu lassen und durch Neubauten ersetzen.
Abriss für NeubaugebietAktuelle Mieter in ehemaliger Fordsiedlung in Pulheim besorgt

Die Mietshäuser im Wohnquartier sollen langfristig durch Neubauten ersetzt werden.
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20 oder gar 30 Jahre sind eine lange Zeit. So lange wird es dauern, bis aus den 1961 erbauten Häusern in der ehemaligen Fordsiedlung das fertige Neubaugebiet „Wohnhöfe Oppelner Straße“ geworden ist.
Doch Zukunftsmusik ist das nicht. Derzeit läuft das Bebauungsplanverfahren mit dem Ziel, die planungsrechtlichen Voraussetzungen zur Realisierung dieses Wohnprojektes nahe der Pulheimer Ortsmitte zu schaffen.
Pulheim: 230 zusätzliche Wohnungen geplant
Die Bürgerinformationsveranstaltung im Kultur- und Medienzentrum war gut besucht. Das ambitionierte Bauprojekt interessierte Mieterinnen, Mieter und Anwohner gleichermaßen. Die IGA Bau-Chemie & Co. KG mit Sitz in Köln plant als Eigentümerin, die Gebäude mit 156 Wohnungen, die sie 1961 als Bauherrin auf dem Arenal Sinnersdorfer Straße/Escher Straße/Oppelner Straße/Masurenstraße errichtet hatte, sukzessive abreißen zu lassen und durch Neubauten zu ersetzen.
Im Rahmen der Nachverdichtung sind dort 230 zusätzliche Wohnungen geplant. Der Fachausschuss hatte bereits im Vorfeld den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 155 Pulheim – „Wohnhöfe Oppelner Straße“ gefasst und somit grünes Licht für das langfristige Bauprojekt gegeben. Am Dienstagabend nun informierten die IGA-Bau-Chemie GmbH & Co. KG, die DSH GmbH und das Planungsbüro ISR-Innovative Stadt- und Raumplanung GmbH über den aktuellen Planungsstand. Bürger hatten zudem die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Anregungen zu äußern.
Aktuelle Mieter in Pulheim besorgt
Das städtebauliche Konzept sieht drei- bis fünfgeschossige Mehrfamilien-Mietshäuser mit Aufzügen, Tiefgaragen und circa 50 Prozent begrünter Flachdächer vor. Einige Stichstraßen sollen zurückgebaut werden. Fahrrad- und Fußgängerwege sind geplant sowie ein Quartiersplatz in der Oppelner Straße. Der Spielplatz soll erhalten bleiben. Jedoch, die geplante Nachverdichtung, also zusätzliche Bebauung, wird zu einer weiteren Versiegelung der Flächen führen. „Für Bäume, die gefällt werden müssen, sollen neue im Plangebiet gepflanzt werden“, versprach Lisa Heinen von ISR Innovativ in Stadt + Raum.
Das Projekt solle schrittweise in kleineren Bauabschnitten erfolgen, daher ergebe sich eine prognostizierte Gesamtbauzeit von 20 bis 30 Jahren, was für Unmut bei einigen Bürgern sorgte. „20 bis 30 Jahre neben einer Baustelle zu wohnen, wer schützt uns da vor den Auswirkungen?“, fragte ein Anwohner. Auch viele jetzige Mieter der Gebäude waren besorgt. „Ich bin hier groß geworden“, sagte Claudia Jagla. „Jetzt blutet uns das Herz, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Wo sollen wir nun hin?“
Bauunternehmen beschwichtigt die Mieter
Sabine Galow, Geschäftsführerin der IGA Bau-Chemie GmbH & Co. KG, erklärte: „Wir möchten das Projekt sozialverträglich umsetzen.“ Dem Unternehmen sei sehr daran gelegen, die bisherigen Mieterinnen und Mieter, die ausziehen müssen, nicht zu verlieren, versicherte sie. Ihnen würden andere Wohnungen der IGA Bau-Chemie GmbH & CO. KG oder ihrer Tochterfirmen angeboten.
Es gebe sanierte, teilsanierte oder komplett erneuerte Wohnungen, so dass auf die individuellen Wünsche der Betroffenen reagiert werden könne. Die Mietpreise stehen noch nicht fest. „Wohnraum soll allerdings bezahlbar bleiben“, ergänzte Dr. Stefan Heß, geschäftsführender Gesellschafter der DSH GmbH. Ob Sozialwohnungen im neuen Quartier geplant sind, ist ebenfalls noch nicht bekannt. Zusagen über Zuschüsse vom Kreis lägen aktuell noch nicht vor. Bürgerinnen und Bürger können vom 22. April bis zum 29. Mai 2026 konkrete Stellungnahmen zum Bauprojekt bei der Stadtverwaltung einreichen.
