Schon als junge Frau spazierte Margret Zander-Maaß durch die Große Laache und erfreute sich an der Magie und Schönheit der Auenlandschaft.
Mein LieblingsplatzAbteiführerin liebt 18.000 Jahre altes Naturschutzgebiet in Pulheim

Ein magisches 18.000 Jahre altes Biotop – Margret Zander-Maaß liebt die Große Laache.
Copyright: Elke Petrasch-Brucher
Wundern würde sich Margret Zander-Maaß (70) sicher nicht, käme hinter den efeubewachsenen Bäumen eine Elfe oder ein Zwerg hervor. Verwunschen schön ist es hier an der Großen Laache. Eine Auenlandschaft wie im Märchen, vor 18.000 Jahren von der Natur geschaffen. „Als Kind habe ich das fast verfallene Haus Orr dahinter beobachtet und davon geträumt, dass Dornröschen dort einst gelebt hätte“, verrät Margret Zander-Maaß und lächelt.
Pulheim: Magie am „Tor zum Alten Rhein“
An den Tümpeln und Teichen der Großen Laache begegnen ihr immer wieder kleine Wunder. Ein bunt schillernder Eisvogel, ein scheues Reh, ein riesiger Graureiher, der durch die Baumreihen hindurchfliegt und im Himmel immer kleiner wird. „Mein Enkel hat im Bach auch Flusskrebse entdeckt“, sagt sie. Die Auenlandschaft an der Großen Laache ist ihr Lieblingsplatz. Hier kann Margret Zander-Maaß abschalten und zur Ruhe kommen. Schon als junge Frau war das so.
Die Bauerntocher ist auf dem Zanderhof, einem ehemaligen Bauernhof im Herzen Pulheims groß geworden. Schon als junge Frau spazierte sie gern durch die Große Laache und wunderte sich, dass offenbar so wenige Pulheimer die Magie und Schönheit des Reliktes der alten Rheinschlinge, auch „Tor zum Alten Rhein“ genannt, erkannten. „Ich war hier fast immer allein unterwegs“, erinnert sie sich. Heute ist das etwas anders. Hin und wieder trifft sie Spaziergänger und Kinder, die im plätschernden Bach nach Flusskrebsen Ausschau halten.

Der Pulheimer Bach entspringt in Glessen und versickert hier unterirdisch.
Copyright: Elke Petrasch-Brucher
Dennoch blieb die Magie dieses Ortes erhalten. Das Ausmündungsgebiet des Pulheimer Baches steht seit 1999 unter Naturschutz. „Am schönsten ist es hier im Frühjahr, wenn Buschwindröschen, Veilchen und Maiglöckchen blühen“, schwärmt Margret Zander-Maaß. 2019 hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Gerd Maaß zwei Esskastanien für die Große Laache gestiftet. Esskastanien die über 200 Jahre alt werden können, für die beiden ein Projekt für die Zukunft. Doch die Vergangenheit liegt der fröhlichen Pulheimerin genauso am Herzen.
Seit vielen Jahren ist sie als Abteiführerin in Brauweiler für den Verein für Geschichte Pulheim und den Landschaftsverband Rheinland (LVR) aktiv. „Gerade komme ich vom Workshop „Führung für Sehbehinderte und Blinde“, sagt Margret Zander-Maaß. „Jetzt sehe ich die Welt ein wenig mit anderen Augen.“ Sie erzählt vom ehemaligen Altenhof hinter der Großen Laache am Seerosenweiher.
Das hier ist für mich ein meditativer Ort, ein Ort der Ruhe inmitten unberührter Natur
Als sich kein neuer Pächter fand, wurden die Ziegelsteine des Altenhofs einst mit den Händen abgetragen. Heute erinnern nur noch wenige Steine und einige alte Fliesen an den ehemaligen Hof. Geradeaus an den Stöckheimer Höfen wurde bis in die 1930er-Jahre Tabak angebaut, erzählt sie.
Vor einem großen Stein mit der Inschrift „Pulheimer Bach“ hält sie inne und erklärt: „Hier mündet und versickert der Pulheimer Bach unterirdisch. Er entspringt in Glessen und legt eine Strecke von über 10 Kilometern zurück. Und bis das Wasser das Wasserwerk in Köln-Weiden erreicht, vergehen unglaubliche zehn Jahre.“ Angekommen an der 1993 errichteten Beobachtungskanzel wird Margret Zander-Maaß emotional.
Eigentlich ist das hier ihr Lieblingsort. Schaut sie durch die hölzernen Luken auf den mit Schilf umrandeten Ausee und die Wasservögel, die dort nach Nahrung suchen, erinnert sie das an ihre Reisen nach Südafrika. „Es ist wie ein Fenster in eine andere Welt“, sagt sie bewegt. 2021 dann der Schock, Brandstifter hatten die Beobachtungskanzel angezündet und komplett zerstört. „Da war ich schon sehr wütend. Ich konnte es kaum glauben.“ Umso glücklicher war sie, als vor einem Jahr die Aussichtskanzel wieder aufgebaut wurde.
Heute sitzt sie hier wieder zufrieden, sinniert über die Zukunft und die Vergangenheit und sagt: „Das hier ist für mich ein meditativer Ort, ein Ort der Ruhe inmitten unberührter Natur.“ Und manchmal, wenn es im See oder hinter den efeubewachsenen Bäumen raschelt, denkt sie an Dornröschen und all die geheimnisvollen Dinge, die hier in den letzten 18.000 Jahren geschehen sind.
