Fußball verbindet, da sind sich viele Fans einig. Bei der Jugendhilfeorganisation Rheinflanke gilt er als Türöffner für Integration: Erst kicken, dann Jobs suchen.
FußballturnierMit der Kölner „Rheinflanke“ kicken und einen Job finden

Zwei der zwölf Mannschaften duellieren sich im Gruppenspiel im Stadion des ESV Olympia in Nippes.
Copyright: Alexander Schwaiger
Vor dem Anstoß klatschen sich die Spieler alle nochmal ab. Die Jugendlichen kommen aus Guinea, aus Afghanistan und Syrien, aus Angola, aus Deutschland und aus der Ukraine. Beim Fußballturnier „Cologne United 2026“ in Nippes will jeder von ihnen das Gleiche: den Pokal mit nach Hause nehmen.
Über den Platz schallt laute Hip-Hop-Musik, gegen die Hitze gibt es Eis und Wasser aus Eimern, am Spielfeldrand stehen ein Physiotherapeut und Sanitäter. Die Jugendhilfeorganisation Rheinflanke veranstaltet das Fußballturnier auf dem Platz des ESV Olympia jetzt schon das vierte Jahr in Folge. Jedes Team spielt fünf Gruppenspiele, sieben gegen sieben, dann geht es in die K.-o.-Phase. „Wir möchten die positiven Aspekte des Sports nutzen, das heißt Fair Play und Sozialkompetenzen fördern. Also nicht so wie Infantino das macht“, sagt Pia Strohmeyer, Geschäftsführerin der Rheinflanke.
Vom Training zur Berufsberatung
Die Rheinflanke verbindet inzwischen seit 20 Jahren Sport mit Jugendarbeit, finanziert durch Spenden und gefördert vom Landschaftsverband Rheinland. Der Fußball funktioniert dabei als erster Anknüpfungspunkt, von dem aus die Trainer und Sozialarbeiter den Jugendlichen weitere Hilfe anbieten können: Sie beraten bei der Berufswahl, besuchen Firmen oder Ausbildungsmessen, bereiten die Jugendlichen auf Vorstellungsgespräche vor und helfen bei Arztbesuchen und Behördengängen.

Die DJs Markus (links) und Ponch steuern in ihrem Wagen am Spielfeldrand die Musik.
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„Beim Training haben die Jungs immer Bock. Sie kommen aus sämtlichen Ecken in Köln, manche fahren sogar eine Stunde hierher“, sagt Judith Solf. Sie ist Hauptorganisatorin des Turniers und trainiert das feste Rheinflanken-Team, das Projekt Hope Hub, in der U19. Während des Gesprächs mit dieser Redaktion wird sie bestimmt acht Mal begrüßt, vier Mal abgeklatscht und sechs Mal etwas gefragt. Nicht jeder muss auch zwingend berufliche Hilfe annehmen, viele spielen auch nur Fußball hier. Doch auch das bringt Schwierigkeiten mit sich: Wer in der Liga mitmachen möchte, braucht einen Spielerpass. Dafür müssen verschiedene bürokratische Hürden genommen werden, die Spieler brauchen zum Beispiel einen Ausweis und eine Meldebescheinigung. „Das dauert häufig ewig und hemmt total, weil die Jungs sich ja auch in echten Spielen messen wollen“, sagt Solf.
Zwölf Teams, 120 Teilnehmer
Beim Turnier heute dürfen alle mitspielen, auch die ohne Spielerpass. Trotz großer Hitze sind etwa 120 Jugendliche von zwölf Mannschaften gekommen. Es sind größtenteils Jungen zwischen 15 und 20 Jahren, die Teams rekrutieren sich von ganz verschiedenen Seiten. Die Rheinflanke selbst stellt mehrere Teams, genauso wie Gastgeberverein ESV Olympia und mehrere andere Organisationen. Fünf Mannschaften sind außerdem selbst organisiert, dazu gehört auch der Favorit, die Titelverteidiger aus der Ukraine.

Vor dem Turnier haben sich die Teams mit mehr als 100 Spielern auf dem Rasen versammelt.
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„Die Ukrainer sind stark, aber wir sind trotzdem hier, um den Pokal mit nach Hause zu nehmen“, sagt Najeb vom FC Khorassan. Der 19-Jährige ist in Afghanistan geboren und wohnt seit drei Jahren in Deutschland. Durch Freunde ist er in Kontakt mit der Rheinflanke gekommen. „Fußball muss immer auf die eins“, sagt der Stürmer. Die Berufsberatung hat er auch in Anspruch genommen: „Sie wollten, dass ich eine Ausbildung mache, aber ich gehe weiter in die Schule, ich möchte studieren.“ Auf der Berufsschule macht er Fach-Abi. Und danach? „Vielleicht Richtung Wirtschaft“, sagt Najeb. Er zuckt mit den Schultern.
Sein Traum vom Turnierpokal bleibt vorerst unerfüllt. Nicht der FC Khorassan hat die Ukrainer vom Thron gestoßen, sondern ein Team mit französischem Namen: „Les Étoiles des Conakry“, übersetzt„ Die Sterne von Conakry“, der Hauptstadt Guineas.
