Die Veränderungen in der Region, der Wegfall alter Jobs und das Entstehen neuer Tätigkeiten wirken sich auf das Selbstverständnis der Menschen aus.
Jobs im Revier fallen wegWenn Strukturen sich wandeln, müssen Perspektiven her


2030 sollen die Bagger im Braunkohletagebau stillstehen.
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Auf einmal ist es weg. Verschwunden. Nicht mehr da. Etwas, das man tagtäglich sieht und wahrnimmt. Weil es einfach dazugehört. Etwas, das lange Zeit Identität gestiftet hat und zum kulturellen Bewusstsein der Menschen in dieser Region gehört hat. Und selbst dann, wenn man es nicht jeden Tag sieht, weiß doch jeder: Es ist da. Und es ist niemandem gleichgültig.
So ist das eben mit den Dingen des Lebens, die im Gegensatz zu vielen anderen auch polarisieren; über deren Vorhandensein sich der eine fürchterlich aufregt, während der andere gelassen mit den Achseln zuckt, weil er davon überzeugt ist, dass es ohne deren Existenz nicht geht oder zumindest deutlich schlechter.
Generationen von Arbeitern haben sich durch die Erde unserer Heimat gefressen
Die entscheidende Frage bei solchen einschneidenden Veränderungen ist ja: Wie lange vorher werden Menschen darauf vorbereitet? Wie begründen die Verantwortlichen diesen Schritt? Und welche Perspektive zeigen sie denjenigen auf, die von dieser Veränderung betroffen sind? Jenen, die es unmittelbar betrifft und die ihren Job verlieren, und den anderen, die sich fragen, wie sie ohne die Produktivität und Leistung jener klarkommen sollen.
Diese Ungewissheit ist keineswegs unberechtigt und nicht nur Produkt einer allen Menschen innewohnenden Angst vor Veränderungen. Schließlich haben sich Generationen von Arbeitern mithilfe tonnenschwerer Bagger durch die Erde unserer Heimat gefressen, um etwas Wertvolles zutage zu fördern – ähnlich wie Journalisten, die immer tiefer und tiefer graben, um zum Kern einer Geschichte vorzudringen.

Im Rhein-Erft-Kreis wird weiter gebuddelt – und zwar für die Zukunft: Bürgermeister aus dem Kreis und andere Beteiligte beim Spatenstich für ein Microsoft-Rechenzentrum.
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Während Letztere die Wahrheit suchen, graben die anderen einen anderen Schatz aus: Braunkohle. Die wird bekanntermaßen in umliegenden Kraftwerken verfeuert, um Strom daraus zu gewinnen.
Nun, dass mit dieser Art der Stromerzeugung irgendwann Schluss sein würde, war klar – schließlich sind die Rohstoffe endlich, anders als es die Suche nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit ist. Doch um diesen Planeten zu schützen und auch künftigen Generationen ein lebenswertes Leben zu ermöglichen, wurde 2020 beschlossen, 2038 aus dem Tagebau auszusteigen.
18 Jahre? Die sollten reichen, um alle Beteiligten auf diesen Tag vorzubereiten und alle Schritte für die Zeit danach zu gehen: Womit wird künftig Strom erzeugt? Was passiert mit den tausenden Arbeitsplätzen im Tagebau und bei den ungezählten Unternehmen, die untrennbar damit verbunden sind?
Erftstadt: Seit neun Monaten herrscht in der Klinik Ungewissheit
Bekanntermaßen wurde der Ausstieg 2022 vorgezogen. Schon 2030 soll Schluss sein. Ein ambitioniertes Ziel, und für alle, die glaubten, sie hätten für weitere acht Jahre einen sicheren Job, ein Schlag ins Kontor. Bei einer Veranstaltung zum Stand des Strukturwandels im Revier rief die stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur (Grüne) in dieser Woche in Bergheim alle dazu auf, „den Blick entschlossen und mutig nach vorn zu richten. Sie sind Zukunftsmacher. Das Revier sind die Menschen.“
Längst nicht alle Menschen, die von solchen Umwälzungen betroffen sind, haben so viel Zeit, sich auf (mögliche) berufliche Veränderungen mit Auswirkungen auf ihr ganzes Leben einzustellen. Noch gut in Erinnerung ist der 23. Dezember 2025: Am Tag vor dem Heiligen Fest wurde den Mitarbeitenden der Erftstädter Klinik mitgeteilt, dass das Haus insolvent ist und ihre Jobs am seidenen Faden hängen. Seitdem herrscht Ungewissheit.
Etliche andere Beispiele aus der Arbeitswelt im Rhein-Erft-Kreis ließen sich spielend finden.
