Rhein-Erft-Kreis – Eine Bergwelt Sophienhöhe, so wie sie vor etwa mehr als zwei Jahren vorgestellt worden ist, wird es nicht geben. Bergbahn, rasante Abfahrten mit Monsterrollern und waghalsige Pisten für Mountainbiker sind nach massiven Protesten der Titzer Bürgerschaft nicht mehr in der Planung. Stattdessen, so der Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn, gehe es darum, ein „ruhiges, barrierefreies Naherholungsgebiet“ zu entwickeln, das mit einem guten Wegenetz, einer Gastronomie und ausgewählten, emissionsfreien Sportangeboten versehen sein soll.
Rheinbraun, heute RWE Power, begann 1978 damit, Abraum aus dem Tagebau Hambach auf angrenzenden Ackerflächen sechs Kilometer östlich von Jülich aufzuschütten. So entstand die Sophienhöhe, die sich mehr als 200 Meter über die Jülicher Börde erhebt. Die höchste Stelle erreicht 302 Metern über Normalnull. Bis 1990 sind auf der Sophienhöhe rund 1,1 Milliarden Kubikmeter Erdreich verkippt worden. Die Anhebung erstreckt sich über eine Fläche von rund 1500 Hektar , die größtenteils zugänglich sind. Das Wegenetz , das auch von Radfahrern genutzt werden kann, ist auf rund 100 Kilometer angewachsen. Teile davon sind auch für Reiter ausgewiesen.
Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten haben sich angesiedelt. Deshalb sollte nur an der Südseite, an der heute noch Abraum aufgeschüttet wird, die Bergwelt entstehen, die nicht mehr als gut ein Prozent der Gesamtfläche in Anspruch nehmen sollte. (fun)
Das hörte sich 2011 noch ganz anders an. In seiner Haushaltsrede hatte der damalige Landrat des Rhein-Erft-Kreises, Werner Stump, erstmals angedeutet, dass auf der Sophienhöhe eine Bergwelt mit Sportangeboten für die vier Jahreszeiten entstehen könne. Auch von einer Skipiste war die Rede, von Schneekanonen und einer Bergbahn. Eine Sommerrodelbahn und Mountainbike-Pisten waren im Gespräch.
Zusammen mit dem Kreis Düren und RWE Power beauftragte der Rhein-Erft-Kreis die mit der Entwicklung von Bergwelten zum Beispiel in der Schweiz und in Österreich vertraute Montenius Consult mit einer Machbarkeitsstudie. Die wurde im Sommer 2012 in Titz vorgestellt. Von Wintersport war nun keine Rede mehr, aber nach wie vorher von einer Bergbahn mit 18 Gondeln, einem Gipfelrestaurant, von einem Mountainbike- und Kletterpark, einem Startplatz für Paraglider sowie von besagten Monsterrollern. Auch ein Campingplatz und eine kleine Ferienhaussiedlung fanden Eingang in die Expertise. 140 000 Besucher jährlich kalkulierten die Gutachter, die im Schnitt 25 Euro ausgeben würden.
Ein Konzept, das ruht
Für Investitionen von 17,4 Millionen Euro sollte ein privater Geldgeber gesucht werden. Auch eine Verwirklichung in Teilen hielten die Gutachter für möglich.
Sein ehemaliger Kollege Stump sei der Initiator und Motor für eine touristische Erschließung der Abraumhalde gewesen, erinnert sich Landrat Spelthahn. „Ideen wie Skipiste und Seilbahn haben die Planung belastet“, sagt er heute. „Ich habe solche Überlegungen nie für realistisch gehalten.“ Es habe Interessenten für einzelne Module gegeben, doch die Bevölkerung fürchte zusätzliche Belastungen und gegen den Willen der Bürger könne man nichts durchsetzen. Auch der unabhängig von der Bergwelt geplanten Kartbahn räumt Spelthahn aufgrund der Bürgerproteste nur geringe Chancen ein. Stump teilt die Ansicht von Spelthahn nicht ganz. Es gebe für die Sophienhöhe ein Konzept, das zurzeit ruhe, aber wieder aufleben könne.
