Die Autobahn GmbH unterstützte die Ehrenamtlichen des Vereins Taubenhausmanagement bei der Suche nach Nestern in Brückenritzen am Mühlenweg.
Brückenabriss A 555Ehrenamtliche retten Taubenküken vor der Abrissbirne in Wesseling

Frisch gerettet: Im warmen Mützchen fühlen sich die Taubenküken schnell wohl.
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„Das habe ich ja noch nie gesehen“, staunte Bauleiter Oliver Bertling von der Autobahn GmbH über die kleinen, mit weichem Federflaum bedeckten Küken, die die Ehrenamtler des Vereins Taubenhausmanagement eins nach dem anderen aus den Ritzen und Nischen unter der Autobahnbrücke in Wesseling hervorholten. Sofort hatte Bertling die kleinen Wesen ins Herz geschlossen. „Mann sind die goldig.“

Silvia Preißner vom Taubenhausmanagement ist hingerissen von den kleinen Wesen.
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Bei den Vorbereitungen zum Abbruch des zweiten Brückenabschnitts der A 555 über den Mühlenweg in Wesseling am Wochenende hatten Bertling und Projektleiter Hans-Werner Seul vom Taubenhausmanagement Siegburg erfahren und Kontakt aufgenommen. Acht Küken und mehrere Eier fischten sie bei einem ersten Besuch aus den Mauerritzen der Unterführung. Begleitet und finanziert von der Autobahn GmbH fand kürzlich die große Rettungsaktion statt.
Wesseling: Ehrenamtliche setzten etliche Küken in vorbereitete Wärmebettchen
„Wir sind wirklich sehr froh über diese Kooperation“, betonte Seul. Er hatte einen Hubwagen geordert, mit dem die Ehrenamtlerinnen Dagmar Wolf, Sabine Kallergis und Silvia Preißner abwechselnd bis hoch unter die Brückendecke gehievt wurden. Mit ihren Taschenlampen leuchteten sie in die breite Dehnungsfuge der Brücke – mitten hinein in die Kinderstube der Stadttaubenkolonie.
Etliche Küken konnten sie mit den Händen greifen und in die vorbereiteten Wärmebettchen setzen. Um auch an die verborgenen Nester zu gelangen, hatten sie spezielles Handwerkszeug dabei – einen Kescher zum Beispiel und einen beweglichen Greifarm, mit dem sie die Nester zu sich heranzogen. Sogar die Nester, die zunächst nicht zu sehen waren, spürten sie auf. „Dafür haben wir ja eine Kamera“, erklärte Preißner.

Im Tragekorb des Hubwagens ging es bis unters Brückenwerk, um dort in den Ritzen der Brücke die Küken zu suchen.
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Lange vor der offiziellen Vereinsgründung im Dezember 2024 waren die Helferinnen schon in der Taubenrettung aktiv. Heute sind es unter anderem die Deutsche Bahn, die Autobahn GmbH, aber auch Kommunen und Privatleute, die sie zur Rettung von Küken, aber auch für die Reduzierung von Taubenpopulationen zurate ziehen.
Küken werden von Ehrenamtlern in privaten Aufzuchtstationen gepflegt
„Hätten wir rechtzeitiger von dem bevorstehenden Brückenabriss und der darunter lebenden Stadttaubenkolonie gewusst, hätten wir schon vor Wochen die frisch gelegten Eier einfach gegen Gips-Eier ausgetauscht“, erklärte Preisner. „Dann wären diese Küken gar nicht geschlüpft.“ Ihr und ihrem Team wäre es auch lieber gewesen, wenn die Abrissarbeiten verschoben worden wären, bis die Küken flügge gewesen sind.
Doch das kam aus kosten- und organisatorischen Gründen nicht in Frage. Die Terminplanung des gesamten Neubauprojekts der A 555 wäre dadurch in Verzug geraten. „Jetzt ist es halt, wie es ist“, sagte Preißner. Und: „Das ist reiner Tierschutz – es kann doch nicht sein, dass wir diese Küken wissentlich alle sterben lassen.“
Um in Zukunft Ansiedlungen von Tauben an Brücken zu verhindern, empfiehlt der Verein den Bau von Taubenhäusern. „Das würde auch hier am Mühlenweg Sinn machen“, erklärte Preißner. In einem Taubenhaus könnten die Tiere artgerecht ernährt und die Population kontrolliert und reduziert werden. Um der Besiedlung der Tauben unter den Brücken entgegenzuwirken, empfahl sie, die neuen Brückenträger mit engmaschigem Gitter zu schützen.
Längst haben sich die Tauben nämlich mit den aufwendig befestigten Taubenspikes arrangiert und ihre Nester einfach dahinter auf die Träger bebaut. „Stadttauben sollte man nicht unterschätzen – sie sind schlau“, erklärte die Taubenkennerin. Auch wenn sie wild lebten, so blieben sie immer in der Nähe der Menschen. „Vielleicht wären die Taubenhäuser ja wirklich die Lösung“, sagte Seul.
Die Küken werden vorerst von Ehrenamtlern in privaten Aufzuchtstationen gepflegt.
Taubenhaus
Gute Erfahrungen mit einem Taubenhaus hat der Verein Taubenhausmanagement in Siegburg am Bahnhof gemacht. Mit dem Ziel, die Taubenpopulation zu reduzieren, haben die Ehrenamtler vor etwa einem Jahr dort ein Taubenhaus eröffnet.
Seitdem haben mehr als 90 Prozent der Tauben, die zuvor am Bahnhof gelebt haben, das Haus angenommen. Dort lässt sich die Population gezielt reduzieren. Die Tiere können zudem artgerecht gefüttert werden. Tauben fressen eigentlich nur Körner. Die Ersatznahrung wie Essensreste in den Fußgängerzonen trägt nicht zu ihrer Gesundheit bei.
Sechs bis acht Mal im Jahr legen sie jeweils zwei Eier. 20 Tage dauert es, bis die Küken schlüpfen. In weiteren sieben bis acht Wochen sind die Küken zu selbstständigen Jungtauben herangewachsen. (mkl)
