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Bahn geht das Geld ausBund lässt DB-Projekte hängen – Sorge um RRX und Kölner Bahnknoten

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Ein ICE der Deutschen Bahn fährt durch Düsseldorf-Angermund.

Ein ICE fährt durch Düsseldorf-Angermund. Der geplante Ausbau der Bahntrasse zwischen Düsseldorf und Duisburg auf sechs Gleise ist gefährdet, weil dem Bund das Geld fehlt.

Erstmals hat die Regierung kein einziges Bauprojekt im Infrastrukturplan der DB weitergestuft. Die Allianz pro Schiene fürchtet, dass es sogar zu Baustopps kommen könnte. 

Gleich mehreren wichtigen Ausbauprojekten der Bahn im Rheinland droht der Stillstand, weil der Bund nicht genug Geld bereitstellt. Das gilt vor allem für den Rhein-Ruhr-Express (RRX) im Bereich Düsseldorf und den Bau neuer Brücken in Köln-Gremberg und Hürth-Kalscheuren, deren Planungen bereits abgeschlossen sind. Das geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der grünen Bundestagsfraktion an das Bundesverkehrsministerium hervor.

Für den geplanten 15-Minuten-Takt des RRX zwischen Köln und Dortmund ist die Erweiterung der Trasse zwischen Düsseldorf-Benrath und der Stadtgrenze Düsseldorf/Duisburg unerlässlich. Von Köln bis Düsseldorf-Benrath teilen sich die RRX-Züge und der Fernverkehr eine Trasse. Von dort bis zum Duisburger Hauptbahnhof sind aber deutlich mehr Züge unterwegs, sodass der RRX auf eigenen Gleisen fahren muss, weil er häufiger hält und vom Fernverkehr überholt werden muss. Die Kapazitätsgrenze auf diesem Streckenabschnitt ist längst erreicht. Und die Nachfrage steigt weiter.

Mehr Verbindungen zwischen Amsterdam und Köln geplant

So soll der Bahnverkehr zwischen Amsterdam und der Rhein-Ruhr-Region ab 2028 deutlich ausgeweitet werden. Ein Sprecher der Deutschen Bahn bestätigte entsprechende Planungen, bei denen es sich nach Angaben der Niederländischen Eisenbahnen (NS) um eine alle zwei Stunden verkehrende Intercity-Linie zwischen Amsterdam, Utrecht, Arnheim sowie Düsseldorf, Köln oder Dortmund handelt. Ab 2028 sind demnach zunächst drei Zugpaare und später sechs Zugpaare pro Tag geplant. Im Klartext heißt das: mehr Züge, mehr Verspätungen.

„Wir verzeichnen aktuell einen wahren Nachfrage-Boom im internationalen Fernverkehr. Fast ein Drittel mehr Menschen steigen für ihre Europa-Reise seit 2019 auf die Bahn um“, sagte der DB-Sprecher. Die Tendenz sei weiter steigend. Entsprechend würde mit den Niederländischen Eisenbahnen über Szenarien zur Ausweitung des Angebots gesprochen. Die neuen IC-Züge sollen nach einem Bericht der NRZ zusätzlich zu der bereits bestehenden ICE-Linie Amsterdam-Köln-Frankfurt verkehren und somit ein stündliches Angebot mit schnellen Zügen zwischen Amsterdam, dem Ruhrgebiet und Köln bieten.

Neue Brücken in Gremberg und Kalscheuren stehen auf der Kippe

Sollte der Bau neuer Brücken in Köln-Gremberg und Hürth-Kalscheuren aus Geldmangel ausfallen, durch die Kreuzungen ersetzt werden und deren Planungen ebenfalls abgeschlossen werden, wäre das ein schwerer Rückschlag in dem Bemühen, im völlig überlasteten Bahnknoten Köln für mehr Pünktlichkeit zu sorgen. Ohne den kreuzungsfreien Ausbau in Kalscheuren können nach Angaben des Verkehrsverbands go.Rheinland der Güter- und Personenverkehr nicht voneinander getrennt werden.

Die Regionalbahn 24 im Bahnhof von Hürth-Kalscheuren

Die Regionalbahn 24 im Bahnhof von Hürth-Kalscheuren. Der Ausbau zur S-Bahn könnte aus Geldmangel ins Stocken geraten.

Damit wären auch die Pläne, eine neue S-Bahn-Linie 15 im 20-Minuten-Takt kreuzungsfrei von Köln Hauptbahnhof Richtung Euskirchen und Kall zu führen, zum Scheitern verurteilt. Die Elektrifizierung dieses Streckenabschnitts läuft bereits. Derzeit fährt dort die Regionalbahn 24 mit dieselbetriebenen Zügen im Stunden- oder Halbstundentakt. Zusätzlich zur S 15 sollen weiterhin die Regional-Express-Linien 12 und 22 zwischen Köln und Trier fahren.

Weiterbau der Schnellfahrstrecke Rhein-Main auf Kölner Stadtgebiet gefährdet

Weiteren Bahnprojekte im Rheinland, die aber noch nicht zu Ende geplant sind, droht zumindest eine jahrelange Verzögerung. Das prominenteste Beispiel ist der Weiterbau der Schnellfahrstrecke Köln-Rhein/Main zwischen dem Abzweig zum Flughafen Köln/Bonn und der Einfädelung Richtung Hauptbahnhof an der Steinstraße. Dort fehlt für den Fernverkehr seit der Inbetriebnahme im August 2002 eine eigene Trasse, sodass die Fahrten zwischen Köln und Frankfurt-Flughafen auf Kölner Stadtgebiet im Schleichverkehr enden.

Die Bundesregierung muss ihre Zusage einlösen. Was baureif ist, muss auch gebaut werden
Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene

Bundesweit droht mehr als 90 Projekten in verschiedenen Planungsstufen laut dem Lobbyverband Allianz pro Schiene der Stillstand. In Einzelfällen könne es sogar zu Stopps von Strecken kommen, an denen schon gebaut wird. „Was wir gerade erleben, ist keineswegs die versprochene Beschleunigung von Schienenprojekten; es ist wider besseres Wissen herbeigeführter Stillstand. An so vielen Stellen im Land sehen wir, dass Strecken und Bahnhöfe überfüllt sind – dennoch gibt der Bund kein Geld, um mehr Platz an Knotenbahnhöfen zu schaffen“, sagt Dirk Flege, Geschäftsführer des Verbands. „Das ist nicht nur eine Ohrfeige für die Wirtschaft und die Projektbeteiligten, sondern für alle Bahnreisenden im ganzen Land. „Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie ihre Zusage einlöst: nämlich, dass, was baureif ist, auch wirklich gebaut wird."

Laut Bundesverkehrsministerium werden für laufende Vorhaben 2026 knapp 2,37 Milliarden Euro benötigt. 2030 sind es bereits rund 4,56 Milliarden Euro für laufende und weitere 1,2 Milliarden Euro für neue Vorhaben. Das weitere Vorgehen des Bedarfsplans für die Bundesschienenwege ist abhängig von den im Bundeshaushalt 2027 und der mittelfristigen Finanzplanung zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln“, heißt es wörtlich.

Fulda-Runde stimmt die Baupläne ab

Die Finanzierung von Bahnprojekten des Bundes unterteilt sich in drei Schritten mit neun Leistungsphasen von der Planung bis zur Baureife. Wann welches Projekt, das im Infrastrukturplan aufgelistet ist, die nächste Stufe erklimmt, wird einmal jährlich in der sogenannten Fulda-Runde zwischen der Bundesregierung und der Infrastrukturgesellschaft der Deutschen Bahn (DB InfraGo) abgestimmt.

„Erstmalig wurde in diesem Jahr kein einziges Bahnprojekt in die nächste Leistungsphase verschoben. Es droht die vollständige Einstellung der weiteren Planung sowie des Baus der Projekte“, teilt die grüne Bundestagsfraktion auf Anfrage mit. „Das Know-How der Projektteams wird auf andere Vorhaben abgezogen. Eine Wiederaufnahme ist daher nur sehr mühsam möglich.“ (mit dpa)