Die Gedenkstätte bringt für viele schmerzhaft ans Licht, dass die mutmaßlichen Täter auch heute noch auf freiem Fuß sind.
„Tragisch und unakzeptabel“Emotionale Reaktionen auf Gedenkstätte für getöteten Niklas P. in Bonn

Nach dem Tod von Niklas Pöhler legten hunderte Menschen Kerzen und Blumen am Ort der Prügelattacke nieder.
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Eine Stele soll an den gewaltsamen Tod von Niklas Pöhler in Bonn-Bad Godesberg erinnern. Die Stadt Bonn hat das Mahnmal am Samstag (9. Mai) an der Stelle aufstellen lassen, an welcher der 17 Jahre alte Niklas vor zehn Jahren angegriffen wurde. Er erlag wenig später seinen Verletzungen im Krankenhaus. Die mutmaßlichen Täter wurden nie verurteilt.
Kriminalfall Niklas P. sorgte bundesweit für Aufschrei
Der Kriminalfall Niklas P. sorgte deutschlandweit für schockierte Reaktionen. Der Jugendliche war am 6. Mai 2016 nach einer Veranstaltung von „Rhein in Flammen“ in Bad Godesberg nahe der Haltestelle Rheinallee von drei jungen Männern angegriffen worden.
Der 17-Jährige wurde von mehreren Tritten am Kopf getroffen. Auch sein Freund und seine 17-jährige Freundin wurden attackiert, als sie ihm zu Hilfe eilen wollten. Nachdem Niklas Pöhler zunächst reanimiert werden konnte, erlag er am 12. Mai in der Bonner Uni-Klinik seinen Verletzungen.
Die Stele zeigt das Gesichtsprofil von Niklas und entspricht mit einer Höhe von 186 Zentimetern exakt seiner Körpergröße. Sie steht am Rondell an der Rheinallee/Ecke Rüngsdorfer Straße, an der Stelle, wo damals der Angriff stattfand.
Stele für Niklas Pöhler zum Gedenken und als Mahnmal
Der in die Stele eingearbeitete Text solle als Gedenken und als direkter Appell an die Zivilgesellschaft verstanden werden. Er lautet:
„In Gedenken an Niklas Pöhler, der hier am 6. Mai 2016 im Alter von 17 Jahren brutal angegriffen wurde. Er verstarb sechs Tage später. Sein tragisches Schicksal sei uns allen eine Mahnung, Gewalt in jeglicher Form zu ächten und nicht untätig wegzusehen, wenn unsere Mitmenschen ohne Skrupel angegriffen werden. Wir alle tragen Verantwortung für Respekt, Rücksicht und ein friedliches Miteinander. Was kannst Du tun, um Gewalt zu verhindern?“
Oberbürgermeister Guido Déus und Bezirksbürgermeisterin von Bad Godesberg Feyza Yildiz legten Blumen an der Gedenksäule nieder. Unter den rund 80 Gästen befand sich auch Polizeipräsident Frank Hoever. Die Familie Pöhler ließ weiße Luftballons steigen.
Mutter von Niklas spricht am Mahnmal
Denise Pöhler, die Mutter von Niklas, erklärte vor den versammelten Menschen: „Lassen wir Niklas’ Licht weiterleuchten, indem wir uns gemeinsam für eine Welt ohne Gewalt einsetzen.“

Denise Pöhler, die Mutter des getöteten Niklas, bei der Prozesseröffnung 2017.
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Bonns Oberbürgermeister Déus hob in seiner Rede die Bedeutung des gemeinsamen Handelns in der Stadtgesellschaft hervor: „Wir können den Tod von Niklas Pöhler nicht ungeschehen machen. Aber wir können dafür sorgen, dass sein Andenken uns zu Respekt, Zivilcourage und einem friedlichen Miteinander verpflichtet. Dies kann nur gemeinsam gelingen – und daran wird uns die Gedenkstele auch in Zukunft erinnern.“
Niklas Pöhler getötet: Emotionale Reaktionen über Gedenkstätte
Die Einweihung der Gedenkstätte rief in der Bevölkerung emotionale Reaktionen hervor. „Jedes Mal, wenn ich an diesen Fall denke, läuft es mir kalt den Rücken runter und das Schicksal dieses Jungen tut mir so weh“, erklärt eine Userin unter dem Beitrag der Stadt in den sozialen Netzwerken. Es hätte auch ihr Sohn sein können. Die Userin weiter: „Ich werde nie verstehen, wie man den Mörder freilassen konnte, der kurz darauf erneut eine andere Person schwer verletzt hat.“
Ein paar Tage nach dem tödlichen Angriff war der mutmaßliche Haupttäter, der damals 20-jährige Walid S., ermittelt worden. Er war bereits mehrfach wegen Gewaltdelikten aufgefallen. Auch ein zweiter Tatverdächtiger konnte ermittelt und vor Gericht gestellt werden.
Während des Prozesses verstrickten sich Zeugen immer wieder in Widersprüche. Die Staatsanwaltschaft konnte schließlich niemandem nachweisen, Niklas Pöhler geschlagen zu haben, und die Angeklagten wurden wieder auf freien Fuß entlassen.
Eine weitere Nutzerin findet: „Echt tragisch und inakzeptabel ist, dass die Täter immer noch auf freiem Fuß sind.“
Auch ein anderer User wird durch das Mahnmal an die Tragik des Falls erinnert. „Leider wird der Täter wohl nie bestraft, obwohl man weiß, wer es war. Das hätte auch mein Sohn sein können, der in der Godesberger Stadthalle seine Abifeier hatte. Zumindest wird jetzt an das Opfer erinnert.“
