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Gesicht gelähmt28-Jähriger landet nach Zeckenstich im Notfallzentrum der Uniklinik Bonn

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Eine Zecke krabbelt über die Hand eines Mannes. (Symbolfoto)

Eine Zecke krabbelt über die Hand eines Mannes. (Symbolfoto)

Der 28-Jährige erklärt, wie es dazu kommen konnte. Eigentlich sei er sehr gewissenhaft. Das RKI gibt Tipps, worauf es ankommt.

„Ich hatte keine Schmerzen, aber es war sehr unangenehm“, erinnert sich der Patient. Zwei Wochen musste er für eine Behandlung mit Antibiotika im Krankenhaus bleiben. Rund eine Woche blieb seine rechte Gesichtshälfte fast gänzlich unbeweglich, bevor Besserung eintrat. Mit seinen Symptomen hatte er Glück im Unglück, wie seine Ärztin sagt: „Es gibt auch Fälle von Neuroborreliose mit ganz starken nächtlichen Schmerzen und Ausfällen der Beinnerven.“

Borrelien können im Körper auch Schaden anrichten, ohne bis ins Nervenwasser zu gelangen. Wer an einer Borreliose – auch Lyme-Borreliose oder Lyme-Disease genannt – erkrankt, ist oft mit grippeähnlichen Symptomen konfrontiert, darunter Schmerzen und Müdigkeit. Auch das Herz kann von der Entzündung betroffen sein.

Wanderröte tritt oft nicht auf

Dass ein Zeckenstich gefährlich werden kann, habe er gewusst, erzählt der Patient. Ganzjährig ergreife er eine Schutzmaßnahme: „Ich bin viel in der Natur und suche mich danach immer gründlich ab. Aber alles kann man eben nicht finden.“ Zecken möglichst schnell zu entfernen, ist laut RKI sehr wichtig. Denn das Infektionsrisiko steigt nach einer Saugzeit von mehr als zwölf Stunden.

Viele Infektionen laufen laut Neurologin Möhn ohne auffällige Symptome ab. Zudem können sich Symptome auch erst Monate nach einem Stich bemerkbar machen. Ein typisches Anzeichen ist die Wanderröte. Um den Stich bildet sich eine kreisförmige Hautrötung, die in der Mitte oft blasser ist und sich ausbreitet. Circa in 10 bis 30 Prozent der Fälle der Infektionen tritt jedoch keine Wanderröte auf", gibt die Ärztin zu bedenken.

Klares Warnzeichen für Borreliose: Die sogenannte Wanderröte kann Tage oder Wochen nach einem Zeckenstich auftreten.

Klares Warnzeichen für Borreliose: Die sogenannte Wanderröte kann Tage oder Wochen nach einem Zeckenstich auftreten.

Eine Wanderröte war auch bei ihrem Patienten nicht zu sehen. „Ich habe morgens gemerkt, dass ich sehr müde war und keinen Hunger hatte“, sagt er. „Abends fing dann meine Gesichtshälfte an, nachzuhängen, und ich habe es erst auf den Stress geschoben.“ Sein Hausarzt schickte ihn dann in die Klinik.

Zecken sind das ganze Jahr aktiv

Im Jahr 2024 gab es laut Statistischem Bundesamt über 4800 Krankenhausaufenthalte aufgrund von Borreliose – und 15 Todesfälle. Ein tödlicher Verlauf ist laut Ärztin Möhn „sehr, sehr unwahrscheinlich“. Wenn die Krankheit früh entdeckt werde, sei sie mit Antibiotika gut behandelbar. Wenn nicht, können die Symptome laut der Neurologin allerdings auch chronisch werden.

Wie viele Menschen in Deutschland insgesamt pro Jahr an Borreliose erkranken, lässt sich wegen der fehlenden Meldepflicht nicht sagen. Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass jährlich mehr als 200.000 Patientinnen und Patienten wegen Lyme-Borreliose ärztlich abgerechnet werden. Fachinstitute warnen: In allen Teilen Deutschlands können sich Menschen mit Borreliose anstecken; wegen des milder werdenden Wetters sind Zecken zudem mittlerweile ganzjährig aktiv.

FSME breitet sich aus – Krankheit meldepflichtig

Dass sich Zecken immer weiter ausbreiten, zeigt auch ein Blick auf die FSME-Karte des RKI. Anders als Borreliose ist FSME meldepflichtig. Diese Krankheit wird durch Viren ausgelöst, die ebenfalls von Zecken übertragen werden und zu schweren Fällen von Gehirn- und Hirnhautentzündung führen können.

Das RKI weist immer mehr Risikogebiete aus. Mittlerweile ist fast der gesamte Süden und Südosten Deutschlands betroffen. Eine Therapie gibt es nicht, dafür eine Impfung, die die Ständige Impfkommission für Reisende und Einwohner der Risikogebiete empfiehlt.

Eine Impfung gegen Borreliose ist laut Neurologin Möhn in der Entwicklung. Bereits Ende dieses Jahres könnte sie zur Verfügung stehen. Ihr Patient hat unterdessen keine Angst, sich nochmal zu infizieren. „Ich glaube es ist schädlicher, die Natur zu meiden, als das geringe Risiko einer erneuten Infektion einzugehen“, sagt er. „Ich suche mich weiterhin täglich ab, aber ich möchte nicht den Spaß im Leben verlieren.“ (KNA)