Mit einer neuen Brücke soll die geplante Stadtbahnlinie 17 über den Rhein geführt werden. Bei Umweltverbänden stoßen diese Pläne auf heftige Kritik.
RheinquerungUmweltschützer kritisieren Brückenpläne für Stadtbahnlinie 17 bei Niederkassel

Wie diese Brücke zwischen Kehl und Straßburg könnte Brücke aussehen, über die die geplante Stadtbahnlinie 17 vom linksrheinschen Köln weiter nach Niederkassel und Bonn geführt werden soll.
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Der Ausbau des Stadtbahnnetzes in Köln stagniert bereits seit einigen Jahren. Nun soll es mit einem Vorzeigeprojekt im Kölner Süden vorangehen. Nach dem Vorbild der Linien 16 und 18 der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) soll eine zusätzliche Stadtbahnverbindung entstehen, die über Niederkassel bis nach Bonn führt.
Die Linie 17 soll wie bislang über die Trasse der Linie 16 am Rheinufer fahren. Auf Höhe des Godorfer Hafens ist eine neue Rheinquerung geplant, um anschließend rechtsrheinisch weiter nach Niederkassel zu gelangen. Dort soll die neue Stadtbahn zunächst auf der Trasse der bisherigen RSVG-Güterbahn (Rhabarberschlitten) und später entlang der L269 durch die Siegauen bis nach Bonn geführt werden.
Bevorzugter Korridor zwischen Köln-Porz-Langel und Godorf
Die in NRW zugelassenen Naturschutzverbände lehnen das Vorhaben jedoch ab. „Eine neue Rheinquerung bringt im Vergleich zu bestehenden Verbindungen zwischen Niederkassel und Köln keine Zeitersparnis. Es ist ein reines Prestigeobjekt auf Kosten der Steuerzahler und der Natur“, sagte Holger Sticht, Vorsitzender des BUND NRW. Die bisherigen Planungen sehen vor, dass bevorzugt in einem Korridor zwischen Langel und Godorf eine neue Rheinbrücke entstehen soll. Es handelt sich um denselben Bereich, in dem zuvor bereits die Autobahn GmbH die sogenannte Rheinspange 553 bauen wollte, eine Verbindung zwischen den Autobahnen 59 und 555.
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Zwischenzeitlich gab es deshalb Überlegungen, sowohl die Stadtbahn als auch die Autobahn über ein und dieselbe neue Brücke zu führen. Doch dazu kam es letzten Endes nicht. Die Autobahn 553 wird nun durch einen Tunnel unterhalb des Rheins führen, der zwischen Wesseling-Urfeld und Niederkassel liegt. Die Entscheidung gegen die Variante bei Godorf kam vor allem deshalb zustande, weil der Bau einer neuen Rheinbrücke an dieser Stelle die Umwelt zu stark belastet hätte.
Eine Umweltverträglichkeitsstudie ergab bereits im Jahr 2020, dass insbesondere rechtsrheinisch der als Naturschutzgebiet ausgewiesene Langeler Rheinbogen sehr stark beeinträchtigt würde. Dem Gebiet komme zudem eine hohe Bedeutung für die Erholung und das Landschaftsbild zu. Ein Tunnel unter dem Rhein wiederum sei in diesem Bereich nicht möglich, da sich die erforderlichen gesetzlichen Vorgaben nicht erfüllen ließen.
Rhein-Sieg-Kreis hält an den Planungen fest
Obwohl also bereits seit fünf Jahren bekannt ist, dass ein Brückenbau zwischen Godorf und Langel aufgrund der Umweltbelange äußerst schwierig sein wird, halten die Planer der Stadtbahntrasse an einer neuen Brücke fest und wollen diese deshalb als bevorzugte Variante „Nord 2“ einbringen. Der Rhein-Sieg-Kreis hat bei den Planungen die Federführung übernommen, die KVB unterstützt das Vorhaben. Die Städte Köln, Bonn, Troisdorf und Niederkassel haben sich finanziell daran beteiligt.
Als Grund nennen die Planer die prognostizierte Zeitersparnis. Mithilfe der neuen Rheinbrücke soll es möglich sein, innerhalb von 20 Minuten von Niederkassel aus in der Kölner Innenstadt zu sein. Die Voraussetzung wäre allerdings, dass der Tunnel der Nord-Süd-Stadtbahn durchgängig befahrbar ist – also auch im Bereich der Einsturzstelle des Stadtarchivs am Waidmarkt. Dann könnte die Linie 17, die zurzeit zwischen Severinstraße und Rodenkirchen pendelt, vom Reichenspergerplatz bis nach Bonn-Beuel fahren.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz NRW (BUND NRW), der Naturschutzbund Deutschland NRW (NABU NRW) und die Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW (LNU) zweifeln die Zeitersparnis an. „Durch eine neue Rheinquerung und einen linksrheinischen Anschluss der Linie 17 gemäß Ausbauoption 1 ist eine Zeitersparnis von null bis maximal zehn Minuten im Vergleich zum bestehenden ÖPNV-Netz zwischen Niederkassel Zentrum und Köln Hauptbahnhof technisch umsetzbar“, heißt es im gemeinsamen Positionspapier der Verbände.
Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis rechnen mit 60.000 Fahrgästen
Damit fehle es dem Vorhaben „neue Rheinbrücke“ von vorneherein an einem sinnvollen und begründbaren Kosten-Nutzen-Verhältnis. Das sehen der Rhein-Sieg-Kreis und die Stadt Bonn anders. Sie rechnen damit, dass von der neuen Verbindung mehr als 60 000 potenzielle Fahrgäste profitieren können, die im unmittelbaren Einzugsgebiet der geplanten Trasse leben. Das sei ein weiterer wichtiger Baustein der Mobilitätswende, hatte die Bonner Oberbürgermeisterin Katja Döner bei der Übergabe eines Förderbescheides für das Projekt durch NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer argumentiert.
Der damalige Niederkasseler Bürgermeister Stephan Vehreschild sprach bei gleicher Gelegenheit von „einem mit nichts zu vergleichenden Schritt in Bezug auf Mobilität und ökologische Verkehrsentwicklung“. In Niederkassel werde, so Vehreschild, „sehnlichst“ auf die neue Bahnverbindung gewartet, die seit den 90er Jahren auf der Agenda der Stadt stehe. Zurzeit läuft das vorbereitende Verfahren für eine Umweltverträglichkeitsprüfung, das sogenannte „Scoping“.
Am Freitag dieser Woche gab es dazu einen Termin bei der Bezirksregierung Köln. Die Umweltverbände wollen erreichen, dass die Rheinbrücke bei der weiteren Prüfung erst gar nicht einbezogen wird. Das umweltfachliche Konfliktpotenzial sei „extrem hoch“, drei Schutzgebiete würden zerschnitten. Eine fehlende Umsetzbarkeit sei bereits jetzt erkennbar, auch aufgrund der Ergebnisse der vorherigen Umweltverträglichkeitsprüfung für die Autobahnbrücke 553.