Die Mondorfer Rheinfähre erlebte nach der Sperrung der Nordbrücke einen wahren Ansturm. Doch jetzt wird das Niedrigwasser zum Problem.
Sogar nachtsKampf gegen Niedrigwasser im Rhein – Mondorfer Fähre baggert sich frei

Sogar in der Nacht gingen die Arbeiten am Anleger der Mondorfer Rheinfähre weiter.
Copyright: Mondorfer Rheinfähre
Kurz nach Mitternacht schneidet ein Bagger Schaufel um Schaufel Kies aus dem Rhein, Scheinwerfer tauchen das Ufer bei Niederkassel-Mondorf in grelles Licht. Wer um diese Uhrzeit noch hier arbeitet, der kämpft gegen die Zeit – und gegen den Fluss selbst. Die Mondorfer Rheinfähre, für Zehntausende Pendlerinnen und Pendler derzeit eine wichtige Verbindung über den Rhein, steht unter doppeltem Druck: Seit Monaten fängt sie einen Teil des Ausweichverkehrs der gesperrten Bonner Nordbrücke auf. Und jetzt machte ihr auch noch der Rhein selbst zu schaffen.
Nach Nordbrückensperrung – Ansturm auf die Mondorfer Rheinfähre
Die Bonner Nordbrücke (A565) musste am 3. Juni 2026 wegen struktureller Schäden vollständig gesperrt werden. Rund 100.000 Autofahrende sind nach Angaben des ADAC täglich betroffen. Seit dem 15. Juli läuft der Abriss der Vorlandbrücke, voraussichtlich bis November 2026. Danach soll ein Ersatzneubau folgen – mit angestrebter Bauzeit von rund zwei Jahren bis Ende 2028. Bis dahin bleibt eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen der Region Bonn/Rhein-Sieg für Autos und Lkw dicht.
Die Folge: Ausweichverkehr auf Alternativrouten – und auf die Rheinfähren. Die Mondorfer Fähre pendelt seitdem mit zwei Schiffen, dem „Christophorus“ und der kleineren „Mondorf“, im Dauereinsatz zwischen Niederkassel-Mondorf und Bonn-Graurheindorf. Die Wartezeiten sind seither für viele zum belastenden Alltag geworden.
Dass die Lage angespannt ist, zeigte sich bereits am 12. September. Das Fährteam wandte sich mit einem ungewöhnlichen Appell auf Facebook an seine Fahrgäste: Es komme „vermehrt sogar zu Gewaltandrohungen gegenüber unserem Personal, weil sich nicht an Anweisungen gehalten wird“. Wer Mitarbeitende bedrohe, müsse mit einem Beförderungsverbot rechnen, kündigte das Unternehmen an – verbunden mit ausdrücklichem Dank an den Großteil der Fahrgäste, der sich kooperativ zeige.
Niedrigwasser wird zum Problem für die Mondorfer Rheinfähre
Seit Ende September kommt zur Verkehrslast ein zweites Problem hinzu: Der Rhein führt bei Bonn seit Wochen rekordverdächtiges Niedrigwasser. Für die kleinere Fähre „Mondorf“ wurde das zum echten Betriebsrisiko – ihre Auf- und Abfahrtsrampen lassen sich bei diesem Pegel nicht mehr ordnungsgemäß an Land ablegen. Ausgerechnet das zusätzliche Schiff, das während der Brückensperrung für Entlastung sorgen soll, fiel damit zeitweise aus.
Nachteinsatz bei der Mondorfer Rheinfähre im Facebook-Video:
Der Betreiber hat reagiert, offenbar auf eigene Kosten: Seit einigen Tagen wird vor beiden Anlegern Kies ausgebaggert, um wieder genug Tiefe für die Fähren zu schaffen. Die Arbeiten an Land übernimmt die Firma Hess, auf dem Wasser ist die Firma Lülsdorf im Einsatz. Zuletzt wurde sogar nachts gebaggert, um schneller voranzukommen.
Trotz der Einschränkungen ist die Fähre nach Angaben auf ihrer Website weiterhin in Betrieb. Allerdings warnt der Betreiber vor steileren Auf- und Abfahrtswinkeln durch den niedrigen Wasserstand – Fahrerinnen und Fahrer sollen ihre Geschwindigkeit anpassen, besonders bei Fahrzeugen mit großem Überhang am Heck.
Wie lange der Spagat aus Rekordnachfrage und Niedrigwasser noch andauert, ist offen. Fest steht: Die Mondorfer Fähre bleibt bis mindestens November, wohl aber über Jahre hinweg eine der wenigen verlässlichen Querungen über den Rhein in der Region – solange sie selbst über Wasser bleibt.
