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Kommentar zum A553-Tunnel
Die Rheinspange ist aus Klima-Sicht aus der Zeit gefallen

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Luftaufnahme vom Rhein bei Wesseling: Direkt am Rhein liegen mehrere Industrieanlagen.

Ein Tunnel soll künftig den Rhein zwischen Köln und Bonn queren. (Archivbild)

Der Beschluss über das Projekt Rheinspange 553 ist gefasst. Doch schon im nächsten viel zu heißen Sommer könnte bei den Entscheidungsträgern die Einsicht reifen, dass die Rheinspange auch aus Sicht des Klimaschutzes aus der Zeit gefallen ist.

Dass mit der sogenannten Vorzugsvariante V6aT jetzt feststeht, wo und wie die sogenannte Rheinspange 553 gebaut werden soll, ist für Gegner und Befürworter des umstrittenen Autobahnprojekts gleichermaßen eine gute Nachricht.

Für die Befürworter, zu denen allen voran die Industrie- und Handelskammern in der Region gehören, rückt die von ihnen mit Nachdruck geforderte Verbindung von der rechtsrheinischen A59 zur linksrheinischen A555 zumindest einen kleinen Planungsschritt näher – und damit die erhoffte Entlastung für die Autobahnen im südlichen Rheinland, die im Verkehr ersticken.

Die Gegner des Projekts, die sich vor allem in den betroffenen Kommunen in Niederkassel, Bornheim und Wesseling zu Bürgerinitiativen zusammengeschlossen haben, können die Tunnellösung zumindest als Teilerfolg verbuchen. Eine Rheinspange, die auf immerhin drei Kilometern Länge unterirdisch verläuft, ist im Vergleich zu einer Rheinbrücke, die zusammen mit den Brückenrampen Städte zerschneiden und das Landschaftsbild massiv beeinträchtigen würde, das kleinere Übel.

Rheinspange: Neue Autobahnen sind kein Allheilmittel gegen den Stau

Den Rheinspangen-Gegnern bleiben zudem zwei Hoffnungen: Zum einen, dass angesichts des enormen Sanierungsstaus bei den Autobahnbrücken in der gesamten Republik auf lange Zeit weder die finanziellen noch die Planungskapazitäten für den Bau neuer Autobahntunnel vorhanden sind – ganz zu schweigen davon, dass der Bund angesichts des Ukraine-Krieges rund 100 Milliarden in die Bundeswehr pumpen will, die an anderen Stellen im Bundeshaushalt fehlen.

Hoffen können die Brückengegner aber auch, dass sich bei den politisch Verantwortlichen in der Region, im Land und im Bund doch noch die Erkenntnis durchsetzt, dass die Rheinspange Relikt einer Verkehrspolitik aus dem vergangenen Jahrtausend ist. Es ist längst eine Binsenweisheit, dass neue Autobahnen kein Allheilmittel gegen den Stau sind. Tatsächlich führt der Bau neuer Straßen vor allem zu einem: zu neuen Verkehrsströmen.

Vielleicht schon im nächsten viel zu heißen Sommer könnte bei den Entscheidungsträgern zudem die Einsicht reifen, dass die Rheinspange auch aus Sicht des Klimaschutzes aus der Zeit gefallen ist. Denn auch eine neue Autobahnverbindung mit Tunnel führt zu Flächenfraß und Bodenversiegelung. Im Gebiet zwischen dem Kölner Süden und dem Norden des Rhein-Sieg-Kreises, wo der Siedlungsdruck ohnehin groß bleiben wird, sind große Freiflächen als Frischluftschneise, Klimapuffer und Naherholungsgebiet wichtiger denn je.

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