An drei Tankstellen musste die Kreispolizei den Verkehr regeln. Eine Tankstellen-Mitarbeiterin in Troisdorf beobachtete den Ausnahmezustand.
„Alles dicht“Kurz vor Ende des Tankrabatts staute es sich an den Stationen im Rhein-Sieg-Kreis

Stau an der Mundorf-Tankstelle an der Luisenstraße wegen des auslaufenden Tankrabattes am 30. Juni 2026 gegen 10 Uhr.
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Lange Staus vor den Tankstellen, blockierte Fuß- und Radwege: Am letzten Tag des Tankrabatts am 30. Juni geht nichts mehr. Um Mitternacht soll der staatliche Kraftstoffbonus auslaufen. Aber schon zuvor, um 12 Uhr, ist eine satte Erhöhung der Spritpreise zu erwarten: Denn um diese Zeit, einmal am Tag, dürfen die Tankstellen die Preise verändern. Und es ist klar: Jetzt wird es nur noch teurer. Die Folge: um bis zu 17 Cent pro Liter steigende Preise schon am letzten Tag des Tankrabatts.
Dem wollen viele zuvorkommen – und sitzen im Stau in ihren Autos fest. An mehreren Stellen muss die Polizei eingreifen, um den Verkehr zu regeln und das Chaos langsam aufzulösen.
10 Uhr: In Siegburg bildet sich auf der Luisenstraße vom Kreisverkehr an der Barbarossastraße aus bis zur Einfahrt an der Mundorf-Tankstelle ein langer Stau. Auf der gegenüberliegenden Spur geht ebenfalls nichts mehr, da Autos von der Tankstelle aus nach links in Richtung Siegburg abbiegen.

Bei der Star-Tankstelle an der Zeithstraße in Siegburg-Stallberg ist kurzfristig kein Sprit mehr verfügbar.
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Sogar die Radwege sind unpassierbar. Passanten bleiben staunend stehen, um das Ereignis zu beobachten. „Nur um ein paar Cent zu sparen, warten die Autos mit laufendem Motor in der Schlange und belasten mit den Auspuffgasen die Umwelt“, schimpft eine Frau, die mit ihren Hund unterwegs ist.

Die Fahrradfahrer hatten kein Durchkommen auf dem Radweg.
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Zdravko C. (47) aus Sankt Augustin nutzt die Pause im Home Office
10.55 Uhr: „Mit dem hohen Verkehrsaufkommen habe ich schon gerechnet“, sagt Zdravko C., während er mit seinem Auto in der Warteschlange vor der bft-Tankstelle an der Hennefer Straße in Sankt Augustin steht. Aufgrund von Terminen am Morgen habe er es aber erst vormittags zum Tanken geschafft.

Zdravko C. konnte aufgrund von Terminen am Morgen erst zur Mittagszeit tanken.
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10.58 Uhr: Hinter dem Sankt Augustiner fahren die Wagen teilweise wieder weg, trotzdem stauen sich etwa 20 Fahrzeuge auf dem Fahrradstreifen. Er nutze seine Pause im Home Office, erläutert der 47-jährige Zdravko: „Ich habe noch bis 12 Uhr Zeit.“

Birgitt S. ist für die Arbeit bei den Johannitern auf das Tanken angewiesen.
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11.11 Uhr: Mit einem solchen Andrang hat Birgitt S. (63) aus Sankt Augustin nicht gerechnet. Die Johanniter-Mitarbeiterin muss das Dienstfahrzeug betanken und hatte zunächst eine andere Tankstelle angesteuert. „Dort war die Schlange aber noch länger.“ Deshalb versucht sie es an der bft-Tankstelle an der Hennefer Straße und wird dort schließlich rund 30 Minuten warten. Die Situation sei „einfach zu unkoordiniert“ gewesen. Besonders gestört habe sie, dass wartende Autos den Radweg blockierten. „Ich fahre privat selbst viel Fahrrad. Deshalb kann ich den Ärger der Radfahrer verstehen.“
Tasso K. (30) aus Troisdorf ärgert sich über die Wartezeit
11.20 Uhr: Tasso K. reiht sich ein. „Ich habe mich vor einer Stunde ins Auto gesetzt“, berichtet der 30-Jährige: „Hoffentlich, schaffe ich es vor 12 Uhr.“ Vor der Tankstelle in Sankt Augustin habe er es bei zwei weiteren Stationen in der Umgebung versucht, aber: „Die waren noch voller.“ Der Troisdorfer arbeitet regulär von zu Hause aus. „Ich denke, dass der Sprit deutlich teurer wird, die 17 Cent werden direkt wieder draufgeschlagen.“ Er ärgere sich über die lange Wartezeit, aber auch über die eigene Kurzsicht, erst recht spät zu tanken.
Polizei muss den Verkehr an Tankstellen regeln
Dass die langen Warteschlangen teilweise den Verkehr behindern, beschäftigt auch die Polizei. Wie Pressesprecher Stefan Birk mitteilt, rücken die Beamten an diesem Tag insgesamt dreimal wegen Verkehrsbehinderungen an Tankstellen aus. Dazu zählen eine weitere bft-Tankstelle an der Hauptstraße in Neunkirchen-Seelscheid sowie an einer star-Tankstelle an der Siegstraße.
Mehrere Einsatzkräften sind zur bft-Tankstelle an die Hennefer Straße gerufen worden. „Niedrige Spritpreise erzwingen Verkehrschaos“, sagt einer der Beamten mit Blick auf die beengte Situation auf der Straße an der Tankstelle: „Wir müssen dafür sorgen, dass Rettungswagen vorbeikommen.“ Die Einfahrt zur Station sei sehr kurz. In Kombination mit den parkenden Autos auf der gegenüberliegenden Straßenseite reiche der Platz nicht.
Inga G. aus Troisdorf steht bis nach 12 Uhr in der Warteschlange
11.52 Uhr: Inga G. (40) aus Troisdorf hat ursprünglich geplant, in Sankt Augustin zu tanken. Als sie dort jedoch gesehen hat, dass die Polizei den Verkehr regelt, ist sie weiter zur Aral-Tankstelle nach Troisdorf gefahren.

Inga G. hat ihr Glück nach zwei vollen Tankstellen in Sankt Augustin an der Aral Tankstelle in Troisdorf probiert.
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Als sie dort ankommt, kostete der Liter E10 noch 1,78 Euro. Bis sie wenige Minuten nach 12 Uhr schließlich an der Zapfsäule steht, ist die Anzeige bereits umgesprungen: auf 1,96 Euro pro Liter. „Ich habe mit etwas mehr Verkehr gerechnet, aber nicht in dem Ausmaß“, sagt sie.
Elke W. (53) aus Königswinter erlebte vier Stunden Ausnahmezustand
Elke W. (53) aus Königswinter, die an der Aral-Tankstelle in Troisdorf arbeitet, berichtet von einem ruhigen Schichtbeginn um 6 Uhr. „Ab 8 Uhr bis etwa 12 Uhr war es dann schon krass – da war alles dicht“, erzählt sie. Vier Stunden lang herrscht nahezu durchgehend Hochbetrieb. Für Pausen bleibt keine Zeit. Wasser, Kaffee und ihr Pausenbrot stehen den ganzen Vormittag neben ihr. „Normalerweise habe ich zwischendurch mal Zeit für eine Zigarette. Daran war gar nicht zu denken.“

Elke W. hatte die Aral-Tankstelle in Troisdorf bei ihrer Schicht ab 6 Uhr morgens im Blick.
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Selbst für die Zeit eines kurzen Toilettengangs muss ihr Chef einspringen. Trotz des Andrangs seien die Kunden freundlich geblieben. Beschwerden über längere Wartezeiten oder die steigenden Spritpreise habe sie kaum gehört. „Schlimmer wäre es gewesen, wenn wir gar keinen Sprit mehr gehabt hätten.“ Sie selbst hat deshalb bereits frühmorgens an einer 24-Stunden-Selbstbedienungstankstelle in Königswinter getankt. Dass sie während der Schicht keine Gelegenheit dazu haben würde, habe sie sich bereits gedacht.
Pünktlich zur Mittagszeit beruhigt sich die Lage. Ab 12 Uhr sind die langen Schlangen an der Aral-Tankstelle verschwunden. Auch an anderen Tankstellen entspannt sich die Situation deutlich. Den finanziellen Vorteil des Tankrabatts schätzt die Mitarbeiterin ohnehin eher gering ein: „Wenn man das hochrechnet, sind das vielleicht fünf Euro. Die gibt man dann eben woanders wieder aus.“
