Klassische Gemüsesorten sind auch in dieser Jahreszeit aus der Region erhältlich. Markthändler Ugur Sezer, der täglich auf dem Siegburger Wochenmarkt steht, gibt einen Überblick.
Grünkohl & CoFrisch und regional im Winter – Markthändler aus Siegburg gibt Tipps

Markthändler Ugur Sezer zeigt eine Kiste mit frischem Spinat, typisch für den Winter.
Copyright: Marius Fuhrmann
Regional und saisonal – das sind die beiden großen Schlagwörter, die viele Kundinnen und Kunden auf dem Wochenmarkt und an der Gemüsetheke im Discounter umtreiben. Dass Erdbeeren und Spargel von hier kommen und im Mai besonders gut schmecken, ist bekannt. Doch welche Sorten sind jetzt, im Winter, frisch und lange haltbar? Markthändler Ugur Sezer, der täglich auf dem Siegburger Wochenmarkt steht, gibt einen Überblick.
Markthändler Ugur Sezer bietet auf dem Siegburger Markt frosttolerantes Gemüse an
Ein klassisches Wintergemüse sei Topinambur, sagt Sezer. „Das kann man zubereiten wie Kohlrabi, ist aber zum Beispiel ein Kartoffelersatzprodukt für Diabetiker. Denn in Kartoffeln ist Stärke drin, die der Körper zu Zucker verarbeitet“, erklärt er. Auch Schwarzwurzel, Blumenkohl und Endiviensalat seien im Winter erhältlich. „Sprich: Gemüse, das Frost abkann – deswegen gibt es im Winter keinen Spargel.“ Stattdessen empfiehlt er Rosenkohl, Endiviensalat, Wirsing und Weißkohl.
Beliebt sei auch der Grünkohl, der viel Eiweiß sowie Mineralstoffe wie Kalium, Calcium, Magnesium, Natrium und Eisen enthält. Er passe hervorragend zu Kartoffeln, genau wie die hellen Pastinaken-Rüben. „Die sind sehr würzig, schmecken aber im Grunde wie eine Möhre und lassen sich auch so verarbeiten“, erklärt Sezer.
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Grünkohl enthält viele Vitamine und ist ein klassisches Wintergemüse.
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Wer ein wenig Aufwand beim Kochen nicht scheut, kann es mit Schwarzwurzeln versuchen, auch Winterspargel genannt. „Die Zubereitung dauert allerdings etwas, weil man Schwarzwurzeln erst putzen und schälen muss. Viele Leute kaufen sie daher lieber im Glas“, weiß der Händler. Doch auch Koch-Anfänger sollten sich die Zubereitung zutrauen, denn unter der dunklen Schale verbergen sich Kalium, Eisen, die Vitamine B1 und E sowie Folsäure und Nitrat.
Rettich ist in der Erkältungszeit sehr gefragt
Grundsätzlich empfehlen die Händler bei Gemüse kurze Garzeiten und nur wenig Flüssigkeit. „Sonst gehen die ganzen Nährstoffe kaputt.“ Besonders bei Rosenkohl sei das schade, denn der enthalte mehr Vitamin C als Zitronensaft. Apropos: In der Erkältungszeit sei auch Rettich sehr gefragt.

Pastinaken eignen sich als Kartoffelersatzprodukt.
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Wenn der Frühling anbricht, hat Ugur Sezer Fenchel aus der Region in seinem Sortiment, auch Spargel und Treibhaus-Erdbeeren fingen langsam an. Spinat kann man auch bevorzugt im Frühjahr kaufen. Im Mai und Juni sind es Kirschen, Erdbeeren, Pflaumen und Zwetschgen. Zu den nun erhältlichen Gemüsesorten zählen Blumenkohl, grüne und dicke Bohnen, Auberginen, Zucchini und Kohlrabi. Im Juli und August kommen die ersten Apfelsorten, im Herbst folgen Kürbisse. Was das ganze Jahr über erhältlich ist, sind Champignons und Lauchzwiebeln.
„Im Winter gibt es weniger deutsche Erzeugnisse, die Lebensmittel kommen aus Frankreich, Italien und Spanien. Deswegen sind Bohnen und auch Grünkohl gerade unheimlich teuer.“ Doch regionale Erzeugnisse seien wichtig für einen kleinen ökologischen Fußabdruck. „So ein Trüffel kommt immer einzeln. Und alles, was aus Übersee stammt, wird mit dem Flugzeug oder dem Schiff geliefert“, sagt er: Bananen, Kokosnüsse, Ananas.
„Die Leute wissen nicht mehr, was saisonal und regional ist.“
„Die Bananen werden grün geerntet und reifen in einer Reiferei, zum Beispiel in Hamburg oder in Leverkusen. Das kostet alles Zeit und Geld, die Transportkosten kommen oben drauf“, gibt er zu bedenken. Er verkaufe keinen Ingwer aus China, weil er nicht wisse, wie der gespritzt worden sei. „Ingwer wächst aber auch in Brasilien und Frankreich. In Brasilien gibt es Farmen, die nur für den europäischen Markt produzieren und sich an die Pestizid-Vorgaben halten“, sagt er.
Doch auch regionale Äpfel, die kühl gelagert Monate haltbar sind, seien irgendwann alle, und er als Händler müsse zu importierter Ware greifen. Das mache die Lage für ihn zwiespältig: „Ich habe zwei Kunden, die im Januar Geburtstag haben und gerne Erdbeertorte essen. Also besorge ich ihnen Erdbeeren, auch wenn die von weit her kommen. Wenn ich es nicht tue, gehen sie woanders hin“, schildert Sezer. „Die Leute wissen nicht mehr, was saisonal und regional ist.“

