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Straßenmusik in SiegburgWohlklang und Weltschmerz

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Bohumil Balga

Siegburg – Bohumil Balga hat seinen Platz gefunden. Neben dem Café, gegenüber der Marktpassage, baut er sein Instrument auf. Mehr als 100 Jahre alt ist das echte Erbstück. Dann beginnt der Tscheche zu spielen, die Klöppel eilen über die Saiten des Zimbal. Ein Wohlklang Er habe Musik studiert, sagt der 55-jährige. „Ich gebe Konzerte in Bonn und in Diez.“ In seiner Freizeit aber packt er sein Instrument ins Auto und spielt auf Marktplätzen, an Straßenrändern, eben mitten in der Stadt.

Bohumil Balga ist einer unter vielen. Bei Sonnenschein gerät der Markt zu einem Tummelplatz für Menschen mit Instrumenten. Eine junge Frau spielt Bleischweres auf der Blockflöte, ein junger Mann bearbeitet seine Gitarre und schreit der Stadt seinen Weltschmerz entgegen. „Meistens sind solche Musiker eine Bereicherung“, findet Stadtsprecher Wolfgang Hohn. „Aber wenn einer schräge Opern schmettert und sich die Geschäftsleute beschweren, dann schreiten die Kollegen vom Ordnungsamt schnellstens ein.“

Die Regeln für das Musizieren an der frischen Luft sind rasch aufgezählt: Ein Auftritt von mehr als 20 Minuten an derselben Stelle ist nicht erlaubt, verboten ist der Einsatz von Technik, der die Musik noch lauter macht. „In den Vorschriften steht, dass sich ein Musiker oder ein Schauspieler so weit entfernen muss, dass seine Darbietung am ursprünglichen Ort nicht mehr zu hören ist“, zitiert Hohn. Meistens reiche jedoch eine Distanz von 200 Metern.

Hält sich ein Musiker nicht daran, so können die Mitarbeiter des Siegburger Ordnungsamtes Geldbußen zwischen 15 und 100 Euro verhängen. „Aber das kommt so gut wie niemals vor“, schildert Hohn. Auch hält der Verwaltungssprecher wenig davon, die Zahl der Musiker zu beschränken oder gar Lizenzen zu verteilen. „In Siegburg braucht man keine Genehmigung, um zu spielen.“

Balga freut das. Doch ihn ärgern jene Kollegen, die ihr Handwerk nicht gelernt haben: „Da gibt es Kapellen, die spielen furchtbar schlecht, aber leider auch furchtbar laut“, klagt der Tscheche, der eigenen Angaben zu Folge an einem Konservatorium studiert hat und aus einer Musikerfamilie stammt, die auch eben jenes Zimbal seit vielen Jahrzehnten hütet. Vielleicht denkt Balga dabei an jenes Quintett, das mit Vorliebe stets an Freitagnachmittagen aufspielt.

Das Künstlerleben sei ein mühsames, erzählt Balga. In seiner Heimat ist er ein Teil des Folklore-Duos Šohaj, aber auch in Deutschland gehört er zu einem Ensemble und in Mainz unterhält Balga sogar eine Künstleragentur. „Ich reise viel, vor allem mit dem Auto“, sagt der Profimusiker. „Und das Benzin ist so schrecklich teuer in Deutschland.“ Die Zeit zwischen Auftritten und Konzerten verbringt Bohumil Balga daher in den Städten und spielt an der frischen Luft. „So verdiene ich das Geld, das ich an der Tankstelle ausgebe.“