Ob es eine Sanierung der bestehenden Halle oder einen Neubau gibt, wollen die Ratsmitglieder frühestens im April entscheiden.
Entscheidung vertagtTroisdorfer müssen weiter auf Mehrzweckhalle in Altenrath warten

Altenrather Vereine Bürgerantrag zur Mehrzweckhalle Stadtrat Troisdorf
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So groß ist das Interesse an Ratssitzungen in Troisdorf selten. Einige Dutzend Altenrather Vereinsmitglieder waren in die Stadthalle gekommen, um ihrem Bürgerantrag für einen Hallenneubau Nachdruck zu verleihen. Eine Entscheidung über Neubau oder Sanierung der Mehrzweckhalle wurde aber noch einmal vertagt: in die abschließende Beratung des städtischen Doppelhaushalts 2026/27 in der April-Sitzung des Stadtrats.
Schon am Sitzungsabend indes wurde die Geduld der zahlreichen Gäste auf die Probe gestellt. In der Tagesordnung war der Bürgerantrag auf Platz 48 einsortiert. Dem SPD-Antrag, mit Blick auf die zahlreichen Besucher den Punkt vorzuziehen, wollte Bürgermeister Alexander Biber nur teilweise nachkommen.
Troisdorfer Stadtrat beriet zum zweiten Mal einen Bürgerantrag der Vereine
Als ersten der Bürgeranträge wollte er das Ansinnen der Altenrather beraten lassen – als Punkt 26 einer Tagesordnung, die absehbar viel Zeit brauchen würde. Tatsächlich waren die Beratungen der Stadtratsmitglieder um 20.30 Uhr bis Punkt 8 gediehen. Eine deutliche Mehrheit der Ratsmitglieder sorgte dann dafür, dass die Altenrather früher Klarheit bekamen. Während sich die AfD enthielt, stimmte die CDU gegen eine Vorverlegung.

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Nicht zum ersten Mal hätten die Vereine einen Bürgerantrag eingereicht, rief Achim Tüttenberg (SPD) in Erinnerung. Im Dezember 2018 habe der heutige Bürgermeister erklärt, eine Sanierung sei mit 4,7 Millionen Euro zu teuer. Heute solle die Sanierung ohne Erweiterung 5,5 Millionen Euro kosten. Eine Sanierung, die keines der vielfach benannten Probleme löse. Vielmehr schaffe sie neue.
Sie haben den Neubau teuer und die Sanierung billig gerechnet
So verliere das Jugendzentrum sein Außengelände, außerdem sei die Schaffung seniorengerechter Wohnungen in der Ortsmitte damit nicht möglich. Die „böse Zahl“ von 15 Millionen Euro für einen Neubau werde nun angeführt, sagte Tüttenberg; dabei habe die Verwaltung erst 2023 noch neun Millionen Euro im Haushalt angesetzt. „Sie haben den Neubau teuer und die Sanierung billig gerechnet“, warf Tüttenberg der Stadtverwaltung um Bürgermeister Alexander Biber vor.
Es seien hohe und nicht notwendige Ausgaben wie 2,5 Millionen für die Gestaltung der Außenanlagen oder Geld für eine außergewöhnliche Veranstaltungstechnik einkalkuliert worden, die keiner der Vereine haben wolle. Zugleich seien die Kosten für eine Sanierung der 1966 errichteten Halle laut Verwaltung von einst mehr als sechs Millionen Euro auf nunmehr fünf Millionen Euro gesunken.

Neben dem Feuerwehrgerätehaus Altenrath ist ein Neubau der Mehrzweckhalle geplant.
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Auf die Seite der Befürworter eines Neubaus stellte sich für die FDP/UWG-Fraktion deren Vorsitzender Tobias Kollmorgen. „Der Zustand der Halle ist nicht mehr tragbar“, argumentierte der Liberale. Die Verein verdienten eine Halle mit Standards des 21. Jahrhunderts, „der Neubau muss kommen“. „Politik und Verwaltung haben versagt“, erklärte selbstkritisch der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Thomas Möws. Seit 15 Jahre werde ohne greifbares Resultat diskutiert, nun „müssen wir sehen, wo wir das Geld zusammenbekommen“.
Nicht festlegen mochte sich die AfD-Fraktion, die ebenfalls einer Vertagung in die Haushaltsberatungen zustimmte. „Wir haben uns die Halle angeschaut“, erklärte der Vorsitzende Frank Bigalke. Noch brauche man Zeit, um die Eindrücke zu bewerten.
Troisdorfer CDU lehnt Neubau nach wie vor ab
Derweil blieben die CDU und der Bürgermeister bei ihrer Ablehnung eines Neubaus. „Wenn wir früher mit einer Sanierung begonnen hätten, wären wir schon fertig“, sagte der Fraktionsvorsitzende Friedhelm Herrmann. Das Grundstück in der Ortsmitte, auf dem die alte Halle stehe – und das von Befürwortern eines Neubaus als Teil des Finanzierungsplans einkalkuliert ist –, sei „Eigentum der Stadt, nicht der Vereine oder einer Partei“.
„Im Entwurf des Haushaltes sind keine Mittel eingeplant, weder für eine Sanierung noch für einen Neubau“, warnte Biber die Stadtratsmitglieder: Alle Ausgaben für die Halle müssten anderswo gekürzt werden. Dann, so Biber, könne vielleicht eine Kita nicht gebaut oder eine Schule nicht saniert werden. Lediglich Geld für eine Instandhaltung der alten Josef-Schumacher-Halle stehe im Haushaltsentwurf, antwortete Christdemokrat Biber auf eine Frage Achim Tüttenbergs. „Aber nicht sechs Millionen für eine Sanierung.“
Auf Nachfrage von SPD-Fraktionschef René Wirtz erklärten Alexander Biber und Kämmerer Horst Wende, sie wüssten aus dem Kopf nicht genau zu sagen, was zur Halle im Haushalt stehe. In der Tat sind im Entwurf der Haushaltssatzung für das Jahr 2027 insgesamt zwei Millionen Euro für das Projekt Sanierung etatisiert. Im Nachgang korrigierte sich der Verwaltungschef, blieb aber bei der Kernaussage: Die eingestellten Mittel reichten ohne Förderung weder für eine Sanierung noch für einen Neubau.


