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Bilderbuchmuseum und MusitTroisdorf feiert 100 Jahre „Häschenschule“ auf Burg Wissem

Lesezeit 4 Minuten
Bilderbuchmuseum Burg Wissem & Musit
100 Jahere Häschenschule und Ausstellung
"Fibel, Rechenmaschine und Co."

Bilderbuchmuseum Burg Wissem & Musit 100 Jahere Häschenschule und Ausstellung 'Fibel, Rechenmaschine und Co.'

Die Ausstellung „Ohren gespitzt!“ ist bis 14. April 2024 zu sehen, historische Klassenzimmer sind in der Remise zu sehen.

Ein Kind, das nicht schlafen konnte und ein Vater, dem die Geschichten ausgingen: Das war die Geburtsstunde der „Häschenschule“, dem Oster-Klassiker unter den Kinderbüchern. Albert Sixtus erfand die Geschichte in einer Nacht des Jahres 1922 für seinen Sohn Wolfgang, dem er Märchen vorlesen sollte. Aber nicht irgendwelche, nein, Wolfgang wollte Hasengeschichten, immer neue Hasengeschichten!

Und weil erst kurz zuvor, im Jahr 1919, die allgemeine Schulpflicht in Deutschland eingeführt wurde, schrieb der Vater, selber Hilfslehrer, eben über Häschen, die die Schulbank drücken. 1924 wurden die Verse von Fritz Koch-Gotha illustriert und als Buch in Leipzig verlegt. Zum 100-Jährigen widmet das Bilderbuchmuseum auf Burg Wissem der Häschenschule nun die Ausstellung „Ohren gespitzt!“

Die Originalzeichnungen zur „Häschenschule“ gingen im Zweiten Weltkrieg verloren

„Bereits 2015 hat uns der Thienemann-Verlag Originale und Skizzen zur Verfügung gestellt“, berichtet Leiterin Dr. Pauline Liesen, 2023 habe das Museum sogar das ganze Archiv des Kinderbuchverlags übernehmen dürfen. Und man ging eine Kooperation ein: Die Häschenschule durfte in Troisdorf bleiben. 

Für die Ausstellung, die am Freitagabend eröffnet wurde und die bis 14. April zu sehen ist, lieh die Berliner Stadtbibliothek eine Erstausgabe aus. Der alte Lehrer und der freche Hasenhans waren damals noch auf einem dunkelblauen Titelbild, das mit der siebten Auflage zum knalligen Hellblau wechselte, das bis heute geblieben ist. „Es gibt über 20 Auflagen“, weiß Kuratorin Bianca van Hasselt, „allein bis 1930 wurden schon 250.000 Exemplare gedruckt“. Nur zwei Änderungen gab es in den ganzen Jahren: Nach dem Krieg verzichtete man auf die Rute des Lehrers, und der Garten wandelte sich vom Blumenparadies in Gemüsebeete.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Originalzeichnungen ebenso zerstört wie die Druckplatten, aber weil die Zeichnungen der „Häschenschule“ schon damals so beliebt waren, rekonstruierte der Grafiker Kurt Wasser sie, indem er Konturpausen der ursprünglichen Drucke anfertigte. Sie dienen bis heute als Vorlage für die Illustrationen und sind in der Ausstellung zu sehen. Sie wurden über ein Aquarell gelegt und ergaben so das Bild für die Verse.

Zum 100-Jährigen wollten Liesen und ihr Team im Bilderbuchmuseum aber nicht nur Häschen zeigen, die Ausstellung beschäftigt sich auch mit Schule. „Wir haben die Räume chronologisch aufgebaut“, erläutert van Hasselt ihr Konzept, das vom Beginn der Schulpflicht über die Rolle von Kinderbüchern im Dritten Reich bis zu heutigen Lehrmaterialien für Erstklässler reicht. Alte Bücher, eine Schulbank mit Tafel, ausgestopfte Tiere als Anschauungsmaterial, bunte Fleißkärtchen, Druckstöcke: Eine Reise durch die Klassenzimmer der vergangenen hundert Jahre können kleine und große Besucherinnen und Besucher in der Sonderausstellung unternehmen.

Zwei historische Klassenzimmer sind  in der Remise des Musit aufgebaut

Und wie immer im Bilderbuchmuseum soll die Ausstellung zum Anfassen sein. Dafür hat Museumspädagogin Jennifer Walther-Hammel Spielstationen aufgebaut und Basteltütchen gepackt, die an der Kasse kostenlos ausgegeben werden. „Kinder müssen be-greifen“, sagt Liesen, „dann gehen sie auch ganz euphorisch aus dem Museum heraus!“

Und gleich ein Haus weiter ins nächste, wo ebenfalls ausprobiert werden kann: In der Remise hat Kuratorin Bernadett Fischer zwei historische Klassenzimmer, die das Schulmuseum in Bergisch Gladbach zur Verfügung stellte. Eines ist aus der Zeit um 1900, drei oder mehr Schüler mussten sich hier eine Bank teilen und das Schreibheft im 35-Grad-Winkel aufs Pult legen. Das andere aus den 20er Jahren, wo die Reformpädagogik bereits Einzug ins Klassenzimmer gehalten hatte und nur noch zwei Schulkinder miteinander die ergonomische Bank drückten. 

Auch die Geschichte der Troisdorfer Schulen hat Fischer anhand der Schulchroniken und mit altem Fotos nachgezeichnet. Etliche Exponate in den Vitrinen stammen aus dem historischen Klassenzimmer in Sieglar, andere aus dem Fundus des Personals von Burg Wissem: Tornister, Einschulungskleidchen und Fotos ergänzen die Ausstellung, in der auch ein Wiedersehen mit dem Scout-Tornister gefeiert werden kann. Die Ausstellung soll weiter wachsen: „Wenn Troisdorfer Fotos oder andere Materialien aus der Schulzeit haben, nehmen wir sie gerne an“, sagt Fischer. 

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