Auch ein 275 Meter hoher Schornstein wurde gesprengt. Die Explosion war so stark, dass sie als Erdbeben aufgezeichnet wurde.
Spektakuläres VideoRWE-Kohlekraftwerk in NRW gesprengt – Explosion als Erdbeben aufgezeichnet
Ein lauter Knall und viel Staub: Der 275 Meter hohe Schornstein des ehemaligen Steinkohlekraftwerks in Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen ist gesprengt worden. Die zahlreichen Schaulustigen konnten allerdings nur einen Teil des Spektakels (im Video oben) sehen, denn die obere Hälfte des Schornsteins war von Nebel und Wolken verdeckt. Mit der Sprengung ist die letzte bis Niedersachsen zu sehende Landmarke des früheren RWE-Kraftwerks verschwunden.
Nach der Aufarbeitung des Geländes durch die Hagedorn Unternehmensgruppe wird Amprion das Grundstück ab Sommer übernehmen. Der Übertragungsnetzbetreiber will in Ibbenbüren eine Konverterstation bauen, über die in Zukunft Windstrom von den Offshore-Anlagen in der Nordsee ins nordrhein-westfälische Stromnetz eingespeist wird.

Die zahlreichen Schaulustigen konnten allerdings nur einen Teil des Spektakels sehen, denn die obere Hälfte des Schornsteins war von Nebel und Wolken verdeckt.
Copyright: David Ebener/dpa
Neben dem Stahlbeton-Schornstein brachte der Sprengmeister auch eine Rauchgas-Entschwefelungsanlage und die Entstickungsanlage zu Fall. Insgesamt musste eine Masse von 15.500 Tonnen gesprengt werden. Dafür setzten die Experten 600 Kilogramm Sprengstoff für alle drei Bauwerke ein. Laut Mitteilung von Hagedorn können 97 Prozent des Materials recycelt werden.
Erdbebenstation zeichnet Detonation auf – Magnitude von 1,1
Die Detonation war so stark, dass die Erdbebenstationen die Erschütterungen deutlich aufzeichnen konnten. „Die Detonationen, den Einsturz sowie eine kleine Vorsprengung hat die nur zwei Kilometer entfernte Station IBBN des Geofon-Netzes aufgezeichnet“, teilte ein Experte von „Erdbebennews“ mit.
Erkennbar als deutliche Peaks ab Anfang sind die P-Wellen der Detonationen, gefolgt von den lang gezogenen Oberflächenwellen. Zum Schluss folgt das seismische Signal durch das Auftreffen des leicht zur Seite gekippten Schornsteins. Das seismische Signal entsprach demnach von seiner Stärke etwa einem Erdbeben der Magnitude 1,1.
RWE-Kohlekraftwerk gesprengt: Monatelange Vorbereitungen
Nach Angaben der Abriss- und Recyclingfirma Hagedorn gingen der Sprengung monatelange Vorbereitungen voraus. So musste das Fallbett für den Schornstein mit 35.000 Tonnen Bauschutt aufgefüllt werden. Aus dem Inneren des Schornsteins holten die Arbeiter rund 2.000 Kubikmeter Füllsand.
Knapp 500 Anwohner in einem Radius von 600 Metern mussten den Bereich für die Sprengung verlassen.
Bereits im April 2025 waren der Kühlturm und das Kesselhaus des Kraftwerks gesprengt worden. Seit 2023 ist die Hagedorn Unternehmensgruppe Eigentümerin des Geländes im nördlichen Westfalen. Die neue Konverteranlage von Amprion soll 2031 in Betrieb gehen.
Die Neunutzung des einstigen Kraftwerksstandorts steht für die Energiewende: Weg von der klimaschädlichen fossilen Stromerzeugung und hin zur klimafreundlichen Erzeugung aus erneuerbaren Energien.
RWE hatte 2021 in Hamm und Ibbenbüren seine letzten beiden Steinkohlekraftwerke in Deutschland stillgelegt. (jv/dpa)

