Zwei Männer teilen sich einen Lieblingsplatz: den Grouvener Weiher, kurz Grouv genannt.
Mein LieblingsplatzZwei Elsdorfer sitzen fast täglich am Grouvener Weiher

Auf einer Bank rasten Ferdi Schiffer (r.) und Günter Rübsteck, nach der täglichen Wanderung, beobachten das Treiben auf der Grouv und tauschen Erinnerungen aus.
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Täglich außer sonntags treffen sie sich um 9 Uhr zur Wanderung. Und immer sind Start und Ziel gleich: der Grouvener Weiher, der Lieblingsort von Ferdi Schiffer und Günter Rübsteck.
Schiffer (84) gebürtiger Sindorfer, lebt seit seiner Hochzeit im Jahr 1962 in Grouven, betrieb dort als gelernter Dreher einen Mineralölhandel, war 31 Jahre lang im Berrendorfer Kirchenvorstand, pflegt liebevoll die Grouvener St.-Brigida-Kapelle, ist seit über 60 Jahren Schütze, war 20 Jahre deren Brudermeister und könnte viele Lieblingsplätze haben, etwa das Schützenhaus, das er miterbaut hat, oder die Kapelle.
Elsdorf: Die morgendliche Wanderung führt sie rund um den Weiher
„Das Besondere an Grouven ist der Weiher“, kurz Grouv genannt. Hier sitzt er sechsmal in der Woche mit Rübsteck auf der Bank nach der morgendlichen Wanderung. Die führt Schiffer seit 24 Jahren, Rübsteck seit 13 Jahren über fünf Kilometer von Grouven über Berrendorf und Widdendorf zurück an den See.
„Meistens brauchen wir eine knappe Stunde strammen Schrittes“, sagt Schiffer. „Wenn wir Bekannte treffen und Quatschen, werden es auch schon mal leicht anderthalb Stunden“, sagt Rübsteck (74), der unweit des Weihers geboren ist und bis heute dort lebt. Der gelernte RWE-Elektriker war im vergangenen Jahrhundert 30 Jahre lang Feuerwehrchef im Ort.
„Die Grouv ist ein Stück unserer lebenswerten Heimat“, sagt Schiffer. „Ohne den Weiher würde etwas fehlen“, ergänzt Rübsteck. Der Weiher ist aktuell in Gefahr, weil die Wassereinspeisung fehlt. „Das ist auch verursacht durch Rheinbraun, die den Bürgewald, aus dem das Wasser über das Giesendorfer Fließ die Grouv speiste, wegen des Tagebaus Hambach roden ließ“, adressiert Schiffer die Verantwortung an RWE, das jetzt auch weiter helfen müsse.

Der Lieblingsort von Ferdi Schiffer (l.) und Günter Rübsteck, den sie nahezu täglich aufsuchen, ist der idyllische Grouvener Weiher.
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Denn beide wollen auch künftig am See sitzen können, Fische beobachten, die bisweilen springen, den Schwan begrüßen, der fast täglich vorbeikommt, und die Entwicklung der Natur im Jahreskalender verfolgen. Denn Wanderung und Abschlussrast finden bei Wind und Wetter statt, auch wenn sie gelegentlich „durchnass“ werden. „Das trocknet wieder“, sagt Rübsteck. Und wenn es ungemütlich kalt ist und lange Hosen angesagt sind, wird geflachst: „Die koote Botz waad ald“, ist ihr aufbauendes Motto.
Elsdorf: Der kleine See in Grouven gehört zur Burg in der Ortsmitte
Gerne erinnern sich beide an das Leben der Bevölkerung mit ihrem See, der zur Burg gehört, die heute in der Ortsmitte traurig vor sich hin verrottet. „Die Feldarbeiter gingen früher nach dem Tagewerk mitsamt ihren Pferden in die Grouv, um sich abzukühlen“, sagt Rübsteck. „Im Winter fror der See zu und bis zu 200 Menschen fuhren auf dem Eis Schlittschuh“, erinnert sich Schiffer. „Wir haben als Kinder dafür gesorgt, dass die Eisfläche sauber bleibt und nach der Schule mit dem Tornister probiert, ob das Eis hält. Wenn der nass wurde, war das nicht schlimm“, erzählt Rübsteck lachend. „Wir haben uns immer geärgert, wenn wir mit den Eltern in Urlaub fahren mussten, weil wir es an der Grouv doch immer abenteuerlich hatten“.
Stabil zugefroren ist der See seit Jahrzehnten nicht mehr, nicht zuletzt weil warmes Wasser aus dem Tagebau eingeleitet wurde. Nicht nur für ihren täglichen Wanderungsabschluss, sondern auch für das Heimatgefühl, das ihr Lieblingsplatz ihnen vermittelt, hoffen die beiden Freunde, dass der Weiher noch lange erhalten bleibt. „Mach et joot bes morje fröh“, verabschieden sich beide voneinander und gehen heim, wo ein heißer Kaffee zum zweiten Frühstück wartet.
