Die Arbeiten zur Korridorsanierung der rechten Rheinstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden liegen nach Angaben der Deutschen Bahn im Zeitplan. Sie sollen am 13. Dezember abgeschlossen sein. Das gilt auch für die Verlängerung der S 13 von Troisdorf nach Bonn-Beuel. Aus den Fehlern bei bereits abgeschlossenen Projekten wie Köln-Wuppertal-Hagen, bei denen kurz nach der Freigabe neue Probleme auftauchten, zieht die DB InfraGo Konsequenzen. Dort waren nur einen Tag später Schäden an der Wupperbrücke bei Opladen festgestellt worden.
Als Reaktion und auf Drängen des Bundesverkehrsministers Steffen Bilger (CDU) hat die DB ihr bundesweites Sanierungsprogramm Anfang September zeitlich deutlich gestreckt. Künftig wird es pro Jahr nur noch zwei statt vier Generalsanierungen geben. Die Wiederaufnahme des Betriebs soll nach Abschluss der Arbeiten schrittweise erfolgen.
Genau das plant die DB InfraGo aktuell für den Zugverkehr auf dem 160 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Troisdorf und Wiesbaden. „Mit Blick auf einen möglichst stabilen Betriebsablauf“ soll der Verkehr nicht auf einen Schlag starten, sondern schrittweise wieder hochgefahren werden, heißt es in einer Mitteilung. Wie das konkret aussehen kann, werde derzeit mit den Verkehrsunternehmen geprüft.
Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Wie ist der Stand der Bauarbeiten?
Der Einbau neuer Gleise ist zu 70 Prozent abgeschlossen, bei den Weichen sind es 80, bei den Oberleitungen 40 Prozent. An den 36 Bahnhöfen und Haltepunkten sind die Abbrucharbeiten nahezu beendet, neue Personenunterführungen und sechs Kilometer Lärm sind entstanden. Mehrere Brücken wurden eingeschoben, darunter ein neues Bauwerk an der Landesstraße 193, einer wichtigen Verbindung zwischen Bonn und Königswinter. Die 85 Meter lange Stahlkonstruktion wurde am vergangenen Wochenende eingeschoben und musste dabei vier Bahngleise überqueren.
Was ist noch zu tun?
Neben der Modernisierung der Bahnhöfe geht es vor allem darum, sechs bestehende Stellwerke mit alter Technik durch elektronische Stellwerke zu ersetzen. Sie stehen in Rüdesheim, Niederlahnstein, Koblenz-Ehrenbreitstein, Engers, Neuwied und Bonn-Beuel. Drei von ihnen werden erst im Juli 2027 nach der Abnahme in Betrieb gehen. Damit reagiert die DB InfraGo auch auf die Erfahrungen aus vorangehenden Korridorsanierungen. Weil die Stellwerke gestaffelt aufgeschaltet werden, konnte die Bahn zeitgleich die Vorarbeiten zur Sanierung eines Kreuzungsbauwerks in Horchheim in Angriff nehmen. Bis Dezember werden schon mal die Gleise abgesenkt. Die neue Brücke wird neben den Gleisen vormontiert und um Juli 2027 eingeschoben.
Was ist mit der Digitalisierung?
Das Zugbeeinflussungssystem European Train Control System (ETCS) war vor der Korridorsanierung bereits zwischen Oberlahnstein und Assmannshausen im Einsatz. Nach Umsetzung aller Arbeiten kann das System bis Ende 2027 auf der gesamten Strecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden in Betrieb gehen. Die Strecke zählt dann zu den längsten, vollständig digitalisierten Strecken Deutschlands.
Wie läuft der vorgezogene Ausbau der S-Bahnlinie 13 zwischen Troisdorf und Bonn-Beuel?
Der Vorlaufbetrieb soll zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember aufgenommen werden. Bisher fährt die S 13 lediglich von Horrem über Köln und den Flughafen Köln/Bonn bis nach Troisdorf. Der Abschnitt Troisdorf-Bonn wird zurzeit nur von Nahverkehrslinien bedient. Wegen des dichten Güterverkehrs war auf dieser bisher zweigleisigen Strecke eine Verbesserung des Nahverkehrsangebots nicht möglich. Die Strecke wird derzeit größtenteils um zwei Gleise erweitert. Stellenweise ist nur die Erweiterung um ein Gleis erforderlich. Durch den Ausbau sind dann die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis per S-Bahn mit dem Flughafen Köln/Bonn verbunden.
Was kostet die Korridorsanierung?
Insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro. Das Geld fließt in rund 80 Kilometer Gleise, knapp 100 Kilometer Oberleitung, 160 Weichen und zehn Brücken, die saniert oder erneuert werden. Hinzu kommen neue Überleitstellen, modernisierte Leit- und Sicherungstechnik sowie Arbeiten an 36 Bahnhöfen.
