Geschätzt über 400 Schülerinnen und Schüler transportiert die Mondorfer Fähre jetzt jeden Morgen.
Sperrung der NordbrückeDer lange Weg der Schulkinder in Rhein-Sieg über den Rhein

Der Transport der Schülerinnen und Schüler ist für die Fährenbesatzung immer eine stressige Situation.
Copyright: Marius Fuhrmann
Erst sind es drei Fahrräder, dann zehn, dann 50: Binnen einer Hin- und Rückfahrt der „Christophorus“ haben sich dutzende Schülerinnen und Schüler mit ihren Rädern am Fährufer in Graurheindorf versammelt. Sie alle knubbeln sich auf dem Schiff, das sie am Mittag zurück nach Mondorf bringt. Mit einer scharfen Lautsprecherdurchsage schafft es das Personal, möglichst viele Kinder und Jugendliche auf dem Deck zu verteilen, nicht aber, dass sie sich am anderen Ufer gegenseitig über den Haufen fahren.
Mitten in dem Pulk steckt Rosemarie Placke, genannt Rosi, aus Troisdorf-Spich. Sie ist eine von mehreren hundert Schülerinnen und Schülern, die im Rechtsrheinischen wohnen, aber links des Rheins zur Schule gehen: Auf die Ursulinenschule in Bornheim-Hersel, das Heinrich-Hertz-Berufskolleg und das Collegium Josephinum in Bonn. Ihre Busverbindungen brauchen nun täglich sehr viel länger, weil sie über die Kennedybrücke fahren müssen.
Über anderthalb Stunden Verspätung hatte die Troisdorferin am ersten Schultag nach der Brückensperrung
„Der erste Schultag, nachdem die Sperrung angefangen hatte, war der Montag: Ich bin da mit dem Bus gefahren, der war erst um 9.20 Uhr an der Ursulinenschule“, schildert die Elfjährige. Mit mehr als anderthalb Stunden Verspätung kam sie an, doch war damit nicht allein: „Viele aus meiner Klasse sind auch zu spät gekommen, die Lehrer sind aber sehr verständnisvoll“, sagt Rosi. Am zweiten Tag sei sie aufs Fahrrad umgestiegen. Für die zwölf Kilometer lange Strecke zur Schule, die über die Fähre führt, brauche sie jeweils 45 Minuten. „Manchmal muss ich einen Durchgang warten, weil es an der Rampe schon so voll ist.“

Rosemarie Placke (11) aus Spich geht auf die Ursulinenschule in Bornheim - und fährt seit der Brückensperrung lieber mit dem Fahrrad.
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Auch wenn die RSVG die Fahrpläne der beiden wichtigsten Linien für den Schulverkehr angepasst hat – sie fahren nun 20 Minuten vorher ab – will Rosi bis zu den Sommerferien weiter Rad fahren. „Mittlerweile kommt der Bus etwas besser durch, es dauert mir aber zu lang und ich habe keine Lust, im Stau zu stehen, wenn auf der Strecke ein Unfall passiert. Wenn es nicht regnet, fahre ich lieber mit dem Rad, auch wenn es länger dauert.“ Dies sei jedoch Zeit, die sie am Nachmittag verliere. „Die Hausaufgaben habe ich sonst nämlich immer im Bus gemacht“, sagt die Sechstklässlerin.
Am Morgen bringen die Fähren nur die Schulkinder auf die andere Rheinseite
„Fünf Stunden hat sie vergangenen Montag im Bus gesessen. Ab dem Sommer gibt es dann nur noch eine Haltestelle am Spicher Bahnhof, wo alle einsteigen sollen. Vielleicht passiert das jetzt auch schon früher“, wirft Rosis Vater Stephan ein. Die Tochter mit dem Auto zum Fähranleger zu bringen, sei aufgrund des allmorgendlichen Staus in der Provinzialstraße nicht möglich. Placke wünscht sich, dass die Fährverbindung zur Schule in das Deutschlandticket eingebunden werde, das Rosi für den Schulweg nutze. „In Königswinter ist das ja schließlich auch möglich.“ Ein Vorschlag, den die FDP im Kreistag im nächsten Planungs- und Verkehrsausschuss einbringen will.
So wie Rosi müssen hunderte Schülerinnen und Schüler jeden Morgen und Mittag über den Rhein. „Um halb acht stehen alle auf einmal da. Wir fahren dann zwei bis drei Fähren nur mit Kindern und Jugendlichen rüber, die allermeisten mit dem Rad, nur ganz wenige sind zu Fuß“, sagt Fährführer Ansgar Stüben.

Der Transport der Schülerinnen und Schüler ist für die Fährenbesatzung immer eine stressige Situation.
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Seien es vor der Sperrung pro Tag und Richtung nur 60 bis 80 Schülerinnen und Schüler gewesen, kämen jetzt mehr als 400, schätzt er. „Man möchte meinen, die seien schneller wieder vom Schiff, es dauert aber länger, sie alle abzukassieren“, sagt er. Mittlerweile hätten sich viele Zehnerkarten zugelegt. Am Mittag, gegen 13.30 Uhr, das gleiche Spiel – wenn auch etwas entzerrter. „Wir fahren alle rüber, aber suchen noch nach Lösungen, wie wir so viele Schüler in kurzer Zeit befördern können. Wir sind immer in einer besonderen Situation, wenn die Schüler kommen.“
Es ist unser Auftrag, den Busverkehr im Rhein-Sieg-Kreis durchzuführen und aufrechtzuerhalten.
Dabei fahren die Linien weiterhin die Schulen an: Die Linien 552 und 595 enden an der Ursulinenschule und dem CoJoBo, jedoch mit einem einkalkulierten Zeitverzug von 20 Minuten, was eine frühere Abfahrt am Morgen und eine spätere Ankunft am Nachmittag bedeutet. Der wäre vermutlich sowieso gekommen, denn die Sondererlaubnis, mit der Busse zuvor über die für Lkw über 7,5 Tonnen gesperrte Nordbrücke fahren durften, galt nur bis zu den Sommerferien.
In Windeseile musste die RSVG die Fahrpläne anpassen: „Die Änderung der Fahrpläne ist im Vergleich zu den daraus resultierenden Änderungen im Ablauf und bei den Dienstplänen gering. Unser Fahrpersonal hat einen erheblichen Mehraufwand“, teilt Sprecherin Julia Wolff mit. Insbesondere das rechtsrheinische Gebiet in Königswinter, Troisdorf und Niederkassel sei von der Sperrung stark betroffen. „Die Linien 117, 537, 550 und 551 haben je nach Tageszeit bis zu einer Stunde Verspätung. Die Linien 516 und 529 sind aktuell auch deutlich verspätungsanfälliger als sonst. Ab Montag, 15. Juni, versuchen wir über einen leicht veränderten Linienweg in Beuel die Verspätungen zu reduzieren.“
Alle betroffenen Buslinien führen über die Kennedybrücke. „Es ist unser Auftrag, den Busverkehr im Rhein-Sieg-Kreis durchzuführen und aufrechtzuerhalten. Diesem wollen wir natürlich auch aktuell nachkommen“, betont Wolff. Insbesondere im Bereich Mondorf komme es wegen des Rückstaus der Fähre zu Staus, die zu Verspätungen bei anderen Buslinien in Niederkassel und Troisdorf führten. „Die RSVG versucht über Einsatzbusse die Ausmaße für die betroffenen Fahrgäste so gering wie möglich zu halten“, sagt Wolff. Wie es weitergehe, hänge von weiteren Prüfungen der Autobahn GmbH zur Statik der Brücke und der Taskforce zur Linderung des Verkehrschaos ab.
