Abo

Task-Force eingerichtetWie die Sperrung der Bonner Nordbrücke den Verkehr in der Region lahmlegt

6 min
Auch für Radfahrer ist die Brücke gesperrt worden.

Auch für Radfahrer ist die Bonner Nordbrücke gesperrt worden.

Nach dem langen Wochenende zeigte sich im Berufsverkehr das volle Ausmaß der Brückensperrung in Bonn für die Region.

„Katastrophe“ – mit einem einzigen aus dem offenen Fenster gefluchten Wort bringt der Beifahrer eines Kleinlasters, der sich am Montagmorgen in die Fahrzeugschlange vor dem Anleger der Rheinfähre in Niederkassel-Mondorf einreihen musste, die Verkehrssituation im Großraum Bonn auf dem Punkt.

Der erste Arbeitstag nach dem für viele langen Wochenende zeigt auch dort, welche Folgen die Komplettsperrung der Bonner Nordbrücke für die Menschen in der Region hat. Sie werden auf absehbare Zeit deutlich mehr Zeit im Stau verbringen, egal, ob sie selber mit dem Auto unterwegs sind oder aber mit öffentlichen Verkehrmitteln zum Arbeitsplatz oder zum Einkaufen fahren.

Mondorfer Provinzialstraße kann Verkehr zur Fähre nicht mehr bewältigen

Auf der Mondorfer Provinzialstraße, die zu normalen Zeiten den Verkehr zur und von der Mondorfer Fähre gut bewältigt, herrrscht am Montagmorgen Ausnahmezustand. Der Verkehr mit Ziel Fähranleger staut sich auf einer Länge von mehreren Hundert Metern zurück. Und weil die Straße so eng ist, dass an einigen Stellen der Gegenverkehr nur mit Mühen passieren kann, werden auch die Parkplätze an Rand der Straße zur Fahrbahn. Wo die Parkplätze von Kunden der Mondorfer Geschäftswelt belegt sind, wird es besonders eng.

Wegen der Sperrung der Bonner Nordbrücke kommt es auf dem Weg zum Fähranleger in Niederkassel-Mondorf zu erheblichen Staus.

Wegen der Sperrung der Bonner Nordbrücke kommt es auf dem Weg zum Fähranleger in Niederkassel-Mondorf zu erheblichen Staus.

„Wir werden deshalb noch im Laufe des Montags an verschiedenen Stellen Parkverbote anordnen“, sagt Bürgermeister Matthias Großgarten, der sich am Morgen vor Ort ein Bild der Lage verschafft. Ziel müsse sein, dass der Verkehr zur Fähre fließe. Einige Parkplätze werden dauerhaft gesperrt, andere sollen auf die Stoßzeiten am Morgen und am Nachmittag begrenzt gesperrt werden.

Die Stadt Niederkassel hat inzwischen eine eigene „Task Force“ zum Umgang mit den Folgen der Brückensperrung eingerichtet. Am Wochenende hat das Gremium bereits online getagt, am Montag kam die Stadtspitze mit Vertretern des städtischen Ordnungsamtes, der Verkehrsabteilung und des Bauhofs zum ersten Mal in Präsenz zusammen. „Es geht jetzt erstmal darum, akut mit den Problemen umzugehen, die die Sperrung der Nordbrücke auf Niederkasseler Stadtgebiet mit sich bringt“, sagt der Bürgermeister. Eine weitere Entscheidung der Task Force war, dem Verkehr auf der Provinzialstraße durchgängig Vorfahrt zu gewähren.

Niederkassel denkt über Nato-Rampen an beiden Rheinufern als zusätzliche Fähranleger nach

Es gelte, den Verkehr rund um den Anleger der Mondorfer Autofähre, aber auch an der Lülsdorfer Personenfähre, bestmöglich zu organisieren. „Wir dürfen uns aber keine Illusionen machen, die Fähren haben begrenzte Kapazitäten und die großen Staus lassen sich dadurch nicht vermeiden", sagt Großgarten. „Als Stadt Niederkassel tun wir derzeit alles, was in unserer Macht steht, um die Folgen für alle Betroffenen möglichst gut abzufedern.“

Bei einer Suche nach Lösungen gegen das Verkehrschaos in der Region denkt man im Niederkasseler Rathaus auch über die sogenannten Nato-Rampen an beiden Ufern des Rheins in Bornheim-Widdig und in Niederkassel-Rheidt nach. Sie könnten möglicherweise als zusätzliche Fähranleger genutzt werden. Großgarten hat darüber bereits mit seinem Bornheimer Amtskollegen Christian Mandt gesprochen. Diese Möglichkeit werde jetzt geprüft. Bei der Suche nach Lösungen dürfe es keine Denkverbote geben.

Viel Geduld brauchen am Montag auch die Fahrgäste des öffentlichen Nahverkehrs. Busse und Bahnen in Bonn und auf den Zubringerstraßen im Kreisgebiet stehen zusammen mit dem Autoverkehr im Stau. „Unsere Busse haben erhebliche Verspätungen“, heißt es auf Nachfrage der Redaktion bei der RSVG-Zentrale in Troisdorf-Sieglar. Um die Verspätungen nicht ausufern zu lassen, hat das Verkehrsunternehmen entschieden, die Linien 117, 537, 550 und 551 nur bis Bonn-Beuel fahren zu lassen. Wer weiter in Richtung Bonner Zentrum möchte, musste am Montag am Konrad-Adenauer-Platz in die Stadtbahn umsteigen. Auf dem Weg aus der Stadt heraus, starten die vier Buslinien auch erst in Beuel.

Stefan Ott pendelt seit 30 Jahren zwischen Sankt Augustin und Hürth

Stefan Ott lebt in Sankt Augustin-Buisdorf und fährt seit Jahrzehnten täglich mit dem Auto nach Hürth zur Arbeit. Dafür muss er auf die A3 in Richtung Köln. Ihn stellte bereits die Teilsperrung des Autobahn-Kreuzes Bonn/Siegburg vor Herausforderungen, die Sperrung der Bonner Nordbrücke mache die Situation für ihn zu einer „absoluten Katastrophe“.

Besonders sein Nachhauseweg werde zur Tortur, denn vor Kurzem wurden auf der A4 im Bereich Eifeltor Fahrspuren gesperrt, zudem gilt eine Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde, um die Strecke zu entlasten. Auch dort macht eine marode Brücke Probleme. Ähnlich wie bei der Bonner Nordbrücke, ist die A4-Brücke zwischen Eifeltor und Klettenberg ab Donnerstag für Lkw über 7,5 Tonnen tabu.

Pendlervorschlag: A3 in Richtung Sankt Augustin und Hennef wieder öffnen

Konnte Ott zuvor auf die A555 und die Nordbrücke ausweichen, bleibt ihm ab Köln nun nur noch die A59 in Richtung Süden – so wie allen anderen Autofahrerinnen und Autofahrern auch. Alternativ muss er von der A3-Anschlussstelle Lohmar nach Sankt Augustin fahren. „Der Verkehr quält sich bereits ab Köln über die A59 oder über Lohmar und die B56n zur A560. Das bringt den Verkehr in Lohmar, Siegburg und Sankt Augustin zum Erliegen. Für den Bürger sind die verschiedenen Planungen der Gremien nicht mehr nachvollziehbar.“

Stefan Ott (53) aus Buisdorf fährt täglich mit dem Auto nach Hürth – und kommt nur erschwert nach Hause.

Stefan Ott (53) aus Buisdorf fährt täglich mit dem Auto nach Hürth – und kommt nur erschwert nach Hause.

Zwischen 20 und 25 Minuten sei er täglich länger unterwegs. „Manchmal auch nur zehn, manchmal 60 Minuten. Das hängt von Wetter und Tageszeit ab – keine Ahnung, wie sich das langfristig entwickeln wird.“ Ott plädiert dafür, die Abfahrten von der A3 auf die A560 in Richtung Sankt Augustin und Hennef wieder zu öffnen: „Generell wäre das machbar, zumal die Geschwindigkeit an dieser Stelle eh schon reduziert wurde. Und Schilder mit einer verkürzten Ausfahrt gibt es ja auch auf der A560 an der Anschlussstelle Siegburg. Wofür braucht man einen langen Streifen für die Ausfahrt? Es würde tausenden Autofahrern jeden Tag helfen und die A59 massiv entlasten“, argumentiert er. Wenn nötig, müssten dafür Vorschriften angepasst werden.

Es kann einfach nicht sein, dass rund um Sankt Augustin, Siegburg, Troisdorf, Lohmar und nun auch Bonn keine einzige Autobahn mehr sinnvoll nutzbar ist.
Stefan Ott, Berufspendler

„Gegebenenfalls muss man aufgrund der Gesamtsituation prüfen, ob die Baustelle auf der A3 verschoben werden kann.“ Dies dürfte jedoch unwahrscheinlich sein, denn die Autobahn GmbH ist bei den Arbeiten auf die Freigabe der darunter liegenden Gleise durch die Deutsche Bahn angewiesen. Diese saniert die Siegstrecke ab Dezember, weswegen die Gleise ohnehin gesperrt werden. Eine Verschiebung der Brückenarbeiten würde eine spätere Sperrung der Bahnstrecke bedeuten.

„Es kann einfach nicht sein, dass rund um Sankt Augustin, Siegburg, Troisdorf, Lohmar und nun auch Bonn keine einzige Autobahn mehr sinnvoll nutzbar ist. Alles ist zu oder versperrt, eingeengt oder schlicht völlig überlastet. Das muss jetzt mal in die richtige Reihenfolge der Dringlichkeit gebracht und die Beeinflussung einer ganzen Region neu analysiert werden“, schimpft er. „Der Zustand ist für alle – darunter Dienstleister, Logistik, Handwerk, Pendler und Anwohner – unerträglich und in keinster Weise mehr nachvollziehbar.“

Er hoffe auf die „Kreativität“ der Planenden und dass Ideen nicht an Argumenten der Kategorie „geht nicht“ oder „geht nicht mehr“ scheiterten. „So wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen. Wenn alle an einem Strang ziehen und sich nicht hinter Vorschriften verstecken, kann man sicherlich auch etwas verändern“, sagt Ott.