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Stau in Bonn, Ärger in Köln„So lange kann man die Region nicht ins Verkehrschaos stellen“

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Die Friedrich-Ebert-Brücke (Rheinbrücke Nord), eine wichtige Ost-West-Autobahnbrücke, ist ab sofort dicht: Wegen Schäden am Tragwerk sperrt die Autobahn GmbH die A565-Rheinbrücke Bonn-Nord.

Die Friedrich-Ebert-Brücke (Rheinbrücke Nord), eine wichtige Ost-West-Autobahnbrücke, ist ab sofort dicht: Wegen Schäden am Tragwerk sperrt die Autobahn GmbH die A565-Rheinbrücke Bonn-Nord.

Nach der Sperrung der Bonner Nordbrücke müssen auch Verbraucher mit Folgen rechnen, wenn Betriebe höhere Kosten umlegen.

Nach der überraschenden Sperrung der gesamten Bonner Nordbrücke der A565 dringt die regionale Wirtschaft auf Tempo beim Ersatz des Bauwerks. „Es ist vollkommen unakzeptabel, wenn so eine wichtige Schlagader erst nach 12 bis 15 Jahren wieder neu gebaut wird“, warnte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg, Hubertus Hille, im „Morgenecho“ von WDR 5.

Solche Zeiträume seien bisher Standard gewesen für Brückenneubauten. „Das geht so nicht.“ Das Bundesverkehrsministerium und die Autobahn GmbH müssten dafür sorgen, dass die wichtigste Ost-West-Verbindung für diesen Raum in vier bis fünf Jahren wieder vollständig stehe, forderte er.

Auch der Präsident der Handwerkskammer zu Köln, Thomas Radermacher, betonte bei RTL/ntv: „So lange kann man die Region hier nicht ins Verkehrschaos stellen. Also müssen wir viel, viel schneller planen und bauen.“ Dass das möglich sei, habe der Neubau der Rahmede-Talbrücke bewiesen. Nach bisherigen Planungen sollte der Neubau der zuvor schon durch zahlreiche Schäden aufgefallenen Nordbrücke frühestens in den 2030er Jahren beginnen.

„Keine Maus darf mehr über diese Brücke“

Die am Mittwochnachmittag vollzogene Komplettsperrung betreffe nicht nur Unternehmen, sondern habe enorme Auswirkungen auf viele Bürger, unterstrich Hille. Die Nordbrücke sei ja nun nicht nur für Autos und Lkw gesperrt, sondern sogar für Fußgänger und für Fahrradfahrer. „Keine Maus darf mehr über diese Brücke.“ Nach WDR-Informationen verdichtete sich der Verkehr im Umfeld der Bonner Nordbrücke schon im Laufe des Vormittags zunehmend.

Die Friedrich-Ebert-Brücke (Rheinbrücke Nord), eine wichtige Ost-West-Autobahnbrücke, ist ab sofort dicht.

Die Friedrich-Ebert-Brücke (Rheinbrücke Nord), eine wichtige Ost-West-Autobahnbrücke, ist ab sofort dicht.

Beide Wirtschaftsfunktionäre wiesen darauf hin, dass Unternehmen die Zusatzkosten für Umwege am Ende auch auf Kunden umlegen müssten. Wenn jeder Mitarbeiter in einem durchschnittlichen Zehn-Mann-Betrieb täglich nur eine Stunde im Stau stehe, bedeute das für das Unternehmen eine jährliche Belastung von 192.000 Euro, rechnete Radermacher vor. „Das sind keine kleinen Summen, über die wir hier reden, sondern das ist richtig wirtschaftlicher Verlust.“ Auch Hille stellte fest: „In jedem Fall ist das eine Sache, die auch der Kunde am Ende bezahlen muss.“

Wie der Bonner Oberbürgermeister Bürgern kurzfristig helfen will

Derzeit würden bereits viele Maßnahmen geprüft, um Bürger und Wirtschaft so schnell wie möglich zu entlasten, versicherte Bonns Oberbürgermeister (OB) Guido Deús. Der CDU-Politiker zählte im „Morgenecho“ mehrere Überlegungen auf:

  1. Möglichst großzügige Homeoffice-Regelungen in Stadtverwaltung und regionaler Wirtschaft
  2. Kurzfristig einzurichtende Park-and-Ride-Flächen
  3. Verstärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV); an einer Stelle könne es vielleicht ermöglicht werden, Busse auch über Bahntrassen fahren zu lassen.
  4. Eventuelle Freigabe von ÖPNV-Spuren für den Individualverkehr
  5. Umleitung des Radverkehrs

Das große Thema sei aber ein zügiger Neubau, pflichtete der Oberbürgermeister bei. „Vielleicht müssen wir darüber reden, dass die Vorlandbrücke als Erstes vorgezogen und jetzt mit einem Ersatzneubau versehen wird“, sagte Déus im WDR-Interview. Die Sicherheitsrisiken auf dieser Brücke auf der linken Rheinseite seien der eigentliche Grund, warum die sofortige Vollsperrung der Nordbrücke nötig geworden sei. Die Autobahn GmbH brauche nun 14 Tage Zeit, um alles zu prüfen.

Gas geben statt Schuldzuweisungen

Am Nachmittag will Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) die gesperrte Rheinbrücke besuchen, um sich selbst ein Bild zu machen. Déus warnte vor „Schwarze-Peter-Spielen“, wer an der Lage schuld sei und wer was wann versäumt habe.

„Wir wissen, in Deutschland sieht es wie folgt aus: Wir haben über Jahrzehnte – egal, wer Verantwortung getragen hat – Sanierungsstau entstehen lassen“, stellte er fest. „Egal wo: auf den Straßen, bei der Deutschen Bahn, in unseren Schulen, in unseren Kitas, auf unseren Sportplätzen.“

„Also insofern: Schwarze-Peter-Spiel ist nicht meins“, sagte der 58-Jährige, der erst seit September 2025 OB der Bundesstadt ist. „Wir müssen jetzt endlich die Ärmel hochkrempeln, Gas geben im wahrsten Sinne des Wortes und jeder an seiner Stelle das tun, was er tun kann.“ (dpa)