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Fortschritte im ÜberlebenskampfFC holt wichtigen Zähler, verpasst aber Big Point

Lesezeit 5 Minuten
Kölns Innenverteidiger Jeff Chabot (l.) ist vor Stuttgarts Torjäger Serhou Guirassy am Ball.

Kölns Innenverteidiger Jeff Chabot (l.) bot eine starke Leistung und ließ Stuttgarts Torjäger Serhou Guirassy fast keinen Stich.

Das Schultz-Team verdient sich das 1:1 beim Champions-League-Aspiranten Stuttgart, kommt aber in der Tabelle noch nicht vom Fleck.

Die vergangene Saison hatte der 1. FC Köln noch deutlich vor dem VfB Stuttgart abgeschlossen, der erst in der Relegation den Klassenerhalt perfekt gemacht hatte. Doch in dieser Spielzeit trennen beide Mannschaften erstaunliche 30 Punkte. Das bleibt auch nach dem 23. Spieltag und dem 1:1 im direkten Duell im Schwabenland der Fall. Doch dass die Ansprüche beim VfB, aber auch beim FC, mittlerweile andere sind, das wurde nach dem Abpfiff deutlich.

Während der VfB-Vorstandsvorsitzende und frühere FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle mit der Punkteteilung einigermaßen leben konnte und sie als durchaus gerecht empfand, haderten die Spieler des Favoriten mit dem Ausgang der Partie. VfB-Kapitän Waldemar Anton, der sich mittlerweile zu einem der besten deutschen Innenverteidiger entwickelt hat, kritisierte vor allem den Auftritt seiner Mannschaft nach der 1:0-Führung, die Enzo Millot nach einer an diesem Tag ausnahmsweise gelungenen Kombination über den Ex-Kölner Chris Führich und Hiroki Ito in der 52. Minute erzielt hatte: „Ich weiß nicht, warum wir da auf einmal viel weniger machen. Das ist auf so einem Niveau nicht möglich – auch nicht gegen Köln. Wenn du international spielen willst, musst du solche Spiele auf deine Seite ziehen. Wir hätten sie einfach killen müssen“, sagte Anton.

Stuttgarts Verteidiger Anton: „Hätten die Kölner einfach killen müssen“

Killen – ein unangebrachtes Wort, das zudem etwas arrogant klang. Mittelfeldspieler Angelo Stiller war es, der seinem Team genau diese Arroganz vorwarf. Bis zum 1:0 sei der VfB die klar bessere, dominante Mannschaft gewesen, habe aber nicht die Tore erzielt. Und nach der Führung habe sein Team dann „arrogant gespielt, zu schläfrig, zu langsam“.

Alles zum Thema Marvin Schwäbe

Das Urteil von objektiven Beobachtern der Partie fiel anders aus. Nämlich so, dass das Unentschieden in Ordnung ging und die niemals aufsteckenden Gäste es sich auch redlich verdient hatten. Der giftige, unbequeme Eric Martel hatte nach einer Ecke und missglückten Stuttgarter Klärungsversuchen den Ausgleich erzielt (62.). Viel hätte nicht gefehlt, und dem eingewechselten Faride Alidou wäre sogar fast noch ein zweiter Treffer für die Gäste gelungen (85.). Doch der Offensivspieler, der allein auf das Stuttgarter Tor zulief, verlor die Nerven, ließ sich zu weit von Keeper Fabian Bredlow abdrängen und traf nur das Außennetz. Auf der anderen Seite hatte zuvor sein Kölner Gegenüber Marvin Schwäbe mit einer Glanzparade nach einem Schuss von Enzo Millot das 2:1 für den VfB verhindert (68.). Dass die Schlussoffensive des Favoriten ausblieb, lag auch daran, dass der FC weiterhin gut gestaffelt in der Defensive stand und nach der Großchance des VfB fast nichts mehr zuließ. FC-Trainer Timo Schultz wirkte nach dem Abpfiff zufrieden.

„Für uns ist es definitiv ein gewonnener Punkt. Wir haben sehr viel Arbeit investiert in unsere Defensive. Ich denke, das haben die Jungs hervorragend gemacht“, sagte der Coach, der sich zudem erfreut zeigte, dass er Mut und Überzeugung im Spiel nach vorn, die er zuvor von seiner Mannschaft eingefordert hatte, insbesondere nach dem Seitenwechsel auch umgesetzt sah: „Gerade in der zweiten Halbzeit haben wir aus unseren Balleroberungen deutlich mehr Gefahr erzeugen können und folgerichtig den Ausgleich erzielt. Mit ein bisschen Glück können wir den Platz sogar als Sieger verlassen, mit den zwei Riesen-Chancen hintenraus. Aber ein Punkt in Stuttgart ist aller Ehren wert, den nehmen wir gern mit“, befand Schultz, der mit seiner Aufstellung selbst Mut bewiesen hatte.

1. FC Köln: Trainer Timo Schultz setzt auf blutjunge Mannschaft

Der Kölner Trainer setzte auf eine blutjunge Mannschaft, deren Durchschnittsalter 23,6 Jahre betrug. Linksverteidiger Max Finkgräfe und Offensivspieler Justin Diehl waren mit ihren 19 Jahren die Nesthäkchen. Doch dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, erfuhr Diehl bei seinem Startelf-Debüt. Körperlich muss das FC-Talent noch zulegen, Anton und Co. kochten den oft noch zu verspielten Kölner mehrfach ab. Aber Diehl zeichnet aus, dass er unerschrocken ist, im Wissen um seine gute Technik einfach auch mal etwas probiert. Bleibt aus Kölner Sicht zu hoffen, dass der vom VfB umworbene Junioren-Nationalspieler, dessen Vertrag in Köln Ende Juni ausläuft, dies in der kommenden Saison nicht in Stuttgart zeigt.

Für den FC hat sich die Situation nach dem 23. Spieltag nur unwesentlich verändert. Die Kölner haben einen Zähler gewonnen, aber den Big Point verpasst. Platz 15 ist weiter noch einiges entfernt. Darmstadt konnte den Rückstand auf den FC durch ein unglückliches 1:1 in Bremen nach zwei aberkannten Toren aber ebenso wenig verkürzen wie Mainz. Der Tabellenvorletzte hatte allerdings beim 1:2 in Leverkusen bewiesen, dass mit dem FSV unter dem neuen Trainer Bo Henriksen wieder zu rechnen sein dürfte. Auf die Kölner warten vor der Länderspielpause mit den Derbys gegen Leverkusen und in Gladbach und dem Heimspiel gegen Leipzig erneut Spiele, in die sie als Außenseiter gehen. Aber als einer, der in der Lage zu scheint, den Favoriten ein Bein zu stellen.

Und der FC hätte gewiss nichts dagegen, kämen auch die anderen Trainer zu einer ähnlichen Einschätzung wie Stuttgarts Sebastian Hoeneß, der die Leistung des FC nicht schmälern wollte. „Ganz im Gegenteil. Ich finde, dass die Kölner ein echt gutes Spiel gemacht haben, insbesondere in der Defensive.“

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