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Jörn Stobbe im Interview
FC-Präsident will 75.000-Zuschauer-Stadion in Müngersdorf

6 min
Luftaufnahme: beleuchtetes Rhein-Energie-Stadion von oben.

Das Rhein-Energie-Stadion gehört den Kölner Sportstätten, einer Tochter der Stadt Köln. Der 1. FC Köln träumt von einer eigenen, größeren Arena in Müngersdorf.

Der FC-Vorstand spricht über die Pläne für das Rhein-Energie-Stadion, das neue Leistungszentrum und die Zukunft von Said El Mala.

Herr Stobbe, vor einem Jahr steckten Sie noch mitten im Wahlkampf. Wie blicken Sie zurück?

Es ist ein unheimlich intensives erstes Jahr. Wir haben viel gearbeitet, viel vorangetrieben. Jetzt waren wir im Trainingslager, die Stimmung ist gut, das Ambitionslevel hoch. Wir wollen richtig was bewegen, das spürt man auf allen Ebenen. Es macht nach wie vor Riesenspaß. Manchmal kneife ich mich morgens noch, spüre die Freude und die Verantwortung gleichermaßen. Die ganze Stadt, die ganze Umgebung – es ist der Wahnsinn. Wir haben viel gemacht, es bleibt unheimlich viel zu tun. Die Richtung stimmt.

Wie intensiv ist das Tagesgeschäft?

Man kann 24 Stunden am Tag etwas für den FC machen. Ich verantworte unter anderem die Themen Immobilien, Finanzierung und Strategie. Wenn man von Finanzierung und Strategie nichts hört, ist das erst einmal ein gutes Zeichen. Zu unseren Immobilienplänen hat man hingegen zuletzt vieles gehört, da haben wir mit dem Geißbockheim schöne Zwischenerfolge gelandet. Die Satellitenplätze sind politisch gewollt und beschlossen. Das Leistungszentrum wird endlich gebaut. Als Präsident bin ich aber auch für das große Ganze zuständig; schaue, dass alles in die richtige Richtung läuft.

Wie hat sich der Trainerwechsel von innen angefühlt?

Das war schon knackig, weil es nie schwarz-weiß ist. Man kriegt da durchaus mal 200 E-Mails – 100 sagen, der Trainer muss raus, 100 sagen, behaltet ihn. Interessanterweise sind die Rückmeldungen aus dem engeren Umfeld dann oft die kritischsten. Wenn die Entscheidung dann gefallen ist, sagen die Befürworter auch noch: Warum erst jetzt? Es war ja schon im Januar knapp für Lukas Kwasniok, wir haben es dann noch einmal versucht. Aber die Zweifel waren zu groß. Wir haben dann einvernehmlich entschieden, dass mit René Wagner die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, den Klassenerhalt zu schaffen. Und es hat geklappt.


Jörn Stobbe, Präsident des 1. FC Köln

Jörn Stobbe, Präsident des 1. FC Köln

Zur Person: Jörn Stobbe wurde am 14. November 1965 geboren und ist seit September 2025 der elfte Präsident des 1. FC Köln. Der Immobilienmanager, Bankkaufmann und Volljurist war CEO der Union Investment Real Estate GmbH und Gründer eines Start-ups im Bereich bezahlbarer Wohnungen. Er ist Business-Mediator und war von 2013 bis 2018 sowie 2019 bis 2021 Aufsichtsrat der FC-KGaA. Stobbe ist seit 1995 Mitglied des Vereins. Der 60-Jährige ist verheiratet und hat fünf Kinder. (red)


War es folgerichtig, auch über den Sommer hinaus mit ihm weiterzumachen?

Absolut folgerichtig und konsequent. Wir sind fest davon überzeugt, dass René Wagner genau der richtige Mann am richtigen Platz ist. Er spricht simultan Englisch und Deutsch, hat ein internationales Verständnis vom modernen Fußball, ist total erfolgsbesessen und bringt die Mannschaft zusammen. Alles, was man sich von einem Trainer wünscht.

Nur noch Mitglieder dürfen künftig Dauerkarten besitzen. Sie hatten viel Gegenwind, als Sie das Ergebnis der Mitgliederbefragung kommuniziert haben. Wie blicken Sie jetzt auf die Angelegenheit?

Wenn man eine so lange Warteliste hat und die Mitglieder ernst nimmt, liegt dieser Schritt auf der Hand. Wir hatten eine großangelegte Mitgliederbefragung durchgeführt und der Auftrag war eindeutig. Was wir aber hätten besser machen müssen, ist die Überbringung der schlechten Nachricht. Man hätte vorher informieren können, weil man es ja erklären kann. Diese überfallartige Art hat auch Leute, die das inhaltlich okay fanden, überrascht. Man muss diese Botschaft zwar deutlich formulieren, hätte es aber besser vor- und nachbereiten können.

Wie ist der Stand beim Leistungszentrum am Geißbockheim?

Wir vertrauen der Entscheidung des Stadtrates, die Satellitenplätze zu bekommen. Der Bau ohne zusätzliche Plätze ist für uns eigentlich ein Showstopper: Wir überbauen einen so hochfrequentierten Platz und gehen damit ins Risiko, bei unserem herrschenden Platzmangel am Geißbockheim sogar noch einen Platz zu verlieren. In dem Moment, in dem wir uns aber die Meinung gebildet haben, dass wir Plätze dazubekommen, haben wir entschieden: Der Bau kommt. Wir könnten theoretisch im November oder Dezember anfangen. Baulogistisch kann man überlegen, ob man den Winter abwartet, niemand will eine Baugrube im Winter. Aber spätestens im Frühjahr werden wir beginnen. Klassisch bankfinanziert, mit einem kleinen Eigenkapitalanteil – völlig solide strukturiert.

Zur Finanzierung: Gibt es Überlegungen über einen Namenssponsor für das Leistungszentrum?

Die gibt es tatsächlich – jetzt, wo feststeht, dass es kommt. Dafür ist es aber noch zu früh.

Was wird es kosten?

Es wird etwa 50 Millionen Euro kosten – aufwärts. Das ist einfach so. Es wird solide und termingerecht fertiggestellt – das ist Kompetenz, die ich mitbringe. Wir werden sicherstellen, dass das professionell gemanagt wird.

Bei der Vorbereitung auf dieses Gespräch habe ich in unserem Archiv einen Artikel vom 12. Mai 1965 gefunden. Gezeigt wird das Modell eines Stadions mit 75.000 Plätzen, Kunststoffdach, keiner Laufbahn – in Müngersdorf. Man war sich sicher: Das wird gebaut. Ein Stadion mit 75.000 Plätzen steht dort allerdings bis heute nicht.

Ihr Archiv-Artikel ist bemerkenswert. Der Punkt ist, dass ein Ausbau im ersten Moment total kompliziert klingt. Wenn Sie zehn Leute fragen, sagen Ihnen alle zehn, warum es nicht geht – Lärmschutz, Anwohner, Baumbestand, Zuwegung. Und alle haben erst einmal gute Gründe. Aber bei so einer Projektentwicklung muss man als Erstes auf den Ist-Zustand gucken: Sind wir mit unserem Stadion zufrieden? Und nein, das sind wir nicht. Wir lieben es, aber es ist ein bisschen in die Jahre gekommen. Und es ist ganz einfach zu klein. Ein Schritt wäre, frühzeitig mit den Anwohnern zu sprechen, welche Probleme sie jetzt schon haben und wie wir dabei helfen könnten, ihnen zu begegnen. Dafür muss man ins Gespräch kommen.

Über wie viele Plätze sprächen wir?

Wirtschaftlich macht es nur Sinn, wenn man nicht von 50 auf 55 oder 60.000 geht, sondern wirklich auf 75.000. Wenn man sagt, wir bauen aus, provoziert man natürlich, dass Anwohner sagen: Moment mal, es gibt doch jetzt schon Stress – und dann sollen noch 25.000 Zuschauer dazukommen? Dennoch sehen wir da Möglichkeiten.

Sie wollen das Thema also tatsächlich angehen?

Ja. Man muss die Grundlagen bearbeiten, die vielen dicken Bretter aufbohren – Einnahmenseite, Kostenseite, Statik. Es ist schon viel berechnet worden, und für mich ist nirgendwo ein Showstopper. Wenn man aber versucht, alle Bretter gleichzeitig durchzubohren, scheitert man. Man muss sie isolieren, mit den richtigen anfangen, die richtige Reihenfolge finden. Dann halte ich das für möglich. Wir haben eine Stadionkommission gegründet, berichten bis zur nächsten Mitgliederversammlung über unsere Pläne – und schauen parallel, was wir am Stadion schon jetzt verbessern können.

Wäre auch eine kleine Erweiterung der Betriebserlaubnis drin – von 50.000 auf 53.000 Plätze?

Die Betriebserlaubnis sieht im Moment 50.000 vor – das Gute ist, wir hatten aber auch schon mal eine mit 60.000. Eine Betriebserlaubnis anzupassen ist nicht einfach, weil viele Dinge geprüft werden müssen – Toiletten, Fluchtwege, Brandschutz. Aber das kann man in enger Abstimmung mit den Behörden angehen. Ich kümmere mich gern auch um kleinere Erweiterungen, wenn sie verträglich sind. 100 Plätze mehr mal 17 Heimspiele pro Saison sind 1700 Tickets mehr für Menschen, die aktuell draußen bleiben müssen. Die Stadionkapazität ist im Moment unser Hauptengpass.

Wie könnte die Finanzierung für einen großen Ausbau aussehen?

Eine Immobiliengesellschaft könnte in diesem Fall aus meiner Sicht Sinn ergeben. Da könnte man über Crowdfunding nachdenken, könnte überlegen, ob man einen Finanzierungs-Partner reinnimmt – solange er auf Vereinsebene kein Mitspracherecht hat. Eine solide, vielleicht innovative Immobilienfinanzierung, die zu Köln passt. Wenn jemand kommt und sagt, er baut uns ein Stadion, 20 Jahre Pacht à 10 Millionen – den würden wir sofort wieder wegschicken. Wir wollen den sportlichen Erfolg ja nicht dadurch schmälern, sondern fördern. Eigentümer eines modernen, solide finanzierten Stadions zu sein – das könnte der Gamechanger für den 1. FC Köln sein. Wichtig ist der Dreiklang: solide Prüfung, gute Kommunikation, Legitimation durch die Mitgliedschaft.

Wie schwer ist es, als mitgliedergeführter Verein in der Bundesliga zu bestehen?

Der 1. FC Köln hatte in den vergangenen Jahren seltener ein Einnahmeproblem als ein Ausgabeproblem. Wir sind solide, haben finanzielle Spielräume. Wir stehen für Fankultur, für Ambition im Sport und für gesellschaftspolitisches Engagement. Die Sponsorengespräche machen wirklich Spaß. Adidas haben wir gerade gewonnen. Wir werden unsere hohen sportlichen Ambitionen auch ohne Investor erfüllen können.

Kein Gespräch in diesen Tagen ohne diese Frage: Bleibt Said El Mala?

Wir würden uns riesig freuen, wenn er bleiben würde. Ich glaube, dass es für den 1. FC Köln sehr, sehr gut wäre, einen Spieler mit solch einer Qualität zu haben. Und ich glaube auch, dass das für die El-Mala-Familie – für ihn, seinen Bruder – sehr, sehr gut wäre, wenn er noch ein Jahr in Köln bliebe. Was passiert, wenn er doch geht? Dann müssen wir uns damit beschäftigen. Im Moment gehen wir davon aus, dass er bleibt.