Der von Borussia Dortmund so hartnäckig umworbene Jungstar Said El Mala wird bei der Saisoneröffnung des 1. FC Köln bejubelt.
Hype bei SaisoneröffnungFanliebe für FC-Jungstar El Mala mitten im Transfer-Poker
„Said El Mala, Said El Mala!“ – die Rufe schallten am Samstagnachmittag immer wieder über die Vorwiesen am Rhein-Energie-Stadion. Bei der offiziellen Saisoneröffnung des 1. FC Köln wurde der Jungstar von den Anhängern nahezu frenetisch gefeiert. Die Fans hoffen einfach auf den Verbleib des 19-Jährigen, um den Borussia Dortmund hartnäckig und mit Hochdruck buhlt. Der El-Mala-Hype war mitten im Transfer-Poker allgegenwärtig, so dass Stadionsprecher Michael Trippel einmal kurz konstatierte: „Es gibt auch noch andere als Said El Mala. Und hier kommt die Geschäftsführung.“ Da folgte allerdings eher höflicher Beifall.
Die Beliebtheit des Außenstürmers zeigte sich schon zuvor bei der Autogrammstunde: Die Schlange vor seinem Zelt war zeitweise mehr als 500 Meter lang. Auch bei der Vorstellung auf der Hauptbühne war El Mala der unumstrittene Publikumsliebling. Als die Fans die FC-Hymne sangen, brandeten El-Mala-Sprechchöre auf, die Trippel mehrfach unterbrachen. El Mala winkte glücklich, aber auch etwas verlegen in die Menge.
Diese öffentliche Liebe bekommt vor dem Hintergrund der Transfer-Diskussionen eine besondere Bedeutung. Der BVB buhlt hartnäckig um das Top-Talent. Doch die Fans machten zuletzt unmissverständlich klar: Sie wollen, dass El Mala bleibt.
Sportgeschäftsführer Thomas Kessler schwärmte bereits vom Senkrechtstarter: „Ganz Köln liebt den Jungen, der ganze Staff liebt den Jungen. Er fühlt sich hier super wohl. Er hat noch einen Vertrag über vier Jahre. Wir hatten das ganz viele Jahre nicht, dass ein Spieler eine solche öffentliche Aufmerksamkeit bekommt. Und wie er damit umgeht, ist toll. Er lacht den ganzen Tag und trainiert stark.“ Das Vertrauen, das Kessler und der Verein dem jungen Talent und dessen Familie, die ihn bekanntlich mittlerweile auch berät, entgegenbringen, ist bemerkenswert.
El Mala selbst möchte sich öffentlich nicht zu seiner Zukunft äußern. Im Trainingslager und bei der Saisoneröffnung wurden alle Interviewanfragen konsequent abgelehnt. Das Schweigen ist allerdings beredt. In dieser Situation und Gemengelage ist es auch nicht einfach, sich öffentlich zu positionieren. Im Trainingslager in Österreich zeigte sich, dass El Mala sich absolut fokussieren kann: Er stach mit seinen Fähigkeiten heraus – genau das, was die Verantwortlichen sehen wollen und die Fans lieben.
Bei strahlender Sonne und angenehmen 25 Grad waren am Samstag nach Vereinsangaben 40.000 von ihnen auf die Vorwiesen gekommen. Die Zeiten, als Vertragsverlängerungen mit Schlüsselspielern bekanntgegeben wurden oder die Saisoneröffnung mit hochkarätigen Testspielen verbunden war, sind längst vorbei – doch auch ohne diese Ankündigungen war es eine bunte und stimmungsvolle Veranstaltung. Der sportliche Höhepunkt waren die Vorstellung der Bundesliga-Mannschaften der Frauen und Herren durch Trippel, der die Spielerinnen und Spieler einzeln zu den Fans brachte. Danach folgte das gemeinsame Singen der FC-Hymne. Die Veranstaltung bot den Anhängern fast sieben Stunden lang ein buntes Programm: Präsentationen von FC-Partnern und Vereinsabteilungen, Musik von Druckluft, Eko Fresh, Planschemalöör oder den Auftritt des Kölner Männerchors Grüngürtelrosen.
Trainer René Wagner genoss die Atmosphäre sichtlich: „Es ist immer wieder schön, wie viele Leute aus Köln zu so einem Event kommen. Es ist auch cool für die Fans, die Spieler mal ein bisschen hautnah zu sehen, Autogramme zu sammeln. Natürlich war da eine brutale Schlange bei Said, aber ich hoffe, dass jeder ein Autogramm bekommen hat.“ Auf die Frage nach seinem Auftritt auf der Bühne, dem ersten in der Funktion des Cheftrainers beim FC, antwortete Wagner mit einem Schmunzeln: „Ich bin jetzt keiner, der unfassbar gerne sich da vorschreitet, aber es gehört dazu zum Job. Ich mache das gerne.“
Ganz Köln liebt den Jungen. Wie Said mit der Aufmerksamkeit umgeht, ist toll. Er lacht den ganzen Tag und trainiert stark.
Thomas Kessler ist da als FC-Urgestein etwas routinierter, doch auch der Sport-Geschäftsführer schwärmte: „Ich muss immer wieder sagen, ich erwische mich dabei jedes Jahr denke ich, ich habe schon alles erlebt. Ich weiß, was den Menschen dieser Klub bedeutet.“ Der Sportchef betonte die gemeinsame Mission: „Wir wollen diesen Klub jeden Tag ein Stück nach vorne bringen. Manchmal brauchen wir ein bisschen Geduld, und manchmal müssen wir auch leiden, aber das sind wir Kölschen auch gewohnt. Aber ich kann auch versprechen, wir werden alles dafür tun, um den Klub weiter nach vorne zu bringen.“
Der nächste Höhepunkt kommt schon am kommenden Samstag (15.30 Uhr) in Müngersdorf, dann ist es ein sportlicher: Der FC empfängt den spanischen Erstligisten Real Sociedad San Sebastian zum Testspiel. „Wir wollen bis dahin in der kommenden Woche natürlich noch ein paar Sachen erarbeiten.“ Der Coach freute sich aber erst einmal auf den freien Sonntag, bevor er am Montagnachmittag zur nächsten Einheit dann wieder am Geißbockheim bittet: „Ich werde es genießen, werde versuchen so wenig wie möglich an Fußball zu denken, auch obwohl das schwer ist. Aber ich freue mich darauf, mit meiner Frau Zeit zu verbringen, ein bisschen zu entspannen und am Montag wieder Gas zu geben.“

Rund 40.000 Fans kamen zur Saisoneröffnung des 1. FC Köln bei herrlichem Wetter.
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Erst am Freitagabend war sein Team aus Österreich zurückgekehrt. Nach zwei Jahren in der Steiermark mit problematischen Platzverhältnissen fanden die Geißböcke im Trainingslager in Kitzbühel und St. Johann endlich absolute Top-Bedingungen vor.
Sportchef Kessler hatte bereits in Österreich ein positives Fazit gezogen: „Wir haben bewusst einen anderen Standort gewählt und sind sehr zufrieden. Wir konnten hier sehr konzentriert arbeiten.“ Das Trainingsniveau sei sehr gut und ambitioniert gewesen. „Einige Jungs sind schon in guter Frühform“, sagte Kessler. Zur Kaderplanung ergänzte er: „Wir haben absolutes die Mannschaft einfach noch ein Stück weit zu verbessern und das wird in den nächsten Wochen bestimmt noch was sein.“
Ich glaube, ihr könnt euch alle auf eine geile Saison freuen!
Auch Wagner war nach dem abschließenden 2:2 im Testspiel gegen Hertha BSC über 120 Minuten mit den Tagen in Tirol zufrieden: „Viele, viele Spieler haben Vollgas gegeben. Wir sind mit dem Camp sehr, sehr zufrieden.“ Besonders wichtig war Wagner die menschliche Komponente und der Zusammenhalt. Die Charaktere seien zusammengebracht worden, die Neuzugänge gut integriert. „Wir haben mittlerweile viele laute Stimmen auf dem Feld“, sagte Wagner als Zeichen gelungener Selbstorganisation.
Doch auf ihn, die Mannschaft und die sportlichen Verantwortlichen wartet bis zum Pflichtspiel-Auftakt im Pokal in Würzburg (24. August) noch einiges an Arbeit. Vier, vielleicht sogar fünf Neuzugänge benötigt der Kader sicherlich noch, um das zu erreichen, was Torhüter und Kapitän Marvin Schwäbe am Samstag auf der Bühne den Fans fast schon versprach: „Ich glaube, ihr könnt euch alle auf eine geile Saison freuen!“ Vor allem aus Fansicht am liebsten eine mit Said El Mala.
Mein Punkt
Man muss sich keinen Illusionen hingeben: Die Entscheidung über Said El Malas Zukunft hängt in erster Linie von sportlicher Perspektive, Verdienstmöglichkeiten und der Ablöse ab – der FC ruft mindestens 50 Millionen Euro auf. Doch die vergangenen Tage dürften dennoch nicht spurlos an El Mala vorbeigegangen sein. Diese Fanliebe, dieser emotionale Ausnahmezustand dürften etwas mit dem 19-Jährigen machen. Die Fans hoffen, dass sie vielleicht doch zum Zünglein an der Waage werden. (Lars Werner)

