FC-Torschütze Maina spricht von Abstimmungsproblemen, Trainer Wagner will indes mehr Eigenverantwortung. El Mala kommt überraschend spät.
Unterschiedliche PhasenWenn dem 1. FC Köln die Antworten fehlen

Der FC um Ellyes Skhiri (l.) und Linton Maina verlor nach überzeugender erster Halbzeit gegen Bremen nach der Pause den Faden.
Copyright: Herbert Bucco
So vieles war angerichtet für einen launigen, berauschenden Samstagabend in Müngersdorf. Der Sommer zeigte vielleicht sein letztes Aufbäumen, die Brasspop-Band Querbeat sorgte vor dem Anpfiff der Partie gegen Werder Bremen für gute Laune, und die leidenschaftlichen Fans des 1. FC Köln muss man ohnehin nicht extra auffordern, für Stimmung zu sorgen.
Als der Ball dann rollte, zog ihre Mannschaft sofort nach, machte Dampf und Druck. Pure Energie auf den Rängen und auf dem Rasen, erst recht nach der frühen Führung durch Linton Maina (11.). Der FC ließ nicht nach, stellte Werder vor Probleme, der hoffnungsvolle Neuzugang Mikey Moore war kaum zu bremsen. Der süße Duft des Sieges wehte bereits durch das Rhein-Energie-Stadion, das endlich einmal zu einer Festung werden soll.
Doch beim Abpfiff knapp anderthalb Stunden später war die Stimmungslage eine andere. Aus dem Wohlfühlort der ersten Halbzeit war nach dem Wechsel phasenweise ein schwieriger Arbeitsplatz geworden. Der FC hatte eine Führung verspielt, sich weit zurückgezogen und Werder damit zurück ins Spiel gebracht. Das 1:1 durch Niclas Füllkrug (69.) war die Folge. Für den Kölner Torschützen Linton Maina fühlte sich das Unentschieden nicht wie ein Punktgewinn an.
Die Sachen, die nicht gut waren, waren kommunikativ, dass keiner so richtig wusste, was jetzt zu tun ist. Jeder war mit sich selbst beschäftigt.
„Jeder war mit sich selbst beschäftigt und wusste nicht genau, was der Grund dafür oder der Fehler ist. Der Punkt ist zu wenig. Das fühlt sich jetzt wie eine Niederlage an“, sagte der sichtlich enttäuschte Maina. Tom Krauß sprach wenig später von einem „absolut verdienten Punkt für Werder Bremen“. Mainas Worte beschrieben nicht nur den Frust über den verpassten Heimsieg. Der 26-Jährige sprach auch einen Aspekt an, der für den FC in der zweiten Halbzeit wichtig wurde: In der schwierigen Phase fehlten offenbar Orientierung, klare Absprachen und Führung auf dem Platz.
Dabei hatte Köln vor 50.000 Zuschauern zunächst die Partie im Griff. Nach einem verschossenen Handelfmeter von Startelf-Debütant Thijs Dallinga (8.) traf Maina drei Minuten später zum 1:0. Der FC blieb am Drücker, Mikey Moore sorgte mit seinen Dribblings und seinem Mut für Unruhe. Doch schon gegen Ende der ersten Halbzeit wurde Köln passiver. Nach dem Wechsel setzte die Mannschaft noch stärker auf das Verwalten der Führung und verlor dabei zunehmend den Zugriff auf das Spiel. „Irgendwie haben wir den Faden verloren“, sagte Maina. „Wir haben abgewartet, sind vielleicht zu tief angelaufen, hatten Abstimmungsfehler – da kam einiges zusammen, so dass wir gar nicht mehr gut ins Spiel gefunden haben.“ Die Entwicklung hatte sich angedeutet und war in der Kabine offenbar sogar angesprochen worden. „Eigentlich haben wir es dort thematisiert“, berichtete Maina. Ratlos klang seine Analyse der Kommunikation: „Die Sachen, die nicht gut waren, waren kommunikativ, dass keiner so richtig wusste, was jetzt zu tun ist. Da müssen wir es schaffen, dass es nicht so dahinplätschert.“
Trotzdem fand der FC zunächst keine ausreichende Antwort auf den Bremer Druck. Nach einer Ecke nutzte Füllkrug in der 69. Minute den Freiraum zum Ausgleich. Rund zehn Minuten zuvor hatten die Kölner noch Glück gehabt, dass Dinkçis Schuss an die Latte klatschte. Der FC hatte Werder durch seine Passivität zurück ins Spiel kommen lassen. Trainer René Wagner benannte einen ähnlichen Punkt. „Ich bin enttäuscht, dass wir den Mut verloren haben, mit dem Ball auch noch weiter zu attackieren“, sagte er. Zugleich sprach Wagner von einem „gerechten Unentschieden“ und sah den Punktgewinn positiver als Teile seiner Mannschaft: „Für mich ist heute wichtig, dass wir einen Punkt geholt haben gegen eine Mannschaft, die sich bei uns so ungefähr in der gleichen Zielregion bewegt. Das ist wichtig, solche Spiele nicht zu verlieren.“
Der Coach verwies zudem darauf, dass der FC mit fünf Sommerneuzugängen in der Startelf noch am Anfang stehe. „Daran arbeiten wir jeden Tag, dass wir die Truppe zusammenschweißen“, sagte Wagner. Vier Punkte nach drei Spielen und ein weiterhin ungeschlagenes Heimstadion seien wichtige Zwischenstände. Mainas Aussagen lassen sich mit den fehlenden Automatismen einer neu zusammengestellten Mannschaft erklären. Zugleich zeigen sie, woran der FC arbeiten muss. Eine Mannschaft braucht auch in schwierigen Phasen klare Absprachen und muss handlungsfähig bleiben, wenn der Gegner den Druck erhöht. Wagner sieht dabei auch die Spieler in der Verantwortung.
1. FC Köln: El Mala kommt überraschend spät ins Spiel – Wagner begründet es
„Ein Gegner stellt sich ein, hat andere Ideen. Es wird nicht immer funktionieren, dass wir vorher sagen, was passiert“, sagte der Trainer. Vor 50.000 Zuschauern könne die Bank nicht jede einzelne Aktion vorgeben. Deshalb müsse die Mannschaft in der Lage sein, selbst Lösungen zu finden. „Es ist nicht immer alles wie am Reißbrett oder an der Taktiktafel zu lösen – die Jungs müssen es schaffen, in Phasen, in denen es mal nicht für sie läuft, Führung zu übernehmen.“ Wagner verlangt von seinen Spielern, während des Spiels selbstständig Entscheidungen zu treffen. Mainas Aussagen deuten darauf hin, dass dies in bestimmten Phasen noch nicht zuverlässig gelingt. In der zweiten Halbzeit fehlte es nicht nur an fußballerischer Durchschlagskraft, sondern auch an einer gemeinsamen Reaktion auf den Bremer Druck. Maina nahm sich und seine Kollegen deshalb ausdrücklich in die Pflicht. Es gehe nicht darum, sich gegenseitig anzuschreien. Aber die Mannschaft dürfe nicht einfach abwarten, „dass es so dahinplätschert“ und irgendwann ein Gegentor fällt. Seine Worte waren damit auch ein Hinweis auf einen Entwicklungsbereich des FC: In kritischen Spielphasen muss die Mannschaft klarer kommunizieren und gemeinsam Lösungen finden.
Jungstar Said El Mala kam erst in der 74. Minute ins Spiel – nach dem Ausgleich. Eine Antwort auf das 1:1 konnte auch der DFB-Kandidat nicht mehr geben. Wagner begründete die späte Einwechslung jedoch nicht mit fehlender Fitness des zuvor einige Tage erkrankten Kölners: „Das Spiel hat es nicht hergegeben, Said ein bisschen eher zu bringen. Wir wollten anders wechseln, hatten eine andere Idee. Deswegen hat es für Said für die gut 20 Minuten gereicht.“ Auf das Zusammenspiel von El Mala und Mikey Moore müssen die FC-Fans damit weiter warten. Gegen Bremen wurde der eine Youngster für den anderen eingewechselt. „Die Kombination werden wir noch oft genug sehen – darauf freuen wir uns alle“, sagte Wagner. Im Idealfall steht das hoffnungsvolle Duo am kommenden Samstag (15.30 Uhr) in Hamburg erstmals gemeinsam auf dem Platz. Dann wartet beim HSV der nächste Gegner aus der direkten Konkurrenz. Dort wird sich zeigen, ob der FC aus dem verspielten Heimsieg die richtigen Schlüsse zieht. Die Mannschaft besitzt Qualität und Potenzial. Sie muss aber lernen, auch dann gemeinsam Lösungen zu finden, wenn das Spiel nicht mehr nach Plan läuft.

