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1. FC Köln vor HerthaBaumgart will mit einem Sieg in die Pause gehen

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Steffen Baumgart steht im Pressesaal des Rhein-Energie-Stadions vor einem Bild der vollbesetzten Ränge. Der FC-Trainer trägt eine weiße Trainingsjacke und Kappe und schaut etwas morgenmuffelig.

Steffen Baumgart am Freitagmorgen auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die Hertha im Rhein-Energie-Stadion

Nach 41 Partien seit Januar reist der 1. FC Köln zum letzten Pflichtspiel des Jahres nach Berlin und trifft dort am Samstag auf Hertha BSC. 

Ein letztes Mal in diesem Kalenderjahr reist der 1. FC Köln an diesem Samstag zu einem Pflichtspiel, insgesamt 41 Partien haben die Kölner seit Januar absolviert. Es war ein außergewöhnliches Jahr für Steffen Baumgarts Mannschaft, besonders die Hinrunde seit diesem Sommer mit den zusätzlichen Belastungen durch das internationale Geschäft haben Trainer und Mannschaft viel abverlangt.

Nach der Terminhatz der ersten Saisonhälfte tut sich nach der Partie am Samstag bei Hertha BSC in Berlin (15.30 Uhr/Sky) jedoch eine 70 Tage lange Pause auf. Erst am 21. Januar empfängt Köln Aufsteiger Werder Bremen zum Heimspiel des 16. Spieltags, womöglich dann mit dem Weltmeister Niclas „Lücke“ Füllkrug.

Kritik an der Fifa und der Winter-WM

Steffen Baumgart gilt als großer Kritiker der Kräfte, die den Fußball organisieren und dem Sport nun eine Winter-WM eingebrockt haben, die den internationalen Spielplan erschüttert. „Wir haben ein Halbjahr erlebt, wie nie zuvor. Es gibt schon grundsätzlich keine Ruhephasen mehr. Und dann hat man jetzt plötzlich eine Pause, die künstlich herbeigeführt wird. Das passiert, wenn Leute aus dem Büro entscheiden, die gar kein Gefühl mehr dafür haben, was wir hier eigentlich machen“, beschreibt der Kölner Trainer.

Für Baumgart wird es primär darum gehen, eine Mannschaft 70 Tage lang ohne Pflichtspiele so zu beschäftigen, dass sie einerseits nicht in Langeweile verfällt und jede Fitness verliert. Andererseits kann ein Profiteam nicht 70 Tage lang so tun, als bereite man sich ständig auf den Ernstfall vor. „Für uns stellt sich die Frage, wie wir die Balance herstellen zwischen Belastung und Ruhephase“, sagt Baumgart.

Baumgart fühlt mit den Teams, die viele Stars beschäftigen

Allerdings blickt der 50-Jährige auch auf die Klubs, die mehr WM-Fahrer abstellen als ein Bundesligist wie Köln. Besonders die englische Premier League mit ihren Stars wird schon am zweiten Weihnachtstag ihren traditionsreichen und weltweit vermarkteten Boxing Day abhalten – acht Tage nach dem WM-Finale. „Andere sind noch schlimmer dran. Daran sieht man, dass der Sport in den Hintergrund geraten ist“, befindet Baumgart.

Die Kölner werden am kommenden Mittwoch auf eine USA-Reise aufbrechen, wo sie am 19. November in Austin/Texas auf den VfB Stuttgart treffen. Die Tournee soll auch den Mannschaftsgeist fördern; die Kölner werden zwar Trainings abhalten, um in Form zu sein für den Test gegen Stuttgart. Aber es wird auch Zeit für gemeinsame Unternehmungen geben, unter anderem wird sich die Mannschaft im NRG Stadium von Houston das Footballspiel der Texans gegen Washington anschauen und der Nasa einen Besuch abstatten.

Steffen Baumgart in schwarzer Trainingsjacke spricht auf dem Platz mit Kingsley Schindler, der die Arme in die Hüfte gestemmt hat und ein rotes Trainingsshirt mit langen Ärmeln trägt.

FC-Trainer Steffen Baumgart plaudert mit Rechtsverteidiger Kingsley Schindler, der für Benno Schmitz spielen wird.

Die Pause ist lang, und mit einem ordentlichen Abstand auf die gefährliche Zone der Tabelle ließe es sich deutlich entspannter pausieren. Noch beträgt der Vorsprung auf Hertha BSC sechs Punkte, bei einem Sieg am Samstag wären es neun – im Falle einer Niederlage nur noch drei. Baumgart traut Berlin mehr zu als den Relegationsplatz. „Ich halte sie für viel stärker. Wir müssen aufpassen“, warnt er.

Timo Hübers nahm am Freitagvormittag zwar am Training teil, ob der Abwehrchef nach seiner Oberschenkelprellung auflaufen kann, wird sich kurzfristig entscheiden. Eine Option für die Startelf wird Hübers wohl so oder so noch nicht sein. Bei Benno Schmitz, der nach einem Tritt auf das Sprunggelenk im Spiel gegen Leverkusen (1:2) ausgewechselt werden musste, ist die Lage „unverändert“, wie Baumgart beschrieb. Offenbar sind die Sorgen um den Rechtsverteidiger groß, Kingsley Schindler dürfte beginnen. Grundsätzlich sorgte den Trainer die Personalie aber nicht. „Ich sehe keinen Unterschied, ob Benno Schmitz spielt oder Kingsley Schindler. Es sind unterschiedliche Spieler, aber ich kann mich auf beide verlassen.“

An den Leistungen der Kölner gab es in dieser Hinserie nicht viel auszusetzen, entsprechend groß ist Baumgarts Vertrauen in seine Mannschaft – besonders nach der bemerkenswert geführten, aber unglücklich verlorenen Partie am Mittwoch gegen Bayer 04 Leverkusen. „Ich sehe uns in der Lage, in Berlin ein gutes Spiel zu zeigen und mit Punkten nach Hause zu fahren. Wir stehen mit 17 Punkten nicht so schlecht da. Aber aus meiner Sicht haben wir schon zu viel liegenlassen. Statt im oberen, was möglich gewesen wäre, halten wir uns im unteren Tabellendrittel auf. Wir wollen weiter stabil bleiben, deswegen wäre ein Sieg in Berlin wichtig“, sagt Baumgart: „Aber wenn die Mannschaft weiter so auftritt, wird es nicht auf dieses Spiel ankommen. Dann wird es auch wieder erfolgreicher werden – nicht nur von der Optik, sondern auch von den Ergebnissen her.“

Hertha: Christensen – Kenny, Rogel, Kempf, Plattenhardt – Tousart, Serdar – Richter, Boetius – Lukebakio, Selke; 1. FC Köln: Schwäbe – Schindler, Kilian, Chabot, Hector – Skhiri, Martel – Maina, Duda, Kainz – Tigges.