Das furiose 5:0 im Pokal hat die Stimmung um den 1. FC Köln spürbar beruhigt, doch Trainer René Wagner verweigert sich nach dem Befreiungsschlag jeglicher Triumphgeste. Während das Umfeld aufatmet, blickt der Kölner Coach betont sachlich auf den Kantersieg und richtet den Fokus umgehend auf die verbliebenen Baustellen im eigenen Spiel. In der mannschaftsinternen Videoanalyse sparte das Trainerteam die wackligen Phasen der Partie keineswegs aus, um jeden Anflug von Selbstzufriedenheit im Keim zu ersticken.
Vor allem die defensive Nachlässigkeit vor dem Führungstreffer, als die Berliner zu einem gefährlichen Kopfball kamen, diente am Geißbockheim als mahnendes Beispiel. Wagner betont, dass die tägliche Trainingsarbeit trotz des medialen Rauschs unverändert bleibt und der Glaube an den eigenen Prozess die junge Mannschaft stabilisieren muss. Der Trainer erklärt seine Philosophie nach dem Einzug in die nächste Runde deutlich: „Was heißt erden? Also so, wie wir uns auch öffentlich zu präsentieren versuchen, haben wir das natürlich auch der Mannschaft gezeigt. Ich glaube nicht, dass in dem Spiel jede Phase gut war, sondern es gab genauso Momente, wo wir das besser machen müssen. Das haben wir der Mannschaft klar und deutlich gezeigt, dass in dem Spiel Momente entscheiden können“, erklärte Wagner.
Etwa eine Aktion, als Köln sich beim Stand von 0:0 beinahe einen weiteren Gegentreffer nach einem Standard eingefangen hätte. „Der Eckball, wo es dann zum freien Kopfball kommt, kann natürlich das Spiel verändern, dass wir dann vier Minuten später selbst das 1:0 machen, dass wir auch mit einem guten Gegenpressing-Moment Tore machen, was natürlich auch immer ein bisschen mit Willen zu tun hat, da durchzulaufen, diese Situation zu erzwingen. Und genauso müssen wir jetzt bei Union Berlin auftreten.“
Dass fünf Tore fielen, sei für das Selbstvertrauen zwar hervorragend, für den Bundesliga-Alltag aber kein verlässlicher Maßstab. Wagner blickt differenziert auf die emotionale Achterbahnfahrt der vergangenen Tage zurück: „Ich habe mich gefreut, dass die Jungs sich belohnt haben, weil am Ende wissen wir, was wir jeden Tag hier machen, wir wissen, welche Arbeit wir verrichten."
Wir sind bei unseren Wegen geblieben, und natürlich freue ich mich ungemein, wenn die Spieler sich in diesen Situationen belohnen
Grundsätzlich verändert habe man nichts. „Die Arbeit vor Schalke war keine andere als jetzt vor Union, da hatten wir auch viel zu wenig Zeit. Das heißt, wir sind bei unseren Wegen geblieben, und natürlich freue ich mich ungemein, wenn die Spieler sich in diesen Situationen belohnen. Nur ist Fußball leider kein Wunschkonzert. Das wird nicht immer so funktionieren. Das Allerwichtigste ist, dass die Jungs daran geglaubt haben, dass wir Tore machen können. Wir haben nichts Verrücktes gemacht, nichts riesig verändert. Wir haben an Details gearbeitet, weil uns das am Ende gefehlt hat.“ (red)
