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Acht Jahre, zwölf Trainer-WechselVon Rettern und Gescheiterten des 1. FC Köln

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Sport Themen der Woche KW45 Sport Bilder des Tages 1.FC Köln Training Trainer Achim Beierlorzer 1.FC Köln 04.11.2019 *** Sport 1 FC Cologne Training Coach Achim Beierlorzer 1 FC Cologne 04 11 2019

Durfte auch mal den 1. FC Köln trainieren: Achim Beierlorzer

Acht Jahre, elf verschiedene Trainer, zwölf Wechsel: Auf dem wichtigsten Posten beim FC herrscht seit geraumer Zeit keine Kontinuität mehr. Ein Rückblick

Fluktuation statt Kontinuität: René Wagner, bisher Co-Trainer, soll den 1. FC Köln vor dem Abstieg aus der Bundesliga retten. Lukas Kwasniok war als langfristige Lösung vorgesehen, ist nach nur neun Monaten und zuletzt zwei Siegen aus 18 Bundesliga-Spielen bereits wieder Geschichte. „Konstanz ist das, was sich jeder Klub wünscht“, sagte Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler – und räumte offen ein, mit der erneuten Trennung nicht zufrieden zu sein. Auch wenn sie aus Sicht der Verantwortlichen am Ende alternativlos war.

Wagner ist seit dem Ende der Ära Peter Stöger bereits der elfte Cheftrainer des Klubs und der zwölfte Wechsel auf der Bank in nicht einmal achteinhalb Jahren, eine beeindruckende Zahl, aber eine wenig erfreuliche und erstrebenswerte Bilanz.

Nach viereinhalb Jahren im Amt war für Stöger am 3. Dezember 2017 Schluss. Der Österreicher hatte den FC im Mai 2017 erstmals seit 25 Jahren wieder in den Europapokal geführt und dabei eine Mannschaft geformt, die über Jahre hinweg Stabilität und Kontinuität ausstrahlte.

Danach folgten jedoch zahlreiche Probleme: Kaderfehlplanungen trotz Doppelbelastung, der Abgang von Torjäger Anthony Modeste, der fast 30 Millionen Euro Ablöse in die Kasse spülte, und langwierige Ausfälle von Jhon Córdoba und Serhou Guirassy belasteten die Mannschaft erheblich. Vieles hatte zu tun mit der Chemie zwischen Stöger und Sportchef Jörg Schmadtke, beide seit 2013 im Amt, die spätestens seit Sommer 2017 nicht mehr dieselbe war. Im Verlauf der Hinrunde hatten sich beide nicht mehr viel zu sagen. Hinzu kam enormes Verletzungspech, das die schwierige Lage verschärfte.

Aufgrund seiner Verdienste hielt der Verein lange an ihm fest, doch nach nur drei Punkten aus 14 Bundesliga-Spielen musste Stöger gehen. Schmadtke hatte den FC bereits im Oktober verlassen.

Es waren einschneidende Ereignisse, eine Zäsur für den Klub, der danach immer wieder Trainerwechsel erlebte. Einzig Steffen Baumgart hielt sich länger – knapp zweieinhalb Jahre. Ein Rückblick auf Retter und Gescheiterte.

Stefan Ruthenbeck (Amtszeit Dezember 2017 bis Juni 2018, 22 Pflichtspiele, Punkteschnitt 0,86): Der bisherige Kölner U19-Trainer Ruthenbeck übernahm das Amt als Interimstrainer, stabilisierte das verletzungsbedingt stark dezimierte Team und gewann Rückhalt bei den Fans. Trotz sichtbarer Verbesserungen war die Hypothek aus der Hinrunde zu groß. Der Abstieg war nur eine Frage der Zeit und ließ sich nicht mehr verhindern. Ruthenbeck hatte keine wirkliche Chance, konnte die Entwicklung nur begrenzt beeinflussen. Es war eine prägende Erfahrung für den in Köln sehr angesehenen Trainer, die ihn bis heute begleitet. Trotz mehrerer Angebote drängt es Ruthenbeck vielleicht aufgrund dieser Erfahrungen nicht wieder auf die ganz große Bühne des Profifußballs.

Markus Anfang (Juli 2018 bis April 2019, 33 Spiele, 1,88): Nach dem Abstieg führte der gebürtige Kölner Anfang, der nie für den FC gespielt hatte, die Mannschaft zu Beginn sportlich erfolgreich zurück an die Spitze der 2. Bundesliga. Dennoch wuchs intern Kritik an der Spielweise, die als zu statisch und leicht ausrechenbar galt. Viele knappe Ergebnisse trotz des starken Kaders weckten Zweifel bei Sport-Geschäftsführer Armin Veh, ob Anfang ein Bundesliga-Team dauerhaft entwickeln könne. Die Vereinsführung zog daher kurz vor Saisonende die Reißleine. Die Punktzahl zum Zeitpunkt des Anfang-Rauswurfs hätte rückblickend zum Aufstieg gereicht.

André Pawlak (April bis Juni 2019, 3 Spiele, 1,33): Assistent Pawlak übernahm als interne Lösung, um den Aufstieg zu sichern. Mit einem 4:0 in Fürth am 32. Spieltag erfüllte er seinen Auftrag. Pawlak brachte Ruhe und Erfahrung in die Mannschaft und sorgte dafür, dass die Bundesliga-Rückkehr ohne größere Turbulenzen vollendet werden konnte. Der langjährige Kölner Co-Trainer und heutige DFB-Nachwuchscoach hatte am Geißbockheim einen sehr guten Draht zu den Spielern, war aber vor allem von Veh von Anfang an nur als Übergangslösung gedacht.

Achim Beierlorzer (Juli bis November 2019, 13 Spiele, 0,77): Der Neue kam aus Regensburg, doch der Start als Aufsteiger verlief schwach. Das Team zeigte defensive Instabilität, kaum klare Spielideen und schied in der zweiten Pokalrunde in Saarbrücken aus. Nach der Heimniederlage gegen Hoffenheim reagierte der Verein früh, auch Sportchef Armin Veh trat zurück. Beierlorzer konnte den Abstiegskampf nicht positiv gestalten und verließ den Klub nach nur wenigen Monaten. Manche FC-Fans dürfte sich kaum noch daran erinnern, dass der Gymnasiallehrer aus Erlangen überhaupt mal am Geißbockheim tätig war.

Trainer Markus Gisdol zeigend, gestikulierend / Aktion / Oberkoerper Oberkörper / / Fußball Fussball / DFL erste 1.Bundesliga Herren / Saison 2020/2021 / 03.04.2021 / VfL Wolfsburg WOB vs. 1.FC Köln / Geisterspiel wegen Corona / DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. / *** Coach Markus Gisdol pointing, gesticulating action upper body upper body sports football soccer DFL first 1 Bundesliga men season 2020 2021 03 04 2021 VfL Wolfsburg WOB vs 1 FC Köln Geisterspiel due to Corona DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video

Markus Gisdol im April 2021 beim FC-Spiel in Wolfsburg

Markus Gisdol (November 2019 bis April 2021, 54 Spiele, 1,07): Veh-Nachfolger Horst Heldt hatte den erfahrenen Coach verpflichtet, der zuvor fast zwei Jahre ohne Job war. Zunächst stabilisierte Gisdol den FC, der im Januar 2020 das Ausnahmetalent Florian Wirtz praktisch zum Nulltarif an Bayer 04 Leverkusen verlor – was vor allem Veh zu verantworten hatte. Später folgte eine lange Negativserie. Das Team präsentierte sich offensivschwach, Gisdol nahm kaum taktische Anpassungen vor. Der FC geriet im Frühjahr 2021 in direkte Abstiegsgefahr. Gisdol, der das Pech hatte, dass er überwiegend während der Corona-Pandemie und somit ohne Fan-Unterstützung Kölner Trainer war, musste gehen.

Friedhelm Funkel (April bis Juni 2021, acht Spiele, 1,63): Als klassischer Feuerwehrmann verpflichtet, gelang es der Bundesliga-Legende mit ihrer ruhigen und pragmatischen Art, das Team defensiv zu ordnen und mental zu stärken. Der FC rettete sich über die Relegation gegen Kiel. Die Zusammenarbeit war jedoch von Beginn an nur bis Saisonende ausgelegt, da Funkel nicht als langfristiger Aufbau-Trainer eingeplant war.

Berlin, 12.11.22, Fussball, Bundesliga, 15. Spieltag, Hertha BSC - 1. FC Koeln, Olympiastadion. Trainer Steffen Baumgart von FC Koeln auf dem Weg zur Trainerbank. DFL regulations and DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video, Foto: Andreas Gora Hertha BSC - 1. FC Koeln *** Berlin, 12 11 22, Football, Bundesliga, 15 Matchday, Hertha BSC 1 FC Koeln, Olympiastadion Coach Steffen Baumgart of FC Koeln on his way to the bench DFL regulations and DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video, Foto Andreas Gora Hertha BSC 1 FC Koeln

Der einzige Trainer, der nach der Ära Stöger länger blieb: Steffen Baumgart war knapp zweieinhalb Jahre beim FC im Amt.

Steffen Baumgart (Juli 2021 bis Dezember 2023, 98 Spiele, 1,27): Der aus Paderborn geholte Ex-Stürmer ging davon aus, dass er mit Heldt zusammenarbeiten würde. Doch den früheren FC-Profi hatte der Vorstand nur einen Tag nach der erfolgreichen Relegation vor die Tür gesetzt. Baumgart formte die Mannschaft schnell zu einem intensiven, laufstarken Team mit klarer Spielidee. Mit hohem Pressing und starker Mentalität führte der Coach, der mit seiner Art in Köln lange gut ankam, den FC überraschend in die europäischen Wettbewerbe und etablierte den Verein im gesicherten Tabellenmittelfeld – trotz begrenzter finanzieller Mittel.

In der Folge stieß dieses System jedoch an Grenzen. Der Kader wurde im Sommer 2023 von Sport-Geschäftsführer Christian Keller (zuvor Regensburg), der im April 2022 als Nachfolger für Interims-Sportchef Jörg Jakobs kam und insbesondere als Klub-Sanierer auftrat, nicht in dem Maße verstärkt, wie es vor der drohenden Transfersperre hätte sein müssen. Es traten Offensivprobleme auf, zudem fehlten taktische Alternativen. Eine längere Sieglosserie erhöhte den Druck. Baumgart und Keller fanden nie zueinander. Gegen Ende wirkte der Coach ausgebrannt ob der Situation. Es kam zur Trennung.

Timo Schultz (Januar 2024 bis Mai 2024, 18 Spiele, 0,94): Keller zauberte anschließend den früheren St.-Pauli-Profi und -Trainer überraschend aus dem Hut. Beim Amtsantritt von Schultz steckte der 1. FC Köln bereits in Schwierigkeiten: Der Kader bot durch die Transfersperre kaum Entwicklungsspielraum und personelle Alternativen fehlten. Der Coach sollte vor allem neue Impulse in der Offensive setzen. Trotz einiger struktureller Anpassungen gelang Schultz das nicht. Die Kölner blieben harmlos. Zwar stabilisierte der Trainer die Mannschaft phasenweise, doch entscheidende Siege blieben aus. Nach dem Abstieg entschied sich der Verein gegen eine weitere Zusammenarbeit, da das Vertrauen in einen erfolgreichen Neuaufbau in der 2. Bundesliga fehlte.

Gerhard Struber (Juli 2024 bis Mai 2025, 36 Spiele, 1,78): Kellers Wunschtrainer (zuvor Salzburg) übernahm den FC nach dem Abstieg mit dem klaren Auftrag, den Wiederaufbau einzuleiten und den Verein möglichst schnell in Richtung Bundesliga zu führen. Sein Ansatz war geprägt von intensivem Pressing, hohem Tempo und der Entwicklung junger Spieler. Phasenweise zeigte die Mannschaft ansprechende Leistungen und hielt Anschluss nach oben. Allerdings traten im Saisonverlauf zunehmend Probleme auf. Der Spielstil war intern nicht unumstritten. Es kam zu Leistungsschwankungen, zudem entstand Unruhe im Umfeld. Ein Wendepunkt war das 1:1 am 32. Spieltag gegen die bereits abgestiegenen Regensburger, nach dem die Stimmung deutlich kippte. Die Vereinsführung drängte auf eine Trennung von Struber. Als Geschäftsführer Keller der nicht zustimmte, musste auch der höchst umstrittene Sportchef nach drei Jahren im Amt gehen.

13.04.2021 , Köln Koeln , Friedhelm Funkel neuer Trainer des Bundesligisten 1. FC Köln nach der Entlassung von Thomas Gisdol. Friedhelm funkel leitet sein erstes Training am Geisbockheim an der Franz-Kremer-Allee 1-3. *** 13 04 2021 , Köln Koeln , Friedhelm Funkel new coach of Bundesliga team 1 FC Köln following the sacking of Thomas Gisdol Friedhelm funkel conducts his first training session at the Geisbockheim on Franz Kremer Allee 1 3

Rettete die Kölner in der Saison-Endphase gleich zwei Mal: Altmeister Friedhelm Funkel hielt den FC 2021 erst in der Bundesliga, 2025 stieg er mit dem Team auf.

Friedhelm Funkel (Mai 2025 bis Juni 2025, zwei Spiele, 3,00): Funkel kehrte nach einem Treffen mit Sportdirektor Thomas Kessler erneut in einer Krisensituation zurück. Wie schon 2021 lag der Fokus auf Erfahrung, klarer Ansprache, Struktur und defensiver Ordnung, um die Mannschaft schnell zu stabilisieren. Das gelang mit zwei Siegen bestens. Funkel bereitete der Job beim FC Freude, der Veteran wollte bleiben, doch die Verantwortlichen um Sportdirektor Kessler präferierten eine andere Lösung, endlich sollte eine langfristige her. Doch mit dem folgenden Trainer ging der Kölner Plan bekanntlich nicht auf...

Lukas Kwasniok (Juli 2025 bis März 2026, 29 Spiele, 1,00): Der 44-Jährige, zuvor in Paderborn, Saarbrücken und Jena tätig, war der erste Trainer-Schuss des später zum Sport-Geschäftsführer beförderten Kessler. Die Wahl war eine Chance, denn fachlich hat Kwasniok etwas drauf, aber auch von vornherein ein Wagnis, da dem Coach ein gewisser Ruf vorauseilte. Am Ende war es vor allem eine Wette, die nicht aufging. Die Trennung am Anfang der Länderspielpause und sieben Spieltage vor Saisonende könnte noch rechtzeitig gekommen sein, um den achten Abstieg des 1. FC Köln aus der Fußball-Bundesliga zu verhindern.