Köln – Es hat zahlreiche Trainerwechsel gegeben im deutschen Profifußball der vergangenen zwölf Monate, doch Markus Anfang blieb jeweils außen vor. Dabei hatte seine Karriere so verheißungsvoll begonnen: In der Jugendabteilung von Bayer 04 Leverkusen hatte er Erfahrung auf höchstem Niveau gesammelt und gleichzeitig seine Spielidee entwickelt, die er mit nach Kiel nahm, wo ihm beinahe der Durchmarsch von der Dritten in die Erste Liga gelungen war. In Köln sollte er einen überlegenen Kader in die Bundesliga führen, doch nicht nur das: Er wollte auch die Überlegenheit seines Fußballs zeigen.
Tatsächlich schuf Anfang die erfolgreichste Offensive der Kölner Vereinsgeschichte. Allerdings fehlte seinem Spiel die Absicherung. Acht Niederlagen leisteten sich die Kölner unter seiner Anleitung, inakzeptabel in einer Liga, für die der Verein viel zu gut zu sein glaubte.
Entlassung als Tabellenführer
Als Anfang nach einem 2:3 gegen Darmstadt am 27. April gefeuert wurde, hatte seine Mannschaft 59 Punkte gesammelt und war Tabellenführer – Köln hätte keinen weiteren Punkt gebraucht, um als Meister aufzusteigen. Doch war der gebürtige Kölner, der vor seinem Engagement beim FC nie im Kölner Profifußball eine Rolle gespielt hatte, fremd in seiner Stadt geblieben – schlecht angekommen, im doppelten Sinne.
Trotziger Trainer
Kritikern war er mit Trotz und Geringschätzung begegnet, auch der Mannschaft hatten er und seine Assistenten vom ersten Trainingstag an das Gefühl vermittelt, einen Anspruch auf totale Wahrheit zu haben. Seine Spieler hatte der Trainer damit früh verloren – dabei basiert sein Fußball auf totaler Gemeinsamkeit. Bei allem Fußballwissen hatte er die menschliche Komponente vollends unterschätzt und schlecht moderiert. Einsehen wollte er das allerdings auch Monate nach seiner Entlassung nicht. Lieber verwies er trotzig auf die Punkte, die seine Mannschaft geholt hatte.
Hat der Trainer gelernt?
Seine neue Anstellung ist nun wohl schon seine letzte Chance im Profifußball, um zu beweisen, dass er aus seinen Erfahrungen gelernt hat. Darmstadt könnte ein guter Ort dafür sein.
