Abo

FC nimmt die Vorbereitung aufWagner ist bereit für das Sommertraining

6 min
René Wagner ist aus dem Urlaub zurück – und hat die Vorbereitung der Sommervorbereitung mittlerweile abgeschlossen.

René Wagner ist aus dem Urlaub zurück – und hat die Vorbereitung der Sommervorbereitung mittlerweile abgeschlossen.  

FC-Trainer René Wagner ist aus einem Urlaub zurückgekehrt, der anders war als in der Vergangenheit

Der 1. FC Köln kehrt aus dem Urlaub zurück, und wie es sich gehört, machen die Trainer den Anfang. Drei Tage hat René Wagner mit seinen Assistenten und Analysten zuletzt in Holland verbracht. Eine Klausurtagung, „damit wir den Jungs am Montag ein bisschen was zu erzählen haben“, sagte der Trainer am Freitagnachmittag kurz nach seiner Rückkehr ans Geißbockheim.

Erstmals geht er als Cheftrainer einer Bundesligamannschaft in eine Saisonvorbereitung. In den vergangenen Wochen hat er erlebt, dass er womöglich das Problem mehr braucht als die Pause. Für einen Mann, der Prozesse liebt, bedeuten drei Wochen Urlaub auf Bali wohl auch Entzug. „Es war eine lange Zeit, für mich ein bisschen zu lang. Am Ende war es ein bisschen langweilig, ich habe dann schon den Fußball vermisst“, gesteht Wagner.

Am Montag begrüßt er seine Mannschaft zurück auf dem Platz. „Ich freue mich drauf“, sagt er am Ende einer Sommerpause, die anders war als die vorherigen. Es sei neu gewesen, nicht abzuschalten. Er habe viele Termine mit Thomas Kessler gehabt, dem Geschäftsführer Sport. „Wir haben uns viel unterhalten: Was war letztes Jahr? Was wollen wir anders machen?“, berichtet Wagner. Nach der Saison verbrachte er noch eine Woche mit den Kölner Scouts, um „glatt zu ziehen, wie wir uns das vorstellen. Da sind wir einen guten Schritt weitergekommen, haben viel gearbeitet. Aber das geht jetzt weiter.“

Erneuter UmbruchIm zweiten Sommer nach dem Wiederaufstieg steht der FC erneut vor einem Umbruch. Zehn Spieler haben den Klub bereits verlassen, zehn neue könnten hinzukommen. Wie viele es am Ende werden, weiß noch niemand – die WM läuft noch, das erste Pflichtspiel ist sechs Wochen entfernt. Alles ist im Fluss.

Als Chef hat sein Wort nun deutlich mehr Gewicht als zuvor. Wagner beschreibt den Unterschied präzise: „Wenn man als Co-Trainer einen Spieler geschickt bekommt, schaut man den sich an und gibt seine Meinung dazu ab. Wenn ich jetzt meine Meinung abgebe, hat die wesentlich mehr Schlag. Das habe ich gespürt, das macht mir Spaß, weil ich mehr Einfluss darauf nehmen kann, was im Kader passiert.“

Den Überblick über jeden Kandidaten beansprucht er dabei nicht für sich: „Wir haben genug Jungs im Scouting, die das täglich machen. Ich habe mir nicht vorgenommen, jeden Spieler zu kennen, das wäre auch nicht möglich. Die Jungs, die letztlich zu mir durchgeschickt werden, da muss ich etwas genauer hinschauen. Denn ich habe eine große Verantwortung, wer hier auftaucht.“

Kuba war nicht nur ein super Fußballer, sondern auch ein super Mensch. Ich freue mich darüber, dass ein Spieler nach einer schweren Zeit zu uns gekommen ist und dann für größere Vereine interessant wird
FC-Trainer René Wagner

Die Fluktuation auf seinem Trainingsplatz deutet er als Normalzustand – und als Chance. Jakub Kaminski verließ die Kölner nach einer Saison gegen einen massiven finanziellen Gewinn. Wagner hat den Polen mit gemischten Gefühlen zu Benfica Lissabon verabschiedet – und weiß doch, dass der Transfer ein großer Erfolg für den Verein war. „Kuba war nicht nur ein super Fußballer, sondern auch ein super Mensch. Ich freue mich darüber, dass ein Spieler nach einer schweren Zeit zu uns gekommen ist und dann für größere Vereine interessant wird. Das kann unser Weg sein: Wir müssen hungrige Spieler holen, die woanders gescheitert sind und sie dann hier wieder aufbauen. Um für den Verein Werte zu generieren. Trotzdem wäre ich froh, wenn er noch hier wäre.“

Luka Lochoshvili ist bereits verpflichtet. Der 28-jährige Georgier erfüllt exakt das gesuchte Profil, wie Wagner beschreibt: „Wir wollten einen aggressiven, schnellen, großen, zweikampfstarken Innenverteidiger haben, der auch mal nach einem Standard ein Tor machen kann.“ Der Zugang aus Nürnberg soll den Gegenpart zu den eher feinsinnigen Verteidigern Rav van den Berg und Jahmai Simpson-Pusey darstellen – einer für die Härte: „Er ist ein gestandener Mann, der auch ein bisschen Mentalität in die Gruppe bekommen wird. Der lässt sich nichts erzählen. Es ist wichtig, den Charakter auf dem Platz zu haben, der auch mal durchgreifen kann. Das hat uns vielleicht in Phasen auch mal gefehlt.“ Wagner spricht es vorsichtig an. Doch   Lochoshvili soll eine Schwäche beheben helfen, die in der vergangenen Saison immanent war.

Eine weitere Hilfe auch in dieser Hinsicht dürfte Gideon Mensah werden. Der Linksverteidiger ist von der Weltmeisterschaft zurück, wo er für Ghana alle vier Spiele absolvierte. Der 27-Jährige erreichte Köln am Freitag und soll verpflichtet werden, sobald die Ärzte ihre Zustimmung gegeben haben. Mensah ist ein international erfahrener Mann – und hat bereits auf höchstem Niveau gespielt, in Frankreich wie bei der WM. Dass der Kölner Kader dadurch internationaler wird, ist zwar kein Ziel, aber willkommen. Wagner stellt klar: „Wir haben den Anspruch, die besten deutschen Spieler zu haben. Diesen Anspruch haben aber auch die Bayern, den haben die Dortmunder, den haben viele Vereine. Ich glaube, dass ein diverser Kader nicht wehtut, ganz im Gegenteil kann mit vielen verschiedenen Kulturen etwas Besonderes entstehen. Uns geht es darum, den besten Spieler für die jeweilige Position zu finden. Wenn der dann Deutsch spricht, freuen wir uns. Wenn er es nicht tut, ärgern wir uns aber nicht, ganz im Gegenteil.“

Bei der weiteren Kadergestaltung gehe es um „Qualität und Intensität. Wir sind uns klar darüber, wie wir spielen wollen, dafür brauchen wir jetzt die richtigen Spieler.“

Ist Mexikaner Álvarez zu teuer?

Edson Álvarez könnte ein weiterer Baustein sein. Zwar haben sich die Kölner mit dem mexikanischen WM-Teilnehmer befasst. Doch verdiente der Spieler bei Premier-League-Absteiger West Ham United derart fürstlich, dass es wohl eine Finanzierungslücke von mehreren Millionen Euro gibt – Geld, das die Kölner womöglich anders investieren werden, um das Gehaltsgefüge nicht zu sprengen. Günstiger wäre für dieselbe Position Ellyes Skhiri, der mit Tunesien eine fürchterliche WM gespielt hat und bei Eintracht Frankfurt nach wie vor nicht Fuß fassen konnte. Der ehemalige FC-Spieler ist definitiv ein Thema in Köln. „Skhiri kenne ich sehr, sehr gut. Er wird bei uns intern gespielt, aber ob das möglich ist, werde ich erst in den nächsten Tagen erfahren“, sagt Wagner.

Luka Lochoshvili spielte in der vergangenen Saison noch für Nürnberg.

Luka Lochoshvili spielte in der vergangenen Saison noch für Nürnberg.

Wunsch nach Klarheit bei El MalaBleibt Said El Mala. Aus einem frühen Abschied in die Premier League ist nichts geworden – das Kölner Transferbudget ist damit bislang knapper als erhofft. Dennoch ist ein Abschied des 19-Jährigen nach wie vor möglich, was es für seinen Trainer nicht leichter macht. „Bei jedem Spieler möchte man in beide Richtungen so schnell wie möglich Klarheit haben, das gilt für Said wie für jeden anderen im Kader. Er ist ein Spieler des 1. FC Köln, wird am Montag hier auftauchen. Er hatte einen wilden Sommer, mit der WM von der Couch“, sagt Wagner, der den Linksaußen willkommen heißt: „Wir können ihm hier eine Heimat bieten, wo wir ihn mögen, wo er spielt, wo wir ihn entwickeln können. Alles andere muss er entscheiden. Aber noch plane ich mit ihm.“

Am Samstag wird sich Wagner das Testspiel der U21 in Hennef ansehen, über das Wochenende will er entscheiden, wie es mit den zuletzt verliehenen FC-Profis weitergehen soll. Am Montag kommen die Spieler zurück, am Dienstag geht es „knackig los“, wie Wagner verspricht. Sein Ziel für die kommenden Wochen: „Wir möchten uns auf jeder Position verbessern. Entweder mit den Spielern, die wir haben. Oder mit Spielern, die wir neu dazuholen.“