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FC-Sportchef fast überall gefordertKesslers schwerster Transfer-Sommer

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13.07.2026, Fußball, Trainingsauftakt 1.FC Köln, 1. Fußball Bundesliga, Geißbockheim, Saison 2026 2027: Sportdirektor Thomas Kessler 1FC Koeln tk neben Tim Steidten  1.FC Köln  beim ersten Training der neuen Saison 26/27 DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi-video. Nordrhein-Westfalen Deutschland *** July 13, 2026, Soccer, 1. FC Köln s first training session of the season, Bundesliga, Geißbockheim, 20262027 Season: Sports Director Thomas Kessler of 1. FC Köln stands next to Tim Steidten during 1. FC Kölns first training session of the new 20262027 season. DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. North Rhine-Westphalia, Germany

Haben viel Arbeit am Geißbockheim: ThomasKessler (l.) und Tim Steidten 

Der Sport-Geschäftsführer des 1. FC Köln kann den Klub in eine bessere Zukunft führen, doch viele seiner Entscheidungen bergen hohes Risiko.

Im Westen nichts Neues. Als am Donnerstagvormittag die Profis des 1. FC Köln ihre nicht-öffentliche Trainingseinheit aufnahmen, war unter ihnen auch erneut Said El Mala. Der 19-jährige Offensivstar ist also weiterhin nicht für eine Kölner Vereinsrekord-Ablöse von über 50 Millionen Euro zu Borussia Dortmund gewechselt – auch wenn sein angestrebter Wechsel zum BVB von einigen ungeduldigen Interessensvertretern längst herbeipostuliert wurde. Doch El Mala trainiert am Geißbockheim und nicht in Dortmund-Brackel. Zumindest noch. Die Kölner bisher alle Angebote des BVB abgelehnt, auch das neueste.

Beim FC werden derweil andere Personalien fixiert. Beim niederländischen Stürmer Thijs Dallinga (26) steht für die Kölner nur noch die Finalisation an – der FC Bologna wird ihn mit einer Kaufoption in Höhe von etwa zehn Millionen Euro (nach einer Saison) ausleihen. Ähnlich verhält es sich bei Offensivspieler Mikey Moore (19): Auch hier sind mit Tottenham nur noch die letzten Details zu klären. Parallel wird im zentralen Mittelfeld verhandelt – der Sechser-Position wegen führt der FC Gespräche mit Union-Routinier Rani Khedira (32). Abhängig von möglichen El-Mala-Einnahmen ist offenbar der Transfer des vielseitigen Offensivspielers Marcel Reguła (19, Lubin), der zwischen sieben und acht Millionen Euro kosten soll. Auch da laufen die Gespräche. Zudem soll noch ein weiterer Linksverteidiger kommen. Viel Arbeit für Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler. Mal wieder. Doch jetzt noch mehr.

Das FC-Urgestein kennt Köln und den Verein aus dem Effeff, aber es ist auch nicht so, dass er all das in dieser Verantwortung schon mehrfach erlebt hätte. Im Alter von nur 40 Jahren steht er vor den größten Aufgaben, dem härtesten Sommer seiner noch jungen Funktionärskarriere. Nach außen hin wirkt er dabei cool und redegewandt, signalisiert nach dem Motto: Wir haben hier alles im Griff. Doch er weiß selbst: Viele seiner Entscheidungen bergen Risiken – für den Klub, aber auch für seine eigene sportliche Zukunft.

Kesslers 50-Mio.-Kraftprobe El Mala

Said El Mala, der 19-jährige Offensivstar, ist zum ultimativen Prüfstein für Kesslers Verhandlungsgeschick geworden. Im zähen Poker mit Dortmund beharrt der FC auf einer Gesamtsumme im Bereich von mindestens 50 Millionen Euro, will standhaft bleiben. Besonders ungewöhnlich: Dieser für Kölner Verhältnisse Jahrhundert-Deal wird ohne externe Berateragenturen direkt mit der Familie des Spielers abgewickelt – ein im modernen Fußball höchst seltenes Vorgehen. Kesslers Vorteil: Spieler und Familie wollen zwar zum BVB. Doch der FC besitzt einen Vertrag mit El Mala bis 2030 ohne Ausstiegsklausel und hat damit das Heft des Handelns in der Hand. Bleibt der Nationalspieler in spe, könnte der FC eine weitere Saison von dessen Klasse profitieren. Allerdings nur, wenn El Mala motiviert und gesund bleibt.

Aber auch ein Verkauf birgt trotz der sagenhaften Einnahme, mit der man den Kader auf anderen Positionen verstärken könnte, ein Risiko: Sind die Kölner Taschen voll, ist der Markt vorab informiert – Neuzugänge werden dadurch automatisch teurer. Und den Ersatz für Kölns mit Abstand torgefährlichsten Spieler müsste man ohnehin erst einmal finden. Garantie gibt es dafür trotz gut gefüllter Kassen keine.

Kesslers Transfer-Risiken

Nach seiner Beförderung zum Sportdirektor und später zum Geschäftsführer Sport zeigte Kesslers erste Transferperiode im Sommer 2025 ein klares Profil: Mit Spielern wie van den Berg, Johannesson, Bülter, Ache, Sebulonsen, Castro-Montes, Krauß, Özkacar, Lund und Kaminski stellte er einen Kader zusammen, der auf Struktur, physische Präsenz und gewisse Erfahrung setzte. Der Ansatz wirkte zunächst solider als erwartet. Jakub Kaminski entpuppte sich sogar als Transfer-Hit und späterer finanzieller Coup; der Pole wurde bereits mit sattem Gewinn zu Benfica Lissabon verkauft. Mit Kaminski hat der FC allerdings auch einen Leistungsträger verloren. Und bei näherer Betrachtung entpuppten sich keineswegs alle Transfers als erfolgreich genug. Am Ende fand sich der FC – wenn auch unnötig – im Abstiegskampf wieder.

Der Druck, die aktuelle Transferperiode erfolgreich zu gestalten, ist enorm. Im Zusammenspiel mit dem neuen Kaderplaner Tim Steidten hat Kessler neben erfahreneren Spielern wie Lochoshvili und Mensah vor allem hochveranlagte Teenager aus dem Ausland verpflichtet – was allerdings im eigenen, seit Jahren erfolgreichen Nachwuchsleistungszentrum nicht immer goutiert wird. Ein robuster Strategie- und Führungsspieler fehlte dem Konstrukt noch immer. Der Mannschaft mangelt es in weiten Teilen an Erfahrung, Führung, Hierarchie und einer stabilen Achse. Das könnte sich aber noch herauskristallisieren. Und sollte Jungstar El Mala, dann auch noch ein Gesicht.

Kesslers Schattenspieler

Kessler hat sich mit Tim Steidten (47, zuvor Leverkusen, West Ham, Bremen) einen vernetzten, bekannten Mann als Direktor Recruiting & Kaderplanung selbst geholt. Steidten krempelt das System um, setzt auf datenbasierte Analysen und nutzt sein (englisches) Netzwerk für europäische Top-Talente. Er moderiert seine Rolle im Hintergrund geschickt. Kessler schenkt ihm viel freie Hand – und damit auch das volle Vertrauen in seine Scouting-Philosophie. Scheitern die Transfers, fällt das am Ende auf Kessler zurück. Steidten ist kein Sparringspartner, sondern ein Vertrauensbeweis, der Kessler mit in Haftung nimmt.

Kesslers Trainer-Risiko

Kesslers Händchen bei Trainerentscheidungen steht unter Beobachtung. Die Entscheidung mit Feuerwehrmann Friedhelm Funkel im Abstiegskampf saß. Doch mit Lukas Kwasniok krachte seine allererste, komplett selbst verantwortete Wunsch-Verpflichtung auf dem Trainerstuhl nach einer Sieglos-Serie und anderen Vorkommnissen zusammen – eine Wette, aber am Ende ein Fehlgriff mit einem Hasardeur. Danach beförderte Kessler den bisherigen Assistenten René Wagner aus Überzeugung zum Cheftrainer. Und hielt eisern an dem erst 37-Jährigen fest, obwohl dieser nach schwachem Saisonendspurt ebenfalls unter Druck startet. Wagner beginnt diese Saison, seine erste als Bundesliga-Cheftrainer, ohne großen Vertrauensvorschuss. Auch das ist eine Personalie, die Risiko birgt.

Kesslers Vertrauensbonus

Das gesamte Kölner Konstrukt kann aufgehen und für einen neuen Weg, für eine bessere Zukunft des FC stehen. Aber es ist auch auf Risiko gebaut. Kessler trägt die volle Verantwortung für eine Organisation, die auf seinen strategischen Entscheidungen ruht. Der Vorstand gewährt ihm viel freie Hand. Bleibt der Erfolg aus, kann sich Vertrauen blitzschnell in lückenlose Rechenschaftspflicht verwandeln. Nicht Steidten trägt am Ende die Verantwortung für gescheiterte Transfers – Kessler hat ihn selbst geholt. Nicht René Wagner trägt die Verantwortung für Niederlagen – Kessler hat ihn befördert und behalten. Bei El Mala ist er qua Amt der Hauptverhandler. Kessler liefert – oder eben nicht. Dazwischen gibt es nicht viel.