Gentleman über den 1. FC Köln„Der FC ist für mich auch ein Stück Heimat“

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Sieht aus wie Weihnachten, ist aber MTV: Gentleman bei seinem „Unplugged“-Konzert.

Herr Gentleman, als wir unlängst mit der Deutschen Bahn unterwegs waren, war im dort ausgelegten „Mobil“-Magazin ein Interview mit Ihnen zu lesen. Ohne Not bezeichneten Sie sich darin als, wir zitieren, „leidenschaftlichen FC-Fan“. Was ist los mit Ihnen?

Naja, man entscheidet sich ja nicht dafür, sondern man ist einfach Fan. Ich bin zwar in Osnabrück geboren, dann aber mit einem Jahr nach Köln gekommen. Ich liebe Köln sehr und die Verbindung zwischen Fußball und der Stadt ist hier sehr groß. Der FC ist für mich also auch ein Stück Heimat, gerade weil ich viel unterwegs bin. Ein Freund von mir ist leidenschaftlicher Werder Bremen-Fan, obwohl er keine Wurzeln nach Bremen hat und noch nie dort war – das leuchtet mir nicht ein.

Wie sind Sie zum FC gekommen?

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Das erste Spiel, an das ich mich erinnern kann, war 1983 der Pokalsieg gegen Fortuna Köln im Müngersdorfer Stadion. Da war ich acht und da ist es um mich geschehen. Mein Vater hat mich damals mitgenommen, und ich wiederum bin mit meinem Sohn auch schon ins Stadion gegangen.

Warum ist es wichtig, einen Fußballverein zu lieben?

Das ist überhaupt nicht wichtig, das ist ja das Schöne! Ich verstehe es manchmal auch nicht: Woher kommt die Leidenschaft? Warum bin ich glücklich, wenn der FC gewinnt und traurig, wenn sie verlieren? Ich kann es mir nicht erklären, aber es ist toll.

Wie viele Heimspiele sehen Sie pro Saison?

Das ist unregelmäßig. Ich habe in der Hinrunde fast alle Heimspiele gesehen, außer gegen Dortmund. Der einzige Heimsieg, leider.

Fahren Sie zu Auswärtsspielen?

Früher hin und wieder mal, aber dafür habe ich heute zu wenig Zeit. Jetzt gucke ich Auswärtsspiele meistens zu Hause auf der Couch.

Viele Fußball-Fans sind aus unerfindlichen Gründen abergläubisch. Haben Sie auch so eine Marotte?

Ich muss auf jeden Fall zur FC-Hymne auf meinem Platz sein und mitsingen, sonst ist das ein schlechtes Omen. Aber generell bin ich nicht so ein abergläubischer Typ, auch damals nicht bei Udo Latteks blauem Pulli, der muss ja zum Himmel gestunken haben (lacht). Und dass die dürftige Heimbilanz in dieser Saison an Hennes liegt, wollen wir auch nicht hoffen (lacht).

Pöbeln Sie im Stadion schon mal gegen den Gegner und Schiedsrichter oder geht das nicht, weil die Zuschauer um Sie herum Sie als Musiker und nicht als Fan wahrnehmen?

Ach, da ist jeder mit sich beschäftigt, ich komm da ganz unbescholten davon. Ich gehe aber öfter mit Wolfgang Niedecken ins Stadion. Bei ihm ist es ein Spießrutenlauf, der wird als kölsches Original dauernd erkannt. Ich nur ganz selten. Aber generell geht es um den FC, nicht um Musik. Ich kann mich im Stadion nur schwer zurückhalten, muss aber auf meine Stimme aufpassen, wenn Konzerte anstehen.

Haben Sie manchmal den Hals voll vom FC?

Ja, ganz oft sogar. Zum Beispiel, weil ich finde, dass der FC bei allen Niederlagen in dieser Saison nur gegen die Bayern absolut verdient verloren hat. Sonst wäre immer mehr drin gewesen. Oder weil die richtungsweisenden Spiele ganz häufig verkackt wurden, wie gegen Freiburg oder Hertha. Da hätte man sich Luft nach unten verschaffen und auf Platz sechs vorrücken können. Und wenn man es dann am wenigsten erwartet, spielen die Jungs auf Champions League-Niveau.

Hätten Sie gerne mehr Zeit für den FC?

Natürlich hätte ich gerne mehr Zeit, aber ich bin ja auch gerne beruflich unterwegs. Fußball ist meine Leidenschaft, aber die Musik ist mein Leben. Und ich bin leidenschaftlich gerne auf der Bühne und bin auch sehr dankbar dafür.

Gentleman, geboren am 19. April 1975 in Osnabrück, aufgewachsen in der Kölner Südstadt. Bürgerlicher Name Tilmann Otto, verheiratet, wird aktuell zum zweiten Mal Vater. Das erste Album „Trodin On“ erschien 1999, fünf weitere Studioalben folgten, mit Hits wie u.a. „Superior“, „Dem gone“ und „To The Top“.

Als erster Reggae-Musiker überhaupt gab Gentleman ein MTV-Unplugged-Konzert. Album und DVD dazu sind im Handel erhältlich. Am 8.April 2015 spielt er mit seiner Band – ebenfalls unplugged – im Kölner Palladium. (dfr)

Wie verfolgt man unterwegs die Klub-Dinge?

Zum Beispiel mit SkyGo oder ganz klassisch: Sportschau, Sportstudio, Zeitung.

Und wie begleitet Sie der FC, wenn Sie auf Reisen sind?

Wir haben auf der Bühne jedes Mal einen kleinen Geißbock neben dem Mikrofon stehen, der ist immer dabei und war sogar schon in Südamerika und Afrika. Das ist aber natürlich kein echter Geißbock, nicht, dass die PETA jetzt hier Sturm läuft (lacht).

Stehen Sie in Kontakt mit Vereins-Offiziellen oder Fanklubs?

Die Fanbeauftragte kümmert sich dankenswerterweise um die Karten, wenn ich zu den Heimspielen gehe. Und für mich war das Nürnberg-Heimspiel 2011 etwas ganz besonderes, als ich in der Halbzeitpause meine Mitgliedsnummer mit unterschriebenem Trikot auf dem Rasen bekommen habe, mein Song “Superior“ lief und ich die Wilde Horde grüßen konnte.

Die Wilde Horde – was denken Sie über die Ultraszene?

Deppen gibt es überall, mehr muss man dazu nicht sagen. Fankultur ist gut und wichtig, aber ein paar schwarze Schafe machen das Ding leider kaputt.

Haben Sie ein großes Idol?

Den Begriff „Idol“ finde ich schwierig, das hält dich immer von dir selbst ab. Bewunderung finde ich besser. Im Fußball habe ich Bodo Illgner, Pierre Littbarski und natürlich auch Lukas Podolski bewundert. Jede Zeit hat ihre Spieler und das ist auch wichtig für die Weiterentwicklung eines Vereins.

Sehen Sie Gemeinsamkeiten zwischen Ihren Fans und den Anhängern eines Fußballvereins?

Es gibt da viele Parallelen: Es ist leidenschaftlich, es ist laut, es ist gemeinschaftlich. Darum mag ich Fußballspiele so, da zelebriert man zusammen einen Moment. Das tun wir viel zu selten, weil wir sonst immer mit der Vergangenheit oder der Zukunft beschäftigt sind. Und das ist die größte Gemeinsamkeit bei einem Fußballspiel und einem Konzert: Es ist lebendig und geht sofort in die Birne rein.

Wie finden Sie die bekannten und gängigen FC-Songs?

Ach, da gibt es solche und solche. Ich mag „FC jeff Jas“ von Wolfgang Niedecken zum Beispiel sehr. Generell liebe ich die kölsche Sprache, obwohl ich es nicht sprechen kann – wenn ich das versuche, geht es immer nach hinten los (lacht). Das ist auch ein Heimatgefühl, das in diesen Liedern vermittelt wird und das schätze ich sehr.

Kann es irgendwann mal ein FC-Lied von Ihnen geben?

Ich würde niemals nie sagen. Wer weiß, vielleicht hab ich ja bewusst unbewusst schon ein Lied unter „FC-Einfluss“ geschrieben. Wenn ich mir heute so manche Texte anhöre, kann man die schon auf den FC beziehen.

Welches Lied meinen Sie?

Bei Zweitliga-Abstiegen “Dem gone“ zum Beispiel. (lacht)

Was gibt es sonst noch zu sagen?

FC, jeff Jas!

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