In Hamburg verlor der FC ein Spiel, das er nicht hätte verlieren müssen. Dabei war nicht nur die notorische Standardschwäche ein Problem.
„Das war ein super Angriff“Ohne Mut in Hamburg: Was der FC ändern muss

Brachte seine tolle Technik in Hamburg zu selten ins Spiel: Jahmai Simpson-Pusey
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Eine ärgerliche Niederlage beim Hamburger SV verhagelt dem 1. FC Köln die XXL-Länderspielpause. Bei verunsicherten Hanseaten, die als Tabellenletzter und noch ohne Punkt und eigenes Tor ins Spiel gegangen waren, verlor der FC am Samstag mit 1:2.
Wieder mal wurde Köln die Standardschwäche zum Verhängnis. Doch im FC-Podcast „Wir waren klar besser“ von Kölner Stadt-Anzeiger und EXPRESS machten die Reporter noch ein anderes Problem aus. Dem FC fehlt es manchmal am nötigen Mut.
FC fehlte in Hamburg Mut im Spielaufbau
Beim HSV entschied sich Trainer René Wagner, beim Stand von 0:2 dafür, in der 64. Minute Ragnar Ache für Thijs Dallinga zu bringen. Angesichts des Rückstands wären zwei Abnehmer für Flanken im Strafraum vielleicht die bessere Wahl gewesen.
Generell wäre aus Sicht der Beobachter manchmal mehr Mut angebracht, auch im Spielaufbau aus der Defensive. „Vor allen Dingen bei Jahmai Simpson-Pusey fiel mir das oft auf. Der hatte immer das ganze Spielfeld vor sich. Als er um Moffi herum war, was nicht schwer war, hatte der ja erst einmal so 20, 30 Meter Platz“, analysierte EXPRESS-Reporter Jürgen Kemper. „Und er ist auch immer vorgeprescht, aber dann kommt zu oft der Ball wieder nach links zu Lochoshvili, deswegen hat der auch 120 Ballkontakte. Da fehlt mir manchmal dieser eine Risikopass oder diese eine schnellere Verlagerung. Da wurde meiner Meinung nach viel verschenkt mit diesen 120 Ballkontakten.“
KStA-Sportchef Christian Löer berichtete in diesem Zusammenhang von einem Interview mit dem jungen Engländer. „Ich hatte im Trainingslager ein Gespräch mit Jahmai, das war ganz kurz nach dem Testspiel in Bergisch Gladbach. Da hatte er so einen Lúcio-Vorstoß gemacht und fünf Leute ausgedribbelt. Ich habe zu ihm gesagt: Ey, das war ja wirklich ein spannender Lauf. Diese Dribblings, ist das Teil deines Repertoires? Hast du dir das vorgenommen?“ Simpson-Puseys Antwort: „Er hat gelacht und gesagt: Das Dribbling, ja. Kann ich ...“
Beim Spiel in Hamburg erinnerte sich Löer genau an dieses Dribbling und das Gespräch darüber. „Okay, es ist jetzt beim Stand von 0:0 nach einer halben Stunde und 70 Prozent Ballbesitz in Hamburg noch nicht der Moment gekommen, zu sagen, ich gehe jetzt ohne Absicherung in den 16er und dribble mich da durch.“ Aber ein wenig mehr Risiko sei vielleicht doch wünschenswert.
Hier könnt ihr euch die neue Folge anhören:
„Ja, absolut! Denn gerade gegen so einen tiefen Block musst du ja mal irgendein Risiko nehmen, weil sonst alles vorhersehbar ist“, sagte Kemper. „Sonst kann sich dieser Block darauf einstellen und schiebt dann einfach immer durch. Und du hast ja gesehen, wenn Mikey Moore oder auch Said El Mala mal durchgekommen sind und das Spiel schnell gemacht haben, dann wurde es sofort gefährlich.“
Wie könnte es gehen? Löer beschrieb eine Szene in der ersten Halbzeit. „Da hat Simpson-Pusey angedribbelt und hat dann relativ scharf in den 16er gespielt zu Mikey Moore.“ Der steckte dann auf Dallinga durch, der noch gerade so durch ein Tackling gestoppt wurde. „Das war ein super Angriff. Der Beste für mich in der ersten Halbzeit“, betonte Kemper.
Nicht nur von Simpson-Pusey – „das gilt ja nicht nur für ihn!“ – hätte er sich deshalb das ein oder andere Mal erhofft, einen Risikoball zu spielen. „Dann allerdings frage ich mich gleichzeitig, wer kann den denn eigentlich spielen? Und dann wird es schon relativ dünn, ehrlicherweise“, so das Fazit. (red)