FC-Trainer Lukas Kwasniok findet nach dem 1:1 beim SV Werder kritische Worte, lobt aber auch die Moral seiner Mannschaft.
Analyse des Kölner 1:1 in BremenIntakte Moral – aber eine erste Halbzeit, die zu denken gibt

Die FC-Profis mit ihrem Torschützen Said El Mala (r.) gingen am Samstagabend nach sehr durchwachsener Leistung mit einem Punktgewinn vom Platz.
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Das Wichtigste zuerst
Der 1. FC Köln hat beim SV Werder Bremen einen nach schwacher erster Halbzeit glücklichen, angesichts des Einsatzes im zweiten Durchgang jedoch nicht unverdienten Punkt geholt und nach zwei Bundesliga-Niederlagen und zwischenzeitlichem 0:1-Rückstand noch 1:1 gespielt. Nach dem Rückstand durch Marco Friedl in der 22. Minute hatten die Gastgeber beste Aussichten auf eine frühe Entscheidung. Etwa durch Romano Schmids Chance kurz nach Wiederanpfiff, als FC-Keeper Marvin Schwäbe einen Fehler Lunds noch ausbügelte.
Der nimmermüde Said El Mala traf nach zahlreichen Fehlversuchen in der Nachspielzeit mit einem abgefälschten Schuss noch zum Ausgleich. Kurz zuvor hatte El Mala wie schon beim ebenfalls erst in der Schlussphase mitreißenden 3:4 gegen Frankfurt eine überragende Flanke auf Luca Waldschmidt gespielt, der diesmal jedoch das Tor knapp verfehlte.
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Die Tore
In der ersten Halbzeit bot der FC einen Auftritt, den Trainer Lukas Kwasniok später mit einem „Energie- und Zugriffsproblem“ erklärte: Die Kölner Mannschaft hatte keinen Zugriff, fand nicht in die Duelle – möglicherweise waren die FC-Profis irritiert, weil beide Fanlager wie in der Vorwoche zu Beginn zwölf Minuten lang die Unterstützung verweigerten und es seltsam-still im ausverkauften Weserstadion war.
Die Bremer hätten uns nach dem 1:0 auch richtig bestrafen können. Vor allem moralisch war es ein wichtiger Punkt für uns nach zwei Niederlagen. Hut ab vor der Mannschaft. Die Mentalität ist echt Wahnsinn.
Nach einer kurz ausgeführten Ecke konnte zunächst Romano Schmid frei flanken. Startelf-Debütant Alessio Castro-Montes köpfte den Ball zu kurz und vor die Füße von Bremens Stage, dessen Flanke Marco Friedl unbedrängt auch von FC-Keeper Marvin Schwäbe aus dem Fünfmeterraum ins Tor köpfte.
Said El Mala hatte einen wechselhaften Auftritt mit vielen starken Ansätzen, aber auch mehreren Ballverlusten. Dennoch gab der 19-Jährige nie auf – und hielt in der Nachspielzeit mit rechts flach auf das Tor. Der Ball wäre wohl zu zentral gekommen, u gefährlich zu werden. Doch der zur zweiten Halbzeit eingewechselte Niklas Stark fälschte unhaltbar ab – wenige Minuten später ging er nach einem Foul an Said El Mala mit Gelb-Rot vom Platz.
Das war gut
Die Moral der Kölner, die sich von ihrer eigenen fürchterlichen Leistung und einem Auswärts-Rückstand nicht entmutigen ließen und erneut bis zuletzt auf ihre Chance hofften – und diesmal tatsächlich noch punkteten.
Das war schlecht
Die erste Halbzeit, in der zu den zahlreichen Personal- und Formationswechseln nach zehn Minuten auch noch die Verletzung des nächsten Innenverteidigers kam: Dominique Heintz musste vom Platz, Rav van den Berg gab sein unverhofftes Comeback. Erst nach dem Seitenwechsel wurden die Kölner stabiler. Kwasniok benannte ein „Sender-Empfänger-Problem“ als Ursache, mit sich selbst als untauglichem Sender. In der Halbzeitpause hätten seine Leute dann zugehört und ihn besser verstanden – die Empfänger nahm der Coach also ebenfalls nicht aus der Verantwortung. Nach der Pause wurde der Kölner Auftritt jedenfalls deutlich strukturierter.
Moment des Spiels
Einerseits Schmids Alleingang nach Lunds Horror-Fehlpass in Richtung eigenes Tor, als van den Berg den Österreicher im Sprint noch störte und Schwäbe hervorragend parierte. Das wäre das 2:0 gewesen und wohl die Entscheidung
Andererseits aus Kölner Sicht natürlich El Malas Tor, es war der fünfte Treffer des 19-Jährigen in noch immer erst 411 Bundesligaminuten.
Mann des Spiels
Said El Mala. Bei seinem Abschluss in der ersten Halbzeit hätte er vielleicht den Blick für den Nebenmann haben müssen, zumal er den Ball auf dem schwächeren linken Fuß hatte. Womöglich verlor der Teenager auch zu viele Bälle beim Versuch, möglichst viele Gegenspieler auf sich zu ziehen, um Räume zu öffnen, in die keiner seiner Kollegen starten oder wenigstens passen wollte.
Doch am Ende rettete er den Kölnern schon wieder einen Punkt, nachdem er Luca Waldschmidt bereits einen Ball vorgelegt hatte, der ebenfalls zu einem Kölner Treffer hätte führen müssen. Alles, was gut war am Kölner Angriffsspiel in Bremen, kam vom jungen Angreifer. Der Treffer war zwar abgefälscht, aber im Zusammenhang mit El Malas Wirken von einem Glückstor zu sprechen, wäre eine Verkennung der Tatsachen.

1:1 - Said El Mala hat wieder getroffen und für seine Mannschaft einen Punkt gerettet.
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Das sagen die Trainer
Lukas Kwasniok (1. FC Köln): Die erste Nachricht auf meinem Telefon lautete nach dem Spiel: „Et hätt noch immer jot jejange.“ Wir haben eine richtig schlechte erste Halbzeit gespielt. Weil die Bremer uns aber am Leben gelassen haben, indem sie das 2:0 nicht machen, sind wir ins Spiel zurückgekommen. Wir hatten ein Energieproblem, ein Zugriffsproblem. In der zweiten Halbzeit hatten wir zwar keine brutalen Torchancen, dann aber mit Luca die große Gelegenheit. Aber wir haben ja noch Said, der hat glücklicherweise das Tor für uns erzielen können. Die Bremer hätten uns nach dem 1:0 auch richtig bestrafen können. Vor allem moralisch war es ein wichtiger Punkt für uns nach zwei Niederlagen. Hut ab vor der Mannschaft. Die Mentalität ist echt Wahnsinn.
Horst Steffen (Werder Bremen): Wir hatten eine gute erste Halbzeit, gute Aktionen, Spielfluss. Unser Abseitstor hat die Kölner ins Leben zurückgerufen. Köln hat Druck erzeugt, ohne zunächst wirklich gute Möglichkeiten zu erspielen. Wir sind mit dem Ausgang des Spiels nicht glücklich. Und mit dem, was wir gespielt haben, nur phasenweise.
Das sagen wir
Der Kölner Auftritt in ersten 45 Minuten war bedenklich. Nach den erneuten Umstellungen wirkte die Mannschaft nach mehreren problematischen Auftritten endgültig überfordert. Das war ein unerwarteter Rückschritt des so gut gestarteten Aufsteigers.
Lukas Kwasniok erklärte nach dem Spiel, er habe ein „Sender-Empfänger-Problem“ mit seinen Leuten gehabt. Zwar nahm er sich selbst in die Kritik, weil er seine Spieler nicht erreicht habe. Allerdings merkte er auch an, in der Halbzeitpause habe die Mannschaft dann richtig zugehört. Offenbar müssen Spieler und Trainer ihre Kommunikation überarbeiten. Denn eine Leistung wie in der ersten Halbzeit in Bremen führt üblicherweise nicht mehr zu Punktgewinnen – trotz der intakten Moral.


