Nach dem in jeder Hinsicht enttäuschenden 0:0 des 1. FC Köln gegen Schalke 04 gab es im Stadion deutliche Kritik am Trainer. Viele Fans forderten hörbar die Freistellung von Trainer René Wagner. Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler stellt sich klar hinter René Wagner, nimmt die Rufe der Fans aber ernst.
Auf die Frage nach dem Druck intern antwortete Kessler am Sonntag eindeutig: „Ja, er hat volle Rückendeckung.“ Er betonte aber, dass Ergebnisse den Ausschlag geben: „Das, was natürlich Vertrauen der Menschen herbeiruft, sind Erfolge.“
Ich nehme das natürlich dann auch zur Kenntnis und mache mir meine Gedanken dazu.
Zu den Rufen von den Rängen sagte Kessler: „Ich nehme es natürlich ernst, ist ja keine Frage.“ Es sei „völlig menschlich“, dass die Situation auch René Wagner treffe. „Ich nehme das natürlich dann auch zur Kenntnis und mache mir meine Gedanken dazu.“ Kritik gehöre zur Erwartungshaltung in Köln: „In Köln kann man über Erwartungshaltung reden, ich maße mir nicht an und ich habe das auch nicht zu bestimmen, wie hoch die Erwartungshaltung der Menschen tatsächlich dann auch ist.“
Die Partie gegen die personell arg dezimierten Schalker war grausam. Harmlos, ideenlos und mutlos präsentierte sich der FC. „Natürlich haben wir uns erhofft, dass wir gestern drei Punkte holen“, sagte Kessler nach dem torlosen Spiel. Das Hauptproblem sieht er im Angriff. „Man muss sagen, dass wir es leider nicht geschafft haben, im letzten Drittel sauber zu sein, auch die Durchschlagskraft zu entwickeln, die wir uns vorgenommen haben. Die Chancen, die wir hatten, haben wir dann leider nicht genutzt.“ Eine Situation wurde wegen Abseits zurückgepfiffen, bei einer anderen klärte der letzte Schalker Verteidiger auf der Linie.
Positiv bewertete Kessler die Abwehr: „Dennoch haben wir seit sehr, sehr langer Zeit auch mal wieder zu null gespielt. Das haben wir deutlich besser gemacht, und da sehe ich uns auf einem guten Weg.“ Der FC kassierte also erstmals seit Januar keinen Gegentreffer, was allerdings nur ein schwacher Trost war.
Den Vorwurf, das Trainerteam habe den Punkt absichern wollen, wies Kessler klar zurück: „Ich glaube, die Herangehensweise hat gar nichts mit Mut zu tun.“ Die Wechsel hätten offensiv neue Impulse setzen sollen: „Das ist für mich keine Einwechslung, um etwas abzusichern, sondern eben vielleicht noch mal einen anderen Impuls offensiv zu bringen.“ Vor allem die Herausnahme von Mikey Moore in der 68. Minute war bei den Fans hörbar auf Unverständnis gestoßen.
Zu Hause ist der FC ungeschlagen, auswärts wartet er noch auf den ersten Punkt. „Wir haben leider auch die acht Punkte, die wir haben, nur zu Hause geholt und haben auswärts da jetzt noch keine Punkte geholt.“ Kessler sieht das Team dennoch dort, wo es sich selbst eingeordnet hat.
Am Dienstag empfängt der FC Union Berlin in der zweiten DFB-Pokalrunde, der Druck ist entsprechend groß. Kessler kündigte an: „Das Schöne ist, am Dienstag wird es auch kein Unentschieden geben, sondern da wird es einen Sieger geben, egal wie lange das Spiel geht. Und wir wollen das Spiel mit aller Macht eben auch gewinnen.“ Sein Fazit: „Am Ende ist die Währung, die die Menschen dann auch wieder auf die richtige Seite bringt und vor allen Dingen vielleicht auch mehr Vertrauen entwickeln lässt, das sind Siege.“
Inhaltlich sei das Schalke-Spiel bereits mit der Mannschaft aufgearbeitet worden. „Der Trainer hat auch schon mit der Mannschaft darüber gesprochen.“ Kessler sieht noch Luft nach oben: „Es gibt einfach ein paar Dinge, wo wir auch noch zulegen können.“
Wagner sitzt vor der englischen Woche fest im Sattel. Kessler sagte: „Er hat volle Rückendeckung. Wir haben jetzt zwei brutal wichtige Spiele, da gilt es, einen guten Job zu machen. Das, was Vertrauen schafft, sind jetzt Erfolge.“
Zumal dem FC ein anspruchsvoller Herbst bevorsteht. Nach dem Union-Spiel steht das Duell gegen Bayer Leverkusen auf dem Programm, nach der Länderspielpause die Reise zum FC Bayern. Bis auf Bremen muss Köln in der Hinrunde noch gegen alle Teams aus der aktuellen oberen Tabellenhälfte ran.

