Köln – Die Transferaktivitäten des 1. FC Köln sind bekanntlich eine Sache für sich. Die Liste der Fehleinkäufe ist lang und liest sich abenteuerlich, nur selten ist dem Klub während der vergangenen 20 Jahre einmal ein Coup gelungen. Die Verpflichtung eines Spielers etwa, den die wenigsten auf dem Schirm gehabt hätten, der den FC ins internationale Geschäft geführt hätte, ehe er für eine mittlere zweistellige Millionensumme zu Real Madrid oder dem FC Barcelona gewechselt wäre – viel Konjunktiv, schon klar. Nur ein Gedankenspiel.
Denn so etwas hat es nicht mal ansatzweise gegeben – von Lukas Podolski, der aus dem eigenen Nachwuchs kam und 2006 für zehn Millionen Euro zu den Bayern sowie 2012 für zwölf Millionen Euro zum FC Arsenal gewechselt ist, vielleicht einmal abgesehen.
Dabei haben sich ja durchaus Möglichkeiten geboten, einen kommenden Star zu verpflichten. Ob sich die folgenden Herren dann auch in Köln tatsächlich derart prima entwickelt hätten – wer weiß das schon? Wir nennen dennoch sechs Akteure internationaler Klasse, die der FC beinahe verpflichtet hätte.
Manuel Neuer (FC Bayern München)
2006 waren sich die Kölner bereits mit dem heute besten Torwart der Welt über einen Vertrag einig, wie der damalige FC-Trainer Hanspeter Latour dem Kicker erzählt hat. Neuer hatte 2005 die Fritz-Walter-Medaille in Silber erhalten, war beim FC Schalke 04 zu diesem Zeitpunkt jedoch noch die Nummer drei hinter Frank Rost sowie Christofer Heimeroth und hoffte, in Köln seine ersten Erfahrungen im Bundesliga-Fußball sammeln zu können.
Latour habe sich damals „zwei, drei Spiele der Schalker Reserve angeschaut und direkt gesagt: Ja, das wird unser neuer Torwart!“ Man sei sich auch schnell einig gewesen mit dem jungen Mann. Dann allerdings torpedierte – und das ist aus Sicht des FC retrospektiv besonders bitter – Mönchengladbach indirekt den Wechsel. Als Neuer schon auf dem Sprung nach Köln war, verpflichtete die Borussia plötzlich Heimeroth.
Neuer durfte nicht wechseln, stieg auf Schalke zur Nummer zwei auf und beraubte Rost schon bald dessen Stammplatzes. Mittlerweile ist Neuer Weltmeister, Welttorhüter, Champions-League-Sieger, Deutscher Meister, DFB-Pokal-Sieger, und, und, und…
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Shinji Kagawa (Borussia Dortmund)
Im Sommer 2010 wechselte Shinji Kagawa, ohne dass jemand den Namen jemals gehört hatte, vom japanischen Zweitligisten Cerezo Osaka zu Borussia Dortmund. Rund 350.000 Euro an Ausbildungsentschädigung (!) hat der BVB damals für Kagawa überwiesen – und weil der die Bundesliga schon nach wenigen Wochen mit seinen flinken Bewegungen und seinem Spielwitz begeisterte, entwickelte sich bald eine neue, virtuelle Währung: Die Kagawas.
Der 1. FC Köln zum Beispiel hat in besagtem Sommer den rumänischen Stürmer Alexandru Ionita für 2,5 Millionen Euro verpflichtet – was dann bedeutete: Ein Ionita ist sieben Kagawas wert! Nun soll in diesem Artikel nicht weiter darum gehen, wie dramatisch Ionita beim FC gescheitert und nach lediglich acht Einsätzen für die Profis in seine Heimat zurückgekehrt ist. Aber die ganze Causa wäre weniger ärgerlich für den FC, hatte Michael Meier wenigstens Ionita und Kagawa verpflichtet. Stattdessen lehnte der damalige Manager, so heißt es, die Verpflichtung von Kagawa ab, als dessen Berater Thomas Kroth den jungen Japaner wenige Wochen vor dem Wechsel nach Dortmund angeboten hatte.
Mit dem BVB wurde Kagawa zwei Mal Deutscher Meister, ehe er 2012 wieder wechselte. Für 16 Millionen Euro. Zu Manchester United.
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Stevan Jovetic (Manchester City)
Würden sie es beim Deutschen Fußball-Bundes doch bloß nicht so strikt halten, was die Beachtung ihrer Statuten angeht – der FC hätte im Dezember 2006 einen hochbegabten Stürmer verpflichtet. Stevan Jovetic spielte, damals 17 Jahre jung, für den serbischen Erstligisten Partizan Belgrad und war auf dem Weg nach oben – prophezeit wurde eine Zukunft als einer der besten Angreifer der Welt.
Neben dem FC machten sich auch der FC Chelsea und Juventus Turin ihre Gedanken, Jovetic zu verpflichten. Der Nationalspieler Montenegros aber wollte unbedingt in Köln unter Christoph Daum spielen und weilte angeblich sogar schon am Geißbockheim, als der FC erfuhr, dass der Transfer gar nicht möglich sei. Die Satzung des DFB verhinderte den Deal – keine Transfers von minderjährigen Nicht-EU-Bürgern!
Jovetic-Berater Fali Ramadani sagte damals: „Das Thema Köln hat sich leider erledigt. Vor einem Jahr hatte der FC die große Möglichkeit Stevan zu holen. Wir waren schon einig mit dem FC, doch leider hat es mit dem Wechsel nicht geklappt.“ 2,5 Millionen Euro hätte der FC wohl gezahlt, hätte er den Wechsel vollziehen dürfen.
Stattdessen wechselte Jovetic 2008 für etwa acht Millionen Euro zum AC Florenz. Und 2013 weiter zu Manchester City – Kostenpunkt: 26 Millionen Euro. Für den englischen Meister spielt Jovetic noch heute, in der laufenden Saison kommt er auf fünf Tore in 15 Premier-Leauge-Einsätzen.
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Marco Reus (Borussia Dortmund)
Hach, wäre das nicht fein gewesen, wäre Marco Reus nicht in Dortmund, sondern in Köln ohne Führerschein zum Training gefahren? Es hätte durchaus dazu kommen können: Ehe Reus im Sommer 2009 vom Zweitligisten Rot-Weiß Ahlen zu Borussia Mönchengladbach ist, hatte es Gespräche gegeben. „Der FC hatte als erster Verein Kontakt zu meinem Berater Dirk Hebel aufgenommen, doch der Klub entschied sich für einen ablösefreien Spieler und ich mich für einen anderen Verein – so ist das eben im Fußball“, sagte Reus dem Kölner Stadt-Anzeiger einmal dazu.
In der Tat, ablösefrei war er nicht – die Borussia zahlte sage und schreibe 800.000 Euro für Reus. Dem 1. FC Köln gelang es stattdessen, Maniche und Sebastian Freis umsonst zu bekomme. Immerhin.
Für Mönchengladbach traf Reus in 97 Spielen insgesamt 36 Mal, ehe er 2012 für die festgeschriebene Ablösesumme von 17,5 Millionen Euro nach Dortmund gewechselt ist. Dort hat der Nationalspieler seinen Vertrag kürzlich verlängert – obwohl ihn neben dem FC Barcelona und Real Madrid auch so ziemlich jeder weitere Top-Klub des Kontinents verpflichten wollte.
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Andrij Schewtschenko
Es soll der Sommer 1995 gewesen sein, als ein Spielerberater dem 1. FC Köln angeblich einen jungen Ukrainer namens Andrij Schewtschenko angeboten hat, für kleines Geld, heißt es. Der FC jedoch verzichtete – er sah sich im Sturm mit Stefan Kohn, Toni Polster, Holger Gaißmayer, Bruno Labbadia und Michael Rösele vermutlich gut besetzt.
Schewtschenko musste sich also ohne den FC durchschlagen, was ihm dann auch einigermaßen gelungen ist. 1999 wechselte er für 24 Millionen Euro zum AC Mailand, der 2004 angeblich ein 90-Millionen-Angebot des FC Chelsea für den Stürmer abgelehnt haben soll.
Schewtschenko wurde 2004 als „Europas Fußballer des Jahres“ ausgezeichnet und wechselte 2006 schließlich doch noch für 43,3 Millionen Euro nach London. Im Sommer 2012 hat er seine Karriere nach der Europameisterschaft in seinem Heimatland beendet.
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Eric Maxim Choupo-Moting
Der 31. Januar des Jahres 2011. Die letzten Minuten der Transferfrist laufen, um 18 Uhr schließt das Wechselfenster. Der FC hat am vorherigen Wochenende 0:3 beim FC St. Pauli verloren, steht auf dem Relegationsplatz und möchte personell noch einmal nachbessern und einen ordentlichen Konkurrenten für Milivoje Novakovic verpflichten. Mit Stürmer Eric Maxim Choupo-Moting vom Hamburger SV herrscht Einigkeit, der Vertrag ist unterschrieben, er muss bloß noch an die Deutsche Fußball-Liga gesendet werden.
Um 17.49 Uhr wird das Papier von Choupo-Motings Vater und Berater Just nach Köln gefaxt. Doch es kommt nur eine Seite an. Eine technische Panne. Die entscheidende Seite mit der Unterschrift des Spielers erreicht den FC erst nach 18 Uhr. Die Kölner leiten die Seiten um 18.06 Uhr an die DFL weiter. Dort kommt der Vertrag um 18.13 Uhr ankam. 13 Minuten zu spät. Den Antrag des FC, den Transfer des Kameruners trotz Fristversäumnis zur Abgabe der Transferunterlagen zu genehmigen, weist die DFL einige Tage später zurück.
Einige Monate später wechselt Choupo-Moting schließlich zum FSV Mainz 05, für den er zwischen 2011 und 2014 in 74 Bundesliga-Spielen insgesamt 20 Mal trifft. Im Sommer 2014 nimmt er für Kamerun an der Fußball-Weltmeisterschaft teil und wechselt daraufhin nach dem Auslaufen seines Vertrags zum FC Schalke 04, für den er in dieser Saison in bislang 22 Einsätzen neun Mal selbst getroffen und fünf Tore vorbereitet hat. Beim Afrika-Cup 2015 hat er Kamerun zudem als Kapitän aufs Feld geführt. Auch nicht so schlecht.
