Nach nur zwei Siegen aus 18 Spielen und einem phasenweise bedenklichen Auftritt im Derby gegen Borussia Mönchengladbach endet Lukas Kwasnioks Zeit am Geißbockheim.
Trennung nach 3:3 im DerbySo begründet der 1. FC Köln das Trainer-Aus – Wagner übernimmt

Lukas Kwasniok litt im Derby gegen Borussia Mönchengladbach am Spiel seiner Mannschaft.
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Der 1. FC Köln hat nach dem 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach die Trennung von Trainer Lukas Kwasniok vollzogen. Auch Assistent Frank Kaspari muss gehen. Nach nur zwei Siegen aus den jüngsten 18 Bundesliga-Partien entschied sich Geschäftsführer Thomas Kessler zur Trennung, der Gemeinsame Ausschuss des Vereins stimmte zu. René Wagner, bislang Assistenztrainer, übernimmt. Der 37-Jährige wird im Spiel bei Eintracht Frankfurt am 5. April als Cheftrainer auf der Bank sitzen.
Die Entscheidung hatte sich schon unmittelbar nach dem Abpfiff des rheinischen Derbys abgezeichnet. Kessler vermied jedes Bekenntnis zum Trainer. Der Punkt gegen den Rheinrivalen sei „zu wenig“, wie er mitteilte: „Wenn du jetzt zum wiederholten Mal das Spiel nicht gewinnst und die Tabellensituation von Woche zu Woche prekärer ist, steht eins über allem: dass der 1. FC Köln in der Bundesliga bleibt. Ich glaube, alle beteiligten Personen haben die absolute Überzeugung, dass die Qualität, mit der wir beisammen sind, die Klasse halten kann. Es gibt natürlich Gründe, und die muss man dann auch erörtern – wenn man heute wieder nicht geschafft hat, drei Punkte zu holen“, sagte Kessler – und zog selbst die Schlussfolgerung: „Wenn du zu Hause drei Tore gegen Borussia Mönchengladbach schießt, dann darfst du auch in der Lage sein, das Spiel zu gewinnen.“
Der Vollzug folgte am Sonntagabend. „Wir haben uns heute sehr intensiv mit unserer Situation beschäftigt und sind zu der Entscheidung gekommen, für die letzte Phase der Saison auf der Cheftrainer-Position einen Impuls zu setzen. Lukas’ Fußballwissen und seine fachliche Expertise sind unbestritten. Er hat unsere Mannschaft mit großer Sorgfalt und hohem Engagement auf die Spiele vorbereitet. Trotz leidenschaftlicher und ordentlicher Auftritte war zuletzt ein klarer Abwärtstrend in unserer Entwicklung erkennbar. Wir haben zu wenige Punkte geholt – das ist die Realität. Vor diesem Hintergrund sind wir nach intensiver Analyse zu der Entscheidung gekommen, Lukas freizustellen“, teilte Kessler mit.
Man werde „ergebnisoffen“ analysieren und „Stellschrauben drehen“ – Formulierungen, die kaum eine andere Lesart zuließen. Tabellarisch sei die Entwicklung „definitiv bedenklich“, räumte Kessler ein: „Wir wissen, dass es brenzlig ist.“ Auf die direkte Frage, was für Kwasniok spreche, lobte er die Mentalität der Mannschaft und taktische Details aus der Trainingswoche. Den Trainer nannte er nicht.
Wir haben zu wenige Punkte geholt – das ist die Realität. Vor diesem Hintergrund sind wir nach intensiver Analyse zu der Entscheidung gekommen, Lukas freizustellen
Kwasniok selbst trat der Deutung auf der Pressekonferenz entgegen, ohne sie entkräften zu können. Er stellte in Aussicht, dass er Kesslers Zurückhaltung für keine neue Entwicklung halte: Ob Kessler „in den vergangenen Wochen und Monaten etwas anderes gesagt habe, wenn er darauf angesprochen worden sei“, bezweifle er. „Das ist das Normalste der Welt – wir analysieren immer ruhig und sachlich die Dinge und setzen uns dann zusammen.“ Die Rückendeckung spüre er „zu 100 Prozent“. Und: „Ich bin der richtige Mann am richtigen Ort, mit der richtigen Mannschaft, im richtigen Verein.“ Er werde um diesen „verdammten Job“ kämpfen, mit allem, was er habe – wer mehr Überzeugung mitbringe, möge sich melden: Thomas Kessler müsse „erstmal einen finden, der mehr davon in sich trägt.“

Lukas Kwasniok und Thomas Kessler nach dem Abpfiff des Derbys am Samstagabend zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach
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Als Beleg für seine Krisenresistenz verwies Kwasniok auf seine Zeit in Jena, wo er nach einer langen Niederlagenserie noch sechs von sieben Saisonspielen gewonnen hatte: „Keiner hat daran geglaubt. Es gab genau einen, das war meine Wenigkeit.“ Den SC Freiburg nannte er als Beispiel für Kontinuität als Erfolgsprinzip – selbst dann, wenn der Weg durch die zweite Liga führe. Allerdings erneuerte Kwasniok am Samstag erneut sein Versprechen, mit dem FC die Klasse zu halten. Nach dem Punkt im Derby steht Köln fünf Punkte vor dem direkten Abstiegsplatz 17.
Gegen 9 Uhr trafen Kessler und der Technische Direktor Lukas Berg am Geißbockheim ein, begleitet von Co-Trainer René Wagner. Auch Kwasniok erschien zur Besprechung in der Klubzentrale – verließ das Geißbockheim gegen 11 Uhr jedoch allein.
Wagner ist das Ergebnis eines Plans
Dass Wagners Name in diesem Moment fällt, ist kein Zufall. Kessler hatte den 38-Jährigen bereits im vergangenen Sommer nach Köln geholt – nicht allein als Assistenten, sondern mit der erklärten Perspektive, ihn als Cheftrainer aufzubauen. Wagner selbst hatte im Sommer beschrieben, wie er seine Rolle neben Kwasniok verstand: „Es kann Situationen geben, in denen der Trainer emotional angefasst ist und ein Reset braucht. Dann bin ich ein guter Gegenpart. Da ich nicht derjenige bin, der Emotionen in ein Team bringen muss, kann ich in Ruhe auf das Spiel schauen und meine Perspektive einbringen.“ Der Dresdner bringt keine Profikarriere mit, dafür einen ungewöhnlichen Weg: Wirtschaftsstudium, Collegefußball auf Hawaii, Jugendtrainer in Florida, Co-Trainer unter Steffen Baumgart in Paderborn und Köln, zuletzt Stationen beim HSV und Union Berlin. Was damals eine Rollenbeschreibung war, ist jetzt sein Programm.
Kessler glaubt an seinen neuen Cheftrainer: „Wir sind überzeugt, dass René gemeinsam mit unserem Trainerteam und der Mannschaft unser Ziel erreichen wird. Dafür bringt unser Team die Qualität, die Mentalität und die notwendige Bereitschaft mit. René kennen und schätzen wir seit seinem ersten Engagement bei uns als Co-Trainer als ausgewiesenen Fußballfachmann.“
Lukas Kwasniok war im Sommer 2025 aus Paderborn nach Köln gekommen. Der Start verlief vielversprechend – nach dem neunten Spieltag stand der FC als Tabellensiebter da, der Abstiegskampf schien weit entfernt. Seitdem holte die Mannschaft kaum noch Punkte. Zuletzt hatte es geheißen, Kwasniok müsse aus den Spielen gegen Dortmund, den HSV und Mönchengladbach mindestens vier Zähler holen, um seinen Job zu behalten. Dieses Ziel verfehlte er. Das Derby war damit sein letztes Spiel.


