Zugänge des 1. FC KölnDie Zwischenbilanz fällt gemischt aus

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1. FC Köln, Training, von links: Christian Keller, Steffen Baumgart, Thomas Kessler 1. FC Köln. 05.10.2023, Bild: *** 1 FC Cologne, training, from left Christian Keller, Steffen Baumgart, Thomas Kessler 1 FC Cologne 05 10 2023, picture

Christian Keller, Steffen Baumgart und Thomas Kessler sind beim 1. FC Köln für den Kader verantwortlich – beziehungsweise dafür, wie dieser Kader funktioniert.

Die Zwischenbilanz der Sommerzugänge fällt vor der zweiten Länderspielpause der Saison gemischt aus.

Kein Verein der Liga hat vor dieser Saison so wenig Geld für Ablösesummen ausgegeben wir der 1. FC Köln. Zwar ging der FC Leihgeschäfte ein, aus denen sich im nächsten Sommer Kaufverpflichtungen mit entsprechenden Ausgaben ergeben könnten. Allerdings werden den Kölnern dann wieder ihre vollständigen Einnahmen aus dem Sponsoring zur Verfügung stehen. Um die finanziellen Folgen der Pandemie abzumildern, hatten Vorstand und Geschäftsführung entschieden, Forderungen vorzuziehen. 

Jeff Chabot (11 Startelf-Einsätze/933 Spielminuten: In diesem Sommer fest von Sampdoria Genua verpflichtet. Der Innenverteidiger lässt Laien wie Experten an ihrem Sachverstand zweifeln: Als er im Januar 2022 für anderthalb Jahre auf Leihbasis nach Köln kam, hatte er gewaltige Startprobleme. Die Umstellung vom eher statischen Verteidigungsspiel in Italien falle dem 1,94-Meter-Mann schwer, hieß es. Chabot selbst gab sich stets zuversichtlich, immerhin war der gebürtige Frankfurter in der Jugend von RB Leipzig in genau jenem Fußball ausgebildet worden, der auch beim 1. FC Köln gespielt wird. Und tatsächlich: In der vergangenen Saison steigerte sich Chabot derart, dass Köln ihn im Sommer fest verpflichtete. Für unter zwei Millionen Euro, was ein Schnäppchen ist angesichts seiner aktuellen Leistungen. Christian Keller kann sich für die Verpflichtung allerdings kaum feiern lassen: Die Leihe brachten noch seine Vorgänger auf den Weg.

Leart Pacarada (9 Startelf-Einsätze/805 Spielminuten): Kam ablösefrei als Kapitän des FC St. Pauli nach Köln, um den Schmerz über Jonas Hectors Abschied zu mildern. Ist defensiv schwächer als Hector, galt allerdings als offensiv herausragend; auch wegen seiner Standards. Hat bislang weder Tor noch Vorlage vorzuweisen und zuletzt seinen Stammplatz an Dominique Heintz verloren. Fremdelt mit dem Kölner System, wirkte bei seinen letzten Auftritten kaum bereit, die Vorgaben des Trainerstabs umzusetzen. Der 29-Jährige ist allerdings wegen seiner spielerischen Qualitäten keiner, auf den die Kölner grundsätzlich verzichten können. Es wird für Spieler wie Trainer die Herausforderung der kommenden Wochen und Monate sein, Pacarada zurück in die Startelf zu führen, um seine Qualitäten nutzbar zu machen.

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Jacob Christensen (bislang ohne Einsatz): Der 22-Jährige kam aus Dänemarks Talentschmiede FC Nordsjaelland und kostete die Kölner zwar keine Ablöse, dafür aber die obligatorische Ausbildungsentschädigung, die in Christensens Fall etwa bei einer halben Million Euro gelegen haben dürfte. Hatte zu Beginn der Vorbereitung große Schwierigkeiten mit Tempo und Intensität einer Bundesligamannschaft. Brachte es daher bislang auf keinen Pflichtspiel-Einsatz, zuletzt warf ihn zudem eine Verletzung zurück. Gilt Klub-intern nach wie vor als großes Mittelfeld-Talent, litt aber darunter, dass die Öffentlichkeit ihn als Nachfolger für Ellyes Skhiri wahrnahm. Als solcher war er allerdings nie geplant. Die Wahrheit ist: Keller wollte einen defensiven Mittelfeldspieler verpflichten, der auf Anhieb Bundesligaformat haben sollte.

Philipp Pentke (bislang ohne Einsatz): Wegen der drohenden Transfersperre hatten die Kölner im Sommer Schwierigkeiten, die Leerstellen des Kaders abzuarbeiten. Nach Timo Horns Abschied brauchte der FC eine neue Nummer 2, was nicht einfach ist: Schließlich braucht man einen Keeper, der bereit ist, sich auf die Bank zu setzen. Der aber im Fall der Fälle sofort Bundesliga-Niveau hat und gleichzeitig in der Lage ist, im Training Druck auf den Stammkeeper auszuüben. Pentke kam zum FC, um sich fitzuhalten. Und überzeugte sportlich wie menschlich. Zuletzt wegen eines Trainingsunfalls außer Gefecht.

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Luca Waldschmidt traf im Test gegen Nantes und spielte eine starke Vorbereitung.

Luca Waldschmidt (8 Startelf-Einsätze/639 Minuten): Vom VfL Wolfsburg ausgeliehen, sollte die Effektivität der Kölner Offensive verbessern. Tatsächlich war die Ausbeute der Kölner Offensive schon in der vergangenen Saison dürftig – doch mit Waldschmidt ist sie nicht besser geworden. Der Angreifer, der in der Saison 20/21 einmal 27 Ligaspiele für Benfica Lissabon absolvierte und dessen Ablöse damals auf 80 Millionen Euro festgeschrieben war, wollte nach zwei verlorenen Jahren in Wolfsburg angreifen und spielte eine überzeugende Vorbereitung.

In der Liga vergab er jedoch zuletzt Chance um Chance und zeigte sich auf wechselnden Positionen noch nicht in der Lage, zum Fixpunkt des Kölner Angriffs zu werden.

Rasmus Carstensen (9 Startelf-Einsätze/769 Minuten): Wechselte zur vergangenen Saison aus Silkeborg zum belgischen Spitzenklub KRC Genk. Doch seine Ambitionen wurden dort hart gebremst: Nur 50 Minuten stand Carstensen für die Profimannschaft auf dem Platz, verteilt auf vier Einsätze, keinmal stand er in er ersten Elf.

Rasmus Carstensen hat Benno Schmitz vorerst den Rang abgelaufen

Von dieser Erfahrung scheint sich der 22-Jährige gut erholt zu haben. Auf zehn Einsätze kam der Däne bislang und hat vorerst FC-Veteran Benno Schmitz auf der rechten Seite den Rang abgelaufen. Der robuste Außenverteidiger hat zwar Schwierigkeiten am Ball. Doch sein Einsatz und sein Mut haben ihm mittlerweile einen Stammplatz beschert.

Faride Alidou (8 Einsätze/245 Spielminuten): Der Offensivspieler kam als Leihgabe von Eintracht Frankfurt, wo er sich nicht hatte durchsetzen können. Hatte körperlich einiges aufzuholen und führte sich mit einigen haarsträubenden Fehlern ein. Nach seinem Auftritt beim 0:6 in Leipzig gegen Augsburg nicht im Kader. Am vergangenen Wochenende in Bochum für drei Minuten eingewechselt.

Dominique Heintz (3 Einsätze/185 Spielminuten): Kam im Sommer als mittlerweile 30-Jähriger nach Köln zurück, wo er nach zwei brillanten Jahren im Frühjahr 2017 den Abstieg erlebt hatte. Spielte für Freiburg, Union Berlin und zuletzt für den VfL Bochum.

Stand nun eher überraschend zweimal nacheinander in der Kölner Startelf, weil Pacarada die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Nutzte seine Erfahrung aus mehr als 200 Bundesligaspielen auch auf der ungewohnten Linksverteidiger-Position. Ein etwas unerwarteter Transfer, der aufgehen könnte.

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