Immer wieder kritisiert Bayer 04 Leverkusens Stürmer Sardar Azmoun das Mullah-Regime seines Heimatlandes Iran. Nun drohte dem 27-Jährigen das WM-Aus. Doch sein Nationaltrainer hat erfolgreich für ihn gekämpft.
Bayer-04-ProfiRegime-Kritiker Sardar Azmoun in Irans WM-Kader

Sardar Azmoun im Nationaltrikot des Iran
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Sardar Azmoun, iranischer Fußballprofi von Bayer 04 Leverkusen, äußert seit vielen Wochen regelmäßig Kritik am iranischen Mullah-Regime und dem brutalen Vorgehen der Staatsmacht gegen die eigene Bevölkerung nach dem Tod von Mahsa Amini Mitte September, die nach der Verhaftung durch die iranische Sittenpolizei ums Leben gekommen war.
Nun drohten Azmoun Konsequenzen für seine regime-kritischen Standpunkte: Die Staatsführung bedrängte Nationaltrainer Carlos Queiroz, den Leverkusener Stürmer aus dem Kader für die WM in Katar zu streichen. Der 69 Jahre alte portugiesische Coach wollte sich der Anordnung nicht fügen – weshalb die für Sonntag in Teheran angesetzte Nominierungs-Pressekonferenz kurzfristig abgesagt wurde, obwohl viele Journalisten bereits vor Ort waren. Am Abend hatte sich Queiroz offensichtlich durchgesetzt: Azmoun ist Teil des bekanntgegebenen WM-Kaders des Iran.
Carlos Queiroz setzt auf Sardar Azmoun
Der in Deutschland lebende Sportjournalist, Lehrer und Iran-Experte Farid Ashrafian bestätigt gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ die Vorgänge in Teheran. „Ich weiß aus sicherer Quelle, dass der zentrale Streitpunkt die Personalie Azmoun ist“, sagt Ashrafian. „Das Mullah-Regime hat Queiroz gesagt, dass er Azmoun nicht mitnehmen darf.“ Doch der Trainer setze auf den 27-Jährigen und habe ihn fest eingeplant. „Er ist dadurch geprägt, dass er sich nicht unterordnet“, sagt Ashrafian.
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Azmoun, der nach einem Muskelfaserriss zwar für Bayer 04 nicht mehr in der Bundesliga zum Einsatz gekommen war, doch zum Turnier in Katar zur Verfügung steht, bildet zusammen mit Mehdi Taremi (30/FC Porto) den Sturm und damit das Prunkstück der iranischen Auswahl. In 65 Einsätzen traf Azmoun 41 Mal.
Sardar Azmoun „hat sich unaufhörlich solidarisiert“
Der Leverkusener Profi hatte sich immer wieder mit Äußerungen in den sozialen Netzwerken für die Frauen in seinem Heimatland eingesetzt. „Er hat sich unaufhörlich solidarisiert, er hat nicht nachgelassen“, sagt Ashrafian. Nach Ansicht des Iran-Experten hat ein Großteil der Nationalmannschaft eine regime-kritische Einstellung, doch mit Ausnahme von Torwart Alireza Beyranvand ist bei seinen Äußerungen niemand so mutig wie Azmoun.
Das letzte Testspiel des Iran, ein 1:0 gegen Nicaragua in Teheran, hatte vor leeren Rängen stattgefunden. „Die Machthaber haben Angst davor, dass der Protest auf den Tribünen stattfinden könnte. Bei der Nationalhymne haben nur zwei von elf Spielern mitgesungen“, sagt Ashrafian. „Auch die WM-Bühne ist für das Regime ein Riesen-Problem. Die Weltpresse ist nicht auf das Sportliche, sondern auf Randthemen fokussiert – wie zum Beispiel Protestbotschaften von Spielern.“

